Lieber Kicker,

ich hätte da gerne mal eine Erklärung:
„Dr. Felix Brych ließ vor dem 1:0 Jarolims Tackling gegen Wome zu Recht laufen, hätte aber Guerreros Einsatz gegen Geromel abpfeifen müssen. Zudem übersah er, dass beim 2:0 der im Abseits stehende Zé Roberto Kölns Torhüter Mondragon die Sicht nahm“ schreibst Du in der Analyse über das gestrige Spiel zwischen dem Hamburger Sportverein und dem 1. FC Köln in der Beurteilung über den zwölften Hamburger Schiedsrichter.

Abgesehen davon, daß Du damit ignorierst, daß der von Dr. Brych gegebene und zum dritten, ebenfalls irregulären, Tor führende Elfmeter keiner war, kommst Du also zu dem Schluß, daß die ersten beiden Tore für die Hamburger regelwidrig erzielt wurden und der HSV nur deshalb 2:0 in Führung ging, weil Dr. Brych das Regelwerk des DFB ignorierte.

Deine Note für den auf ganzer Linie versagenden Herrn Dr. Brych aber ist eine 3,5.

Hast Du die ausgewürfelt? Einen HSV Fan befragt? Den Schwager von Brych die Benotung vornehmen lassen?

Verwundert,
Dein Spielbeobachter.

Edit: Der Beitrag ist eigentlich überflüssig geworden. Siehe Kommentare.

Hamburger Experte

Es sprach der junge Mann, der im Supermarkt unten in meinem Haus an der Kasse sitzt und von dem ich weiß, daß er HSV Fan ist, so wie er weiß, daß ich FC Fan bin:
„Das gibtn Unentschieden morgen.“
Ich nickte und sagte: „Damit wär ich hochzufrieden.“
Er fuhr fort: „Es würd mich auch nicht wundern, wenn Köln gewinnt“.
Ich fand die Aussage etwas unsinnig, stammelte ein „Naja..“ während ich das Wechselgeld in mein Portemonnaie gleiten ließ, nickte aber schließlich doch gottergeben. Dagegen hätt ich ja nichts.

Und als er sich schon dem nächsten Kunden zuwandte, schob er dann noch die Erklärung, nach der ich gar nicht gefragt hatte, hinterher: „Das ist ja ein kleiner Verein, mit denen tun wir uns schwer“.

Pfffft.

Die Liste des Grauens: Kölner Transfers 1997 – 2009

Probek hats erfunden. Für seinen FC Bayern. Der Werderaner Tobias, der Vizekusener lauthals, der Stuttgarter hirngabel und nedfuller für den HSV haben es nachgemacht. Und ich nun auch.

Und sei es nur, um den Jungs mit ihren Schicki-Micki-Vereinen das Jammern zu verbieten. 😉

Die einzige wahre Transferbilanz des Grauens findet sich nämlich leider hier.

Darum gehts: Eine Liste aller zum 1. FC Köln transferierten Spieler seit 1997. Hinzu eine Bewertung, ob das Schaffen des Spielers im Geissbocktrikot eine positive, durchschnittliche oder negative Wirkung hatte.
Was natürlich, probek hat das schon ausführlich diskutiert, problematisch ist: Diese Einschätzung muß subjektiv sein. Nedfuller hat wahrscheinlich den diesbezüglich sinnvollsten Ansatz gewählt und noch drei Miteinschätzer dazugebeten.

Weg gelassen habe ich alle Spieler, die zwar offiziell zum FC transferiert worden sind, aber eigentlich ausschließlich bei den Amateuren gespielt haben.

Und dann stieß ich bei der Bewertung auf ein Problem, daß den anderen fremd ist. Geht das, daß ich einen mittelmäßigen Zweitligaspieler wie Alexander Voigt, der aber durch steten Einsatzwillen und perfektes Stollen-zu-Pflugscharen-Spiel auffiel, positiv bewerte, den objektiv weitaus besseren Fußballer Pierre Womé nur durchschnittlich? Wie bewerte ich Spieler wie Antar oder Chihi, die in der zweiten Liga ihren Teil zum Aufstieg beitrugen, in der Bundesliga aber versagten? Bei einem Fahrstuhlverein, wie es der FC in den letzten zehn Jahren war, sind vergleichende Bewertungen noch schwieriger.

