[Infografikmassaker] Finaaale Ohoh – Wo?

[Update 29.5.11: Die dankenswerterweise in den Kommentaren aufgezeigten kleinen Fehler sind verbessert, sowie der FC Barcelona als diesjähriger Sieger nachgetragen]

Wie ich ja anläßlich des einen oder anderen Infografikmassakers schon erwähnte, haben die meisten Infografikmasskerideen ihren Ursprung in wilden Kneipendiskussionen zu fortgeschrittener Stunde. Diesmal ist alles anders, die Idee für diese kleine Grafik nämlich ereilte mich per Email. Gestern Vergangene Woche Vor fast einem halben Jahr war es, dass mir unser aller Trainer die Idee unterbreitete, doch mal was zu den Austragungsorten der Europacupfinals zu machen. Ein hübscher Gedanke, wie ich fand, auch wenn er zu jenem Zeitpunkt aufgrund vielschichtiger andersweitiger Verpflichtungen nicht durchführbar war. Vor meinem inneren Auge erstanden Wahrzeichen, das Kolosseum in Rom, die Marienkirche in München, das Belgrader.. ähm.. die Gelsenkirchener.. na… öhm. Nicht immer ist der erste Gedanke ein guter Gedanke.

Dann war da der landesweit bekannte Choleriker aus München, der immer wieder mal von seiner Fußballmannschaft forderte, sich unbedingt für die kommende Champions League-Saison qualifizieren zu müssen. Aus verschiedenen verständlichen Gründen. Und eben auch, da der Austragungsort des Champions League-Finales der kommenden Saison eben München heißt. Und was gebe es schöneres, als die begehrteste europäische Trophäe auf Vereinsniveau im eigenen Stadion zu gewinnen? So wie einst… ähm.. ja?

Dank dieser kleinen Infografikmassakergrafik ist es dem geneigten Leser nun möglich, die Antwort auf diese Frage hopplahopp aus dem Ärmel zu schütteln: 1956/57 gelang dies Real Madrid und 1963/64 Inter Mailand. Nicht allzu oft also, möglicherweise hat Herr Hoeneß die Notwendigkeit dieses Unterfangens ein klein wenig übertrieben, was ja sonst gar nicht seine Art ist.
Das Kunststück, den Pokal der Landesmeister / die Champions League im eigenen Land zu gewinnen, gelang hingegen mehreren Mannschaften: Manchester United und der Liverpool FC gewannen im Londoner Wembley-Stadion (den Engländern ist es natürlich unmöglich im eigenen Stadion zu gewinnen, da, wie auch in Frankreich, alle Endspiele im Nationalstadion stattfinden – 02/03 war eine Ausnahme, die dadurch zustande kam, dass das Wembley-Stadion zu jener Zeit in Schutt und Asche lag, um dem Neubau zu weichen), Ajax Amsterdam gewann 71/72 im Rotterdamer De Kuip, der BVB aus Dortmund 96/97 in München und Juventus Turin 95/96 in Rom.

Und noch etwas tritt durch diese Grafik zu Tage: Drei Vier Mannschaften glückte das Kunststück, den Titel zu verteidigen, wenn er das nächste Mal in der Stadt vergeben wurde, in der sie ihn zuvor gewann: Real Madrid in Brüssel, dem AC Milan in Athen, Liverpool in Rom und der FC Barcelona in London. Barcelona hat die Chance, sich am morgigen Samstag in diese illustre Gruppe einzureihen. Und Dortmund hat sich zumindestens die Chance gesichert, das gleiche zu tun, nächstes Jahr im Mai.

Ein paar Worte zur Legende: Die Größe des Stadtwappens – sowie des Kreises auf der Karte – zeigt an, wie oft die jeweilige Stadt Final-Gastgeberin war.
Die Städtenamen sind auf Deutsch, bei den Stadion- und Vereinsnamen habe ich mir Mühe gegeben, sie in der jeweiligen Landessprache aufzuschreiben. Stadien, die umgebaut und/oder umbenannt wurden, sind dementsprechend gekennzeichnet, Stadienneubauten neu aufgeführt.