Hauptquelle war transfermarkt.de. Ab ca. 2001 und früher aber sind die Zahlen, was die gespielten Spiele angeht, größtenteils Humbug, da habe ich dann Fußballdaten.de hinzugebeten. Betrachten wir die Anzahl der Spiele also als ungefähren Richtwert.

Spieler die zur aktuellen Saison gekommen sind, habe ich noch nicht bewertet.

Und jetzt, Augen zu und durch. Es wird schmerzhaft.

2009
+
o
Spiele
Ablöse
Lukas Podolski
10.0 Mio €
Maniche
Christopher Schorch
1.0 Mio €
Sebastian Freis
 
 
2008
Petit
+
37
Daniel Brosinski
12
Wilfried Sanou
18
Pierre Womé
o
24
Miso Brecko
o
39
Derek Boateng
o
10
0,4 Mio €
Pedro Geromel
+
35
2,0 Mio €
Manasseh Ishiaku
15
2,5 Mio €
Taner Yalcin
o
12
Sergiu Radu
23
 
2007
Nemanja Vucicevic
o
55
Ümit Özat
+
37
Kevin Pezzoni
+
38
Roda Antar
o
49
Kevin McKenna
+
60
0.5 Mio €
Faryd Mondragon
+
69
0.4 Mio €
Youssef Mohamad
+
67
1.5 Mio €
Maynor Suazo
o
16
0.2 Mio €
 
2006
Salvatore Gambino
22
Serhat Akin
7
?
Kevin Schöneberg
o
21
Adil Chihi
o
82
Milivoje Novakovic
+
95
1.4 Mio €
Baykal
13
0.2 Mio €
Bernt Haas
22
0.3 Mio €
Aleksander Mitreski
o
58
0.5 Mio €
Thomas Broich
+
74
0.5 Mio €
André
21
0.7 Mio €
Marius Johnson
12
0.2 Mio €
Thiago
6
0.9 Mio €
Fabio Luciano
12
?
Pekka Lagerblom
30
Fabrice Ehret
+
86
 
2005
Evanilson
3
Marvin Matip
o
87
Patrick Weiser
1
Alpay
+
50
Dimitrios Grammotzis
20
Björn Schlicke
15
0,6 Mio €
Peter Madsen
24
0.6 Mio €
Imre Szabics
11
0.5 Mio €
Anthony Lurling
12
0.3 Mio €
Ricardo Cabanas
+
43
0.6 Mio €
Patrick Helmes
+
67
0.2 Mio €
Timo Achenbach
15
0.1 Mio €
Marco Streller
o
14
0.7 Mio €
Boris Zivkovic
8
0.2 Mio €
Yioussef Mokhtari
o
14
0.2 Mio €
 
2004
Attila Tököli
4
Bilica
15
Rolf-Christel Guié Mien
o
29
Kostantinos Konstantinidis
14
Roland Benschneider
25
0.2 Mio €
Christian Rahn
27
0.1 Mio €
Thomas Bröker
16
Vassilios Tsiartas
4
Christian Lell
o
45
 
2003
Sebastian Schindzielorz
o
51
Albert Streit
+
81
0.5 Mio €
Vladan Grujic
13
Thomasz Klos
7
Mustafa Dogan
27
Stefan Wessels
o
98
Jörg Heinrich
22
Andrey Voronin
o
21
Marius Ebbers
o
53
Markus Feulner
+
41
0.1 Mio €
Lukas Sinkiewicz
+
79
Lukas Podolski
+
85
 
2002
Sebastian Helbig
33
Markus Happe
o
32
Giovanni Federico
o
23
Florian Kringe
+
68
Oliver Schröder
o
51
Francis Kioyo
o
31
Markus Dworrak
12
 
2001
Jörg Reeb
16
Marc Zellweger
o
13
0.6 Mio €
Marco Reich
25
3.0 Mio €
Hanno Balitsch
o
25
1.5 Mio €
Lilian Laslandes
5
?
Rigobert Song
+
16
1.0 Mio €
 
2000
Achil Arveladse
o
29
Ivan Vukomanovic
2
Ivica Grlic
2
Andrew Sinkala
o
81
0.1 Mio €
Jens Keller
o
57
0.7 Mio €
Alassane Ouedraogo
3
0.1 Mio €
Alexander Bade
+
94
0.2 Mio €
Miroslav Baranek
39
1.5 Mio €
Darko Pivaljevic
8
1.5 Mio €
Markus Kreuz
o
73
1.0 Mio €
 
1999
Markus Kruth
+
124
Moses Sichone
o
114
Janosch Dziwior
o
60
Matthias Scherz
+
283
Christian Timm
+
69
0.4 Mio €
Pascal Ojigwe
o
32
0.2 Mio €
 
1998
Karsten Hutwelker
24
Dirk Lottner
+
169
Josef Tuma
Christian Springer
o
214
Claus-Dieter Wollitz
+
48
?
Markus Bähr
26
?
Spasoje Bulajic
47
?
Georgi Donkov
81
0.5 Mio €
Ralph Hasenhüttl
41
0.2 Mio €
Alexander Voigt
+
204
Markus Pröll
+
116
 
1997
Andreas Menger
42
Dennis Vogt
1
Khodadad Azizi
o
50
Dennis Grassow
31
?
René Tretschok
o
34
Luciano Emilio
6
?
Markus Münch
13
0.5 Mio €
           
           
Gesamt:
27
35
54
           

Wer sich das anguckt, muß eigentlich keine Fragen mehr zu dem schlechten Abschneiden des FC in den vergangenen zehn Jahren stellen. Zwei Jahre ohne einen einzigen positiven Transfer. Drei Jahre, in denen nur ein Spieler diesem Kriterium genügte. Und ich habe im Zweifel für den Spieler entschieden, bilde ich mir jedenfalls ein.

Herr Ober, ich hätte gerne die 07.

Zusätzliche Zahlenspiele:
Transfers insgesamt (ohne die Transfers für die kommende Saison): 116
Spiele dieser transferierten Spieler insgesamt: 4885
Macht im Schnitt: 42,11 Spiele pro Transfer.
Insgesamt wurden 30,1 Millionen Euro ausgegeben. (Mit der laufenden Saison: 41,1 Mio €). Als kleine Spielerei am Rande: Probek kommt für den FC Bayern im gleichen Zeitraum auf 318,5 Millionen Euro. Pfff. So kann jeder Meister werden.

„Komplett und ganz Scheisse“

Die Vorgeschichte: Die kölschen Boulevardmedien sind wieder da.
Nachdem sie sich zu Zeiten des Zampano, der mittlerweile am Bosperus weilt, verhielten wie normale Boulevardmedien dies nun mal tun – was ohne Frage schon schlimm genug ist – haben sie jetzt, wo der Mann an der Linie ein anderer ist, wieder zu alten Gewohnheiten zurückgefunden. Hauptmission: Seek and destroy. Oder, auf kölsch: Söke un kapoddmaache.
Kein Tag vergeht, an dem Express oder Bild nicht einen Grund finden, warum beim 1. FC Köln alles ganz furchtbar schlimm ist und den Bach runtergeht, Zerfall und Abstieg nur noch eine Formsache ist.
Dabei ist kein Grund zu blöd für die „Journalisten“ um daraus eine Story zu stricken. Ob es die falschen Autos sind, die die Profis fahren (diese Geschichte beschäftigt den Boulevard nun schon seit Tagen) oder ob es der von Torwart Mondragon zum Training mitgebrachte Neffe ist. Höhepunkt ist ein von der Bild veröffentlichter Artikel, in dem selbst erfundene oder wochenlang zurückliegende Kleinigkeiten kulminiert werden um wieder und wieder in die Köpfe der Leser zu hämmern: Längst schon ist aus dem 1. FC Köln der „1. FC Disziplinlosigkeit“ geworden. Wer Trainer Soldo ein wenig kennt, weiß hanebüchen das ist. Wahrscheinlicher ist, das versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, in der Soldo reagieren muß. Damit das Theater richtig brennt.

Zeit also zu antworten. Wer wäre dafür besser geeignet als Faryd Mondragon.
So tat er es auf der heutigen Pressekonferenz. In Englisch, „because I have a lot to say and my deutsch ist not good enough yet. For me all this, the situation that has been created around these two games that we have lost […] is komplett und ganz scheisse.. “

Viel Spass bei den offenen Worten der Woche des Monats des Jahres. (Christoph Daum Feinde kommen auch auf ihre Kosten)

Nachtrag: Der Express veröffentlicht dieses Video ebenfalls auf seiner Homepage. Merkwürdigerweise fehlen alle Stellen, an denen die Medien kritisch angegangen werden. Ein Schelm ist, wer böses denkt.

Die komplette Rede, übersetzt auf Deutsch, findet Ihr nebenan bei Effzeh.