Eine Frage hätt ich noch: Warum war Wien zwischen 87 und 95 dreimal Gastgeber? Gibt es für dafür eine nachvollziehbare Erklärung?

Nach dem Klick öffnet sich die Grafik in größerer Ansicht.

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Identität und Gnadenbrot

Das Geraune ist groß. Die Empörung auch. Altgediente Helden werden vom Hof gejagt, die Volksseele wütet und schreit.
Die Rede ist von Thomas Häßler, Matthias Scherz und Dirk Lottner. Diese drei ehemaligen Spieler, so berichten die stets um sachliche Aufklärung bemühten Kölner Medien, werden in Zukunft nicht mehr in Lohn und Brot beim 1. FC Köln stehen. Das taten sie nämlich nach Karriereende, wenn auch im Falle Häßler über den Umweg Nigeria. Nun ist Icke Techniktrainer, Matthias Scherz verantwortlich für Spielerentwicklung und Karriereplanung im Nachwuchsbereich und Dirk Lottner war Trainer der U17 bis er unter Frank Schaefer, dessen Zukunft ebenfalls ungeklärt ist, Co-Trainer der ersten Mannschaft wurde. Als solcher ist unter Solbakken, der seinen eigenen Co-Trainer mitbringt, kein Platz mehr für ihn.
In der Kasse des FC, so die in den Berichten mitgelieferte Begründung, klafft ein großes Loch und der Sparzwang diktiere diese Personalpolitik.

Die Empörung, das liegt auf der Hand, speist sich aus einer durch diese mutmaßliche Personalpolitik wahrgenommene Schwächung der Vereinsidentität. Alte Helden stellen eine Bindung dar, zu besseren Zeiten, insbesondere aber auch zum Heimatsgefühl, welches ein Verein vermittelt und welches für viele Fans von großer Wichtigkeit ist.
Und FC-Helden sind die drei genannten allemal, auch wenn ich zugeben muss, dass ich es Dirk Lottner bis heute nicht verzeihen kann, dass ihm sein plötzlicher Starstatus damals nach der ersten erfolgreichen Aufstiegssaison unter Lienen wichtiger als der Erfolg der Mannschaft war und er mit seinem leider gewonnenen Machtkampf gegen Lienen hauptursächlich für den zweiten Abstieg verantwortlich war. Aber solche Feinheiten verwirren nur und werden gerne ausgeblendet – der Mann spricht kölsche Tön, der is ne Held. Doch genug davon, ich echauffiere mich beim Thema Lotte immer zu sehr.

Natürlich sind die Drei – wie übrigens auch Paul Steiner, der als Scout ebenfalls auf dieser „Abschussliste“ steht; der bekannteste „WM Tourist von 1990“, der 291 mal für den FC auflief, der aber offenbar keinen Heldenstatus genießt, denn sein Name wird in den Empörungsreden selten genannt – natürlich sind diese drei verdiente und große Spieler (also, naja.. Lottner…) des 1. FC Köln. Und natürlich sind sie in der Lage Identität zu stiften und natürlich ist der Verein verpflichtet, ihnen Dankbarkeit zu zeigen.

Aber reicht „Dankbarkeit“ als Einstellungsmerkmal? Wer möchte beurteilen können, ob Paul Steiner ein guter Scout ist? Icke Häßler wird auf alle Zeiten einer meiner ganz persönlichen Fußballgötter bleiben, und als Mensch – soweit ich das aus der Entfernung beurteilen kann – schien er mir immer sehr sympathisch zu sein – aber als Trainer, mit den modernen Anforderungen an Methodik und Pädagogik, kann ich ihn mir nicht vorstellen. Den Aufgabenbereich eines Verantwortlichen für „Spielerentwicklung und Karriereplanung im Nachwuchsbereich“ kann ich mir nicht genau vorstellen, ob Mattes Scherz diese Aufgabe erfüllen kann, weiß ich noch viel weniger. Sind diese Jobs also nichts weiter als ein Gnadenbrot für verdiente Spieler, das moderne Äquivalent zum früheren Kiosk, der so manchen ehemaligen Spieler nach seiner Karriere erwartete?

Ja, natürlich, wie schon gesagt: Dankbarkeit ist wichtig. Dafür zu sorgen, so weit man kann, dass diese Spieler, die lange viel für den Verein gegeben haben, nicht unter die Räder kommen, wie so manch anderer ehemaliger Fußballprofi, auch. Aufgaben im Verein, die wichtig sind für die sportliche Weiterentwicklung, aber jemanden anzuvertrauen, dessen einzige Qualifikation es möglicherweise – wie gesagt: wirklich beurteilen kann ich es nicht, ebenso wenig wie jene, die sich echauffieren – ist, vor 20 Jahren brillante Pässe gespielt zu haben oder vor 25 Jahren eine Abwehr organisiert zu haben, klingt in meinen Ohren wenig sinnvoll.

Ich kann jeden verstehen, der Icke, Mattes, Lotte und Paul gerne als Identifikationsfiguren im Verein hätte, auch für mich sind sie dies auf eine gewisse Weise. Wer sich nun allerdings empört und Gift und Galle spuckt, möge bitte beim nächsten misslungenen Scouting, bei der nächsten misslungenen Flanke oder beim nächsten Jugendspieler, der die Rheinseite wechselt, schweigen und sich daran freuen, dass Steiner, Häßler und Scherz einen Job gefunden haben.

P.S.: Da die Empörung, wie gesagt, auf Zeitungsberichten beruht, ich aber keine Lust habe mich schon wieder mit der Kölner Presse auseinanderzusetzen, hier ein paar Fakten: Am 12. Mai gab der FC bekannt, dass die Verträge von Paul Steiner und Matthias Scherz nicht verlängert werden. Thomas Häßler ist beim FC Thun als Cheftrainer im Gespräch und von Dirk Lottner berichtet der Kölner Stadtanzeiger heute, dass „eine neue Aufgabe“ für ihn gesucht werde – dies allerdings unter der Überschrift „Kein Job für Dirk Lottner„. D’oh.

Die Metamorphose eines Artikels

Irgendwie werd ich sie nicht los, die Rolle als Medienkritikaster. Dabei hab ich nun schon oft genug hier und vor aller Welt Besserung gelobt. Aber die folgende kleine Geschichte ist eigentlich zu schön, um sie unerwähnt zu lassen.

Gestern berichtete ich von der Vorstellung des neuen Trainers des 1. FC Köln, Ståle Solbakken. Nachdem ich meinen kleinen, schlurchigen Eindruck abgeschickt hatte, warf ich einen schnellen Blick in die Medienlandschaft, um zu sehen, welche Reaktionen dort zu lesen seien. Dabei fiel mir, wie ich dann auch in einem P.S. zu meinem Artikel erwähnte, in einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers folgender Satz auf: „Auch von der ansässigen Presse hat Solbakken laut eigenen Angaben viel Gutes gehört“.

Ein Hohn, dieser Satz, denn jedem Menschen mit einem Hauch von Wissen über die Geschichte des 1. FC Köln und seinem Verhältnis zu den Kölner Medien war klar, dass Solbakkens lachend vorgetragenes Statement („The way Cologne sold the club to me was very, very honest, they said that the press here was very very nice“) nichts weiter als gutgelaunte Ironie war.

Nun gut. Die Kölner Presse verkauft einen ironischen Seitenhieb als ernsthaftes Lob. Darüber kann man sich ein wenig aufregen, muss man aber nicht. Es gibt Wichtigeres.

Doch offenbar war ich nicht der Einzige, dem dieser Satz aufstieß, in verschiedenen Foren wurde darüber geschrieben und vor allem: Unter dem Artikel fanden sich Kommentare, die sich kritisch mit ihm auseinandersetzten.

Irgendwann im Verlauf des gestrigen Tages oder Abends verschwand dann dieser Artikel und an seiner statt erschien ein neuer Artikel mit dem Titel „Stale Solbakken stellt sich vor“ – allerdings unter dem gleichen Link zu erreichen, was bedeutet, dass die sich auf die merkwürdige Interpretation des Solbakkenschen Satz beziehenden Kommentare weiterhin lesbar sind.