How to do a Van der Vaart

Man muss sich das so vorstellen:
Es ist Sommerpause, Transferperiode. In vielen Städten Deutschlands brodelt die Gerüchteküche. Eine Prise Bedarf wird gut gewälzt in einer großen Menge Wunschvorstellung, anschließend wird das Ganze lange gedünstet in Sensationslust und schlußendlich, je nach Geschmack, garniert mit Hoffnung und Verzweiflung.

Weil das Mahl nicht schmecken mag, kocht und isst man es alleine vor sich hin, treffen sich die Hungernden in den für sie vorgesehenen Einrichtungen, nennen wir sie der Einfachheit halber mal Fußballvereinsforen. Viele Köche verderben den Brei – keine Behauptung könnte absurder sein als diese auf unser kleines Rezept bezogen. Im Gegenteil, hier wird die Suppe schmackhafter desto mehr Köche teilnehmen.
Die verschiedensten Stilrichtungen hoher Kochkunst treffen aufeinander und ergeben erst in ihrer Zusammenarbeit die interessante Gewürzelage.
Da gibt es die Anhänger der realistischen Bedarfsanalysenküche, deren mahnende Worte stets auf die noch fehlenden Gänge in der Speiseabfolge, die schließlich auf dem Tisch stehen soll, hinweisen. Dann die Köche der „Um fünf Ecken, ein Transfer“-Schule. Sie wissen genau, daß der Postbote der Schwester des Chauffeurs des Arbeitskollegens eines Vorstandsmitglieds über ganz besonderes Wissen bezüglich der zu beziehenden Stärkebeilagen hat.
Und natürlich die Idealisten und Fantasten. Sie greifen gerne die Ergebnisse der Bedarfsanalysenküche auf, mischen sie mit Erkenntnissen der „Um fünf Ecken, ein Transfer“ Köche und zaubern auf dieser Grundlage ein gar fantastisches Menü. Mit Hilfe nicht weniger fantastischer argumentativer Winkelzüge werden binnen weniger Worte sichere Überzeugungen, denen zu Folge die Anrichtung edelster Speisen kurz bevor steht.

In der gleichen Stadt, zu selben Zeit, an einem anderen Ort. Der zuständige Redakteur eines Boulevardblattes ist nervös. Seiner Aufgabe, einen neuen Namen für das tägliche Transfertheater aus dem Hut zu zaubern, ist er heute noch nicht nachgekommen. Lang ist die Liste derer, die er schon abgearbeitet hat. Mittlerweile ist der bedauernswerte Mann schon längst in den Reihen potentieller Spieler angelangt, deren Namen in Deutschland noch nie jemand gehört hat. Der Chef ist sauer – mit Namen, die man erst buchstabieren muß, läßt sich keine Auflage machen.
Verzweifelt durchsucht er das Netz nach irgendwelchen brauchbaren Informationen. Da kommt ihm die rettende Idee: Das Forum der ortsansässigen Fußballfans – prall gefüllt mit Gerüchten, Spekulationen und Fantastereien. Flugs einen hübschen, wohl bekannten Namen aus den abenteuerlichsten Ecken der Gerüchteküche heraus suchen, die nicht weniger abenteuerlichen Begründungen der Fantasten eins zu eins übernehmen, ein paar nichtssagende Manageraussagen hinzu-biegen – fertig ist der Artikel, das Tagewerk geschafft.

Et voilà.

Contenance! 1 Spieltag, 2 Ligen

Contenance.. nach zwei Niederlagen.
Zugegeben, das sieht schon richtig sagenwirwieesist scheisse aus. 18. Platz: 1. FC Köln, 0 Punkte. Und das schwere Auftaktprogramm ist, auch wenn es nächste Woche „nur“ gegen Frankfurt geht, noch lange nicht vorbei. Mit ein bißchen Pech steht die Null noch ein paar Spieltage. Das sieht dann noch viel beschissener aus.
Und allen üblichen rheinischen Gesetzen zu Folge wird dann der Baum schon brennen. Dabei war der Schritt, den die Mannschaft vom ersten zum zweiten Spieltag machte, durchaus ansehnlich. Die Rückkehr Podolskis, der dadurch auf den Flügel ausweichende und dort besser aufgehobene Freis, Torschütze Ehret statt des verletzten und in Dortmund mehr als unglücklich spielenden Sanou und immerhin sechs Minuten lang Novakovic – die Mannschaft nimmt langsam Form an. Zu langsam um gegen den amtierenden Meister bestehen zu können, zumal Pedro Geromel immer noch schmerzlich vermisst wird. Aber gegen den Meister 72 Minuten nicht in Rückstand zu sein bzw. sogar zu führen – davon kann man sich, entgegen allen Floskeln, sehr wohl was kaufen: Die 0 Punkte bleiben zwar bestehen, aber das bei dem Auftaktprogramm bitter nötige Selbstvertrauen und Unterstützung durch das Umfeld und die damit einhergehende relative Ruhe dort sind Gold wert.