Oder besser: waren. Heute morgen nämlich passiert zweierlei: Zum Ersten kommentiert der Kölner Stadtanzeiger seinen eigenen Artikel in Bezug auf die kritischen Kommentare und bittet die Leser „die tatsächlichen Zusammenhänge zu prüfen, bevor Sie unseren Autor diffamieren“, der Artikel sei nämlich gar nicht von einem Redakteur des Hauses, „dieser Artikel war der Text einer Presseagentur, wie Sie im Kürzel am Ende des Artikels erkennen konnten.“ Abgesehen davon, dass der interessierte Leser nichts mehr erkennen kann, da der ursprüngliche Artikel verschwunden war – googelt man den Satz, um den es geht, nämlich „Auch von der ansässigen Presse hat Solbakken laut eigenen Angaben viel Gutes gehört“, so findet man Links zum Kölner Stadtanzeiger sowie zu diversen Foren und diesem kleinen Blog hier. Mit anderen Worten: Handelte es sich um den „Text einer Presseagentur“, so war offensichtlich außer der größten seriösen Zeitung vor Ort niemand im ganzen weit(entfernt)en Land der Meinung diesen übernehmen zu müssen. Hm. Hm.
Zum zweiten – rund zwei Stunden später – verschwindet der neue Artikel „Stale Stolbakken stellt sich vor“ aus dem Internetauftritt des Kölner Stadtanzeiger (ist allerdings noch über den von mir angegebenen Link auffindbar und auch, wenn man explizit nach dem Titel sucht, über die Suchmaske der Zeitung zu finden) und wird durch den Artikel „Deutsch als erste Verpflichtung“ ersetzt. Dieser ist hundertprozentig deckungsgleich mit seinem Vorgänger, nur der Link und der Titel ist ein anderer. Und, huch, die kritischen Kommentare sind auch verschwunden, die stehen ja schließlich unter dem alten Artikel.

Qualitätsjournalismus, altes Haus, sag mal, brauchst Du mal ein bisschen Nachhilfe?

So, und nun wieder zu Wichtigerem.

All Eyes On: Ståle Solbakken

Der neue Trainer des 1. FC Köln, der Norweger Ståle Solbakken, gab heute seine erste Pressekonferenz und zeigte sich somals das erste Mal den neugierigen Kölner Journalisten und den noch neugierigeren Kölner Fans.

Eine solche Pressekonferenz ist naturgemäß wenig aussagekräftig. Noch kennt der neue Trainer die Mannschaft kaum (Drei bis vier Spiele der letzten fünf Kölner Auftritte habe er sich auf DVD angesehen), ein sportliches Konzept kann noch nicht vorliegen. Zu wenig also, um nun wirklich fundierte Analyse zu betreiben.

Zwei oder drei Dinge lassen sich aber schon mal positiv vermerken, abgesehen davon, dass mir persönlich der heitere und teilweise witzige Auftritt Solbakkens sehr sympathisch war.

Da gilt zum einen, dass Solbakken offenbar gut instruiert worden ist, er weiß, nun gut: glaubt zu wissen, was ihn erwartet. Der Verein sei sehr ehrlich zu ihm gewesen, so sagte Stolbakken, er wisse, dass die Presse in Köln sehr, sehr nett sei und ließ ein Lachen folgen. Zudem sei ihm natürlich die Zahl der Trainer in den letzten Jahren bekannt, und ihm sei durchaus bewußt, was das bedeute, und dass er dahingehend die Aufgabe mit offenen Augen angehe. Er weiß also, dass ihn ein Minenfeld erwartet und nimmt die Herausforderung trotzdem an.

Wichtiger aber noch schien mir der kleine Exkurs über die vergangenen Gespräche mit dem FC, namentlich Volker Finke zu sein: Sie hätten gute Unterhaltungen über Fußball gehabt, die Vorstellungen davon, was guter Fußball sei, seien deckungsgleich. Natürlich sei ihm bewußt, dass „Euch“ – gemeint war die Presse – am Ende nur die Resulate interessieren würde, sein Augenmerk aber lag ganz offensichtlich darauf, in Volker Finke einen Gesprächspartner auf Vereinsseite gefunden zu haben, der mit ihm kompetent über Fußball reden konnte.

Wie bereits oben gesagt: Es ist noch viel zu früh, irgendwelche Wertungen abzugeben. Sollte aber die Zusammenarbeit zwischen Verein, Trainer und Mannschaft auch nur halbwegs funktionieren, könnte, vielleicht und eventuell, dem 1. FC Köln Gutes blühen.

P.S.: Eines jedenfalls ist sicher, Ironie ist dem Kölner Stadtanzeiger nicht bekannt. Anders jedenfalls ist nicht zu erklären, dass aus dem oben erwähnten kleinen Seitenhieb die Aussage „Auch von der ansässigen Presse hat Solbakken laut eigenen Angaben viel Gutes gehört“ werden konnte.

P.P.S.: Ausschnitte aus der Pressekonferenz finden sich hier.

Mehr als ein Wermutstropfen.

Der 34. und letzte Spieltag ist vorbei und es wäre der richtige Zeitpunkt, um sich zu freuen. Trotz einer Chaossaison in klassisch-kölscher Art springt am Ende Tabellenplatz 10 heraus, die beste Tabellenplatzierung seit zehn Jahren. Der Saisonverlauf gibt es nicht her, aber trotzdem sei mir kurz der Blick nach oben gestattet: Nur drei Punkte Abstand auf Platz 6 – Wahnsinn.
Und auch die gestern verkündete Verpflichtung des norwegischen Trainers Ståle Solbakken ist bei aller gebotenen Vorsicht hinsichtlich des Minenfeldes Köln eine erfreuliche Nachricht, über die es sich vortrefflich freuen liesse.

Aber aller Frohsinn am heutigen Tage wird gedämpft von der Nachricht, dass sich die Verletzung, die Armando Gonçalves Teixeira, genannt Petit, in der 75. Minute des gestrigen Spiels gegen Schalke 04 erlitt, als Kreuzbandriss erwies. Eine schlimme Verletzung für jeden Profi-Fußballer, für Petit jedoch mit möglicherweise katastrophalen Folgen. Der Portugiese ist 34 und sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Der 1. FC Köln müsste also nun den Vertrag verlängern mit einem Spieler, der frühestens in einem halben Jahr wieder fit wäre und sich dann als dann 35-Jähriger wieder an das Team herankämpfen müsste. Es riecht nach Karriereende.

Petit hat Großartiges für den FC geleistet, denn er hat maßgeblichen Anteil daran, dass es dem Verein vorerst gelungen ist, aus dem Fahrstuhl auszusteigen. Verpflichtet nach dem letzten Aufstieg 2008, brachte der 2-malige portugiesische Meister, Weltmeisterschafts-Vierte und Vize-Europameister nicht nur durch seinen Namen Glanz in die Müngersdorfer Hütte. Der Pitbull, der das spitznamengebende Tier auf seiner Wade spazieren trägt, agierte in den vergangenen drei Jahren im defensiven Mittelfeld als genau solcher: Bissig, immer auf der Jagd nach dem Ball, dabei auch hin und wieder den Gegner mitnehmend oder sich, wenn es angebracht war, vom Gegner mitnehmen lassend – ich kenne keinen Spieler, der es dermaßen gut beherrscht, Fouls zu provozieren – kurz: Immer das routinierte defensive Bollwerk, das ein Aufsteiger und eine gegen den Abstieg spielende Mannschaft braucht.
Dabei machte Petit 93 Spiele für den FC, nur für Benfica Lissabon machte er deutlich mehr.

Sicher gab es schwächere Phasen, immer wieder mal wirkte Petit, als wäre seine Zeit vorüber, aber immer fing er sich wieder, brachte sich wieder in Form und half der Mannschaft entscheidend weiter. Viele sind der Meinung, dass er eine unrühmliche Rolle hinsichtlich der Demission Frank Schaefers spielte, die häufig genannten „älteren Spieler“, die sich von dem lange als Nachwuchstrainer agierenden Schaefer nicht richtig behandelt fühlten, meinen jedenfalls immer Petit als Hauptfigur. Schwer zu beurteilen, was da stimmt und was nicht, aus der Ferne. Fakt ist, dass Petit unter dem Strich von enormer Wichtigkeit war für diesen Verein.