Contenance.. nach zwei Siegen.
Zugegeben, das sieht schon richtig sagenwirwieesist geil aus. 1. Platz: 1. FC Union Berlin, 6 Punkte. Spitzenreiter, hey, hey.
Leider hab ich es nicht sehen können, aber wie wunderbar ist denn das? Erstes Heimspiel gegen Mitaufsteiger und Mittabellenführer Fortuna Düsseldorf, die am ersten Heimspiel richtig richtig gut aussahen und dann das: Sieg. Ausgerechnet durch Kenan Sahin, Ex-Fortune – was leider so gut wie alles ist, was man der Presse über das Spiel entnehmen kann, die einfachste Story ist eben auch immer die meistgeschriebene.
„Wir haben erst sechs, also fehlen noch 34 Punkte“ zitiert die Berliner Zeitung Sportdirektor Christian Beeck in dessen Versuch auf die Euphoriebremse zu treten und recht hat er. Wobei die Gefahr, die Union Fans würden nun durchdrehen und bei der nächstbesten Niederlage Zeter und Mordio schreien und lautstark den Durchmarsch in Liga Eins fordern wohl auch nicht gegeben ist, jedenfalls nicht bei der überwiegenden Menge der Fans. Schon allein deswegen weil niemand den ganzen Eventheckmeck, der mit der 1. Bundesliga einhergeht, in der Alten Försterei will.

It’s gonna be a long hot summer

Die Sammlung aller von der lokalen und der internationalen Boulevardpresse durch das Dorf Köln getriebenen Tranfserenten:

Abel
Franck Berrier
Amaury Bischoff
Florin Costea
Duda
Yannick Djaló
Elano
Evaldo
Julien Faubert
Geremi
Elliot Grandin
Michael Görlitz
Keisuke Honda
Ibson
Michael Jakobsen
Mohammad Reza Khalatbari
Christian Lell
M’Bami
Zhivko Milanov
Markus Miller
Mark Milligan
Oguchialu Onyewu
Ivan Perisic
Nikola Pokrivac
Jukka Raitala
Georgios Seitaridis
Anas Sharbini
José Ernesto Sosa
Emir Spahic
Semir Stilic
Cristi Tanase
Darko Tasevsi
Somen Tchoyi
Tuncay
Zé Roberto

Nach Erscheinen dieses Beitrags getriebene Säue Transferschnäppchen:
Andreas Hinkel
Florian Kringe

Um die Wartezeit bis zum 31. August, wenn dieses Spielchen endlich ein Ende haben wird, ein wenig zu verkürzen, zurück ins Funkhaus für ein bißchen Musik. Hat zwar nichts mit Fußball zu tun, aber die Titelzeile dieses Beitrags wurde dort geklaut. Die Tom Robinson Band mit „Long hot Summer“ (Musik beginnt nach ca. einer Minute):

Ballspielverein Borussia 09 Dortmund vs. 1. Fußball-Club Köln 1:0

Der erste Spieltag ist rum und die Kölner Wundertüte ist ein erstesmal ausgepackt worden. Für endgültige Schlußfolgerungen ist es natürlich noch viel zu früh, aber erste Fingerzeige waren ersichtlich und können benannt werden.

1. Der Start wird schwierig.
Jaja. Das hab ich nicht nur schon vorher geschrieben, auch ein Hoyzer Schieber Blinder mit ’nem Krückstock hat das schon bei Veröffentlichung des Spielplans erkannt. Dortmund war stark, die nächsten Gegner werden es auch. Allesamt Mannschaften, denen der FC in dieser Saison noch nicht gewachsen sein kann, hinzu kommt das Fehlen wichtiger Stammspieler: Es wird ein hartes Brot. Hab Geduld, Express, hab Geduld. (Schlag nach im Duden. Du kennst das Wort nicht, ich weiß. Es lohnt sich trotzdem).