Ob sein Vertrag ohne diese Verletzung verlängert worden wäre, ist unbekannt. Wenn nicht, wäre es ihm aber sicher möglich gewesen irgendwo noch seine Karriere langsam ausklingen zu lassen, dies scheint jetzt sehr schwierig zu werden, denn wer verpflichtet einen 34-Jährigen mit einer schwerwiegenden Verletzung? Und so bedeutet die Verletzung wohl das Ende einer Karriere, die einen schöneren Schluß verdient hätte. Dass Volker Finke kundtut, dass „wir die Situation gemeinsam erörtern werden und versuchen werden, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden, weil es sich um eine schwerwiegende Verletzung eines verdienten Spielers des 1. FC Köln handelt.“ macht Hoffnung, dass es eine Lösung gibt, die anderes bedeutet. Zu wünschen wäre es Armando Gonçalves Teixeira.

Trikot des 1. FC Köln 2011/2012

[Update]: Offenbar bestätigen sich die Gerüchte, dass dieses Trikot NICHT das neue Trikot sein wird, die roten Applikationen an Kragen und Ärmel sollen angeblich fehlen. Der Express hat mittlerweile einen Rückzieher gemacht und nennt das „offizielle Trikot“ nur noch einen Fanentwurf.
Entschuldigt bitte die Fehlinformation, mein Fehler.


[Update II]
: Hier ist dann der Link zum tatsächlichen neuen Trikot. Komplett (bis auf Rewe Schriftzug und Reebok Zeichen in Weiß. Hm, ich muss gestehen, dass mir der rote Kragen gestern besser gefiel, aber so ist auch sehr schick.

Schon seit Tagen kündigt der 1. FC Köln häppchenweise das neue Trikot an, in immer neuen Videos wird dem geneigten Fan näher gebracht, dass es in der kommenden Spielzeit endlich mal wieder ein weißes Heimtrikot geben wird. Als wäre das etwas besonderes. Gut, in Anbetracht manch visueller Katastrophe der letzten Jahre wird auch die Selbstverständlichkeit zur Ausnahme. Man stelle sich nur mal vor, der VfB Stuttgart würde wochenlang über alle Social-Media-Kanäle verkünden, dass es nächste Saison endlich! hurra! jippie! ein weißes Trikot mit rotem Brustring gäbe. Albern? Genau.

Wie auch immer, der Wunsch nach der traditionellen Heimfarbe Weiß – die natürlich weit weniger traditionell ist, als der ewige rote Brustring der Stuttgarter, aber doch traditionell genug, um mit Verwunderung die dauernde Abkehr der letzten Jahre zur Kentnis zu nehmen – der spätestens in der vergangenen Saison unüberhörbar durch die Fanmassen rumorte, hat Anklang gefunden. So möchte man meinen, in Wahrheit stand das kommende Trikot wohl schon fest, lange bevor die Zusage an den Mob erfolgte.

Der Express hat nun heute ein Foto veröffentlicht, dass ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte, so dass sie darauf verzichten können dort zu klicken:

Und ich für meinen Teil bin zufrieden. Ich mag das Weiß, ich bin ja auch eine alter Sack, der Kragen gefällt mir und überhaupt. Einverstanden, wertes Reebok-Volk.

Allerdings hoffe ich, dass jetzt auch die alberne Comic-Sans-ähnliche Beflockung verschwunden ist.

All Eyes On: Simon Terodde

Glaubt man den Gerüchtekücheninsassen, so wird Simon Terodde nach Michael Parensen der zweite Spieler, der vom ersten Herzverein des Blogautors zum zweiten wechselt. Zwar nur auf Leihbasis, in Anbetracht der Köpenicker Finanzverhältnisse scheint dies allerdings grundsätzlich ein guter Weg zu sein.

Das Problem für mich ist an dieser Stelle: Hier könnte der Artikel auch schon wieder zu Ende sein. Ich kann nämlich nicht viel aus erster Hand zu Terodde sagen. Bekannt für den interessierten Unioner dürften mittlerweile die Fakten sein: 23, Stürmer, spielt in der Regel in der 2. Mannschaft des FC, also in der vierten Liga. 5 Einsätze in dieser Saison hat er bislang in der 1. Mannschaft – und damit in der Bundesliga – vorzuweisen. Die allerdings sind wenig ausssagekräftig: Der längste Einsatz dauerte 9 Minuten. Einwechselspieler, wenn überhaupt. Allerdings dürfte auch dem geneigten Berliner bekannt sein, dass der Sturm des FC mit den Namen Novakovic und Podolski nicht nur prominent, sondern auch erstklassig besetzt ist, dass da für einen Mann aus der 2. Reihe nicht viel Einsatzzeiten zu holen gab, dürfte klar sein. Immerhin: Unter Frank Schaefer wurde Terodde quasi Stürmer Nummer 3 – noch vor Alexandru Ionita, den im vergangenen Sommer für 1,5 Millionen Euro transferierten Jungstürmer aus Rumänien.

90 Minuten spielen sehen hab ich ihn nur im Pokalspiel gegen den MSV Duisburg, ein Spiel, an das ich mich gar nicht erinnern mag. Das allerdings lag nicht an Terodde, sondern an der gesamten Mannschaft. In Halbzeit Eins passte sich der Stürmer dem allgemeinen Niveau an und fiel negativ auf, viele Bälle versprungen und wenig brauchbares geschah, dies allerdings änderte sich zum Ende der Partie, Terodde wurde mehr und mehr zum Aktivposten, dass er das einzige Tor – und sein einziges für die erste Mannschaft überhaupt – an jenem verfluchten Dezemberabend schoß, passte.

Terodde ist Strafraumstürmer, Stoßstürmer wie das so schön heißt, dabei trotz seiner Körpergröße von 1,92 eher Wühler als Kopfballungeheuer, was für mich ein kleines Fragezeichen entstehen läßt ob seiner Brauchbarkeit für die Eisernen: Da lautet nämlich der Name des kopfballstärksten Stürmers Karim Benyamina und der verlässt ja bekanntermaßen den Verein, während Halil Safran, ein Wühler vor dem Herrn, bleibt.

Was allerdings die Grundvoraussetzung um in Köpenick anerkannt zu werden angeht, nämlich die Bereitschaft des Spielers, im Notfall auch über die eigenen körperlichen Grenzen hinweg den Kampf aufzunehmen, sehe ich Terodde bestens vorbereitet: Kürzlich zog er sich in einem Spiel für die U23 des FC in der zehnten Minute einen Bänderriss zu: „Ich hatte schon ein bisschen Schmerzen. Aber in der Halbzeit haben wir gekühlt und es ging anschließend.“ Gespielt hat er 90 Minuten. That’s the Spirit.

Liebe Marketingfuzzis von Adidas,

Ihr habt Euch ja offenbar gedacht, dass es in Zeiten von Social Media und Konsorten to-tal toll cool krass wäre, zu jedem neuen Adidas Trikot ein Video auf YouTube zu veröffentlichen, in dem dieses vorgestellt und von einem Mann, der vermutlich einen Trikotdesigner darstellt oder vielleicht auch einer ist, was ziemlich egal ist, fachmännisch kommentiert wird. Super Sache. To-tal innovativ.

Nun sehe ich das Trikotpräsentationsbegleitvideo über das neue Auswärtstrikots des FC Schalke 04 und sehe nicht nur, sondern höre auch und bin.. ja nun.. verdutzt.

„Das Besondere am Design ist die Nadelstreifenoptik (Dramatische Musik) Sie erinnert an eins der beliebtesten Trikots aus den frühen achtziger Jahren (Dramatische Pause in dramatischer Musik) Spieler und Fans sollen dadurch auch motiviert werden, an alte Erfolge von früher anzuknüpfen.“

Ähm.

Also, Jungs, ich bin nicht so ganz sicher, ob ich Euch folgen kann.

Welche Erfolge in den frühen Achtzigern meint Ihr denn so? Den ersten Bundesligaabstieg des FC Schalke 04 in der Saison 80/81? Oder den im Jahr 83?

Oder gehts um die Aufstiege? Demnach sollen also die Schalker Spieler versuchen an die Aufstiegserfolge anzuknüpfen? Wenn sie erst mal abgestiegen sind, oder wie oder was?

Ich bin verwirrt.