2. Mon-dra-gon! (Und jetzt alle)
Spieler des Spiels auf Kölner Seite eindeutig und ohne Zweifel: Torwart Faryd Mondragon. Eine klitzekleine Unsicherheit wollen andere Experten gesehen haben, ich hab nur gesehen, daß es ohne den Kolumbianer und seine Paraden zweifelsohne eine weit höhere Niederlage gesetzt hätte. Und auch für Sentimentalisten war was dabei: Die berühmt-berüchtigte mondragon’sche Der-Kessler-muß-sich-warm-machen-ach-nee-geht-doch-noch-Szene, die wir in den letzten Monaten vermissen mußten, wurde gegeben. Ach, Faryd. Mögest Du uns noch lange erhalten bleiben.

3. Maniche: Ja. Vermutlich.
Eine der größten Wundertüten vor Spielbeginn war sicherlich der Portugiese. Ist er in körplicher Form oder trägt er Übergewicht spazieren? Hat er überhaupt Lust für einen mittelmäßigen deutschen Verein zu kicken oder ist er zufrieden damit, sein Gehalt zu kassieren? Nun, auch nach dem Abpfiff bleiben noch Fragezeichen, aber es haben sich einige Ausrufezeichen hinzugesellt. Maniche ist noch nicht fit. Das kann man ihm aber nicht anlasten, gespielt hat er überhaupt nur aufgrund der vielen Ausfälle. Insbesondere in der zweiten Halbzeit, als der FC sich auch mal ab und an nach vorne wagte, war er Takt- und Passgeber. In seinen Bewegungen an den ehemaligen Kölner Bernd Schuster in seiner späteren Phase erinnernd wird er uns noch viel Freude bereiten, besonders wenn dann mal Mitspieler auf dem Feld stehen, die mit ihm zusammenspielen können.

4. Die Außen – Ichbinzufreundlichumhieretwaswirklichunfreundlicheshinzuschreiben.
Adil Chihi: Bemüht, aber ohne Fortune. Allerdings auch ohne Anspielstationen, was es für ihn nahezu unmöglich machte, gut auszusehen. Willi Sanou: Komplettausfall. Was noch freundlich ausgedrückt ist. Als dann endlich Fabrice Ehret für Sanou kam, wurde es etwas besser, es gab sogar den einen oder anderen Angriff, hin und wieder einen gewonnen Zweikampf. Aber nichtsdestotrotz: Da muß noch was geschehen. Herr Meier, hören Sie mich?

5. Der Trainer.
Ja nun. Zvonimir Soldos Arbeit nach einem Spiel beurteilen zu wollen, wäre nun wirklich kompletter Unsinn. Aber: Obwohl der FC kaum zu Chancen kam und Mondragon eine höhere Niederlage verhindern mußte, sah das alles gar nicht soo schlecht aus. Man bedenke, daß da eine Rumpfelf ohne die wichtigsten Köpfe auf dem Feld standen, bzw. die wichtigen Köpfe, die anwesend waren (Petit und Maniche) krank bzw. noch unfit und ohne die richtige Bindung zur Mannschaft waren. Phrasenschwein, ick hör Dir trapsen: Darauf kann aufgebaut werden. Nicht mehr, nicht weniger. Nur den Sanou-Irrtum sollte sich Soldo zu Herzen nehmen.

Neue Saison, neuer Header.

Bunte Menschen machen irgendwelches Zeugs auf dem Rasen, die Fans kümmern sich nicht weiter drum und bewerfen ihrerseits den Rasen mit viel Papier, singen und tanzen: Es ist Copa Libertadores Festzeit im Estádio Libertadores da América an diesem 12. Februar 2004. Zu Gast ist der Peruanische Verein Cienciano. Am Ende gewinnt Independiente hoch verdient mit 4:2 in dem Stadion, daß es heute nicht mehr gibt.
Aus heutiger Sicht passiert das wichtigste in diesem Spiel in der 23 Minute der zweiten Halbzeit. Ausgewechselt wird Sebastián García, hinein kommt ein fünfzehn Jähriger, der seinen ersten internationalen Einsatz hat und aufgrund einer Ähnlichkeit zu einer japanischen Comicfigur den Spitznamen El Kun (der Flo) trägt: Sergio Agüero.
Ich bin nicht mehr sicher wer das Foto machte, Sasha oder ich, aber es war sein Apparat, gebühren wir ihm also den Kredit für das Bild.
Ich hoffe, es gefällt.