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Hallo Du.

Ja, genau, Du bist gemeint. Du, der Du in den letzten Tagen gefühlte 2348623 Mal via Google in mein kleines Blogheim gestolpert kamst, immer mit der selben brennenden Frage auf den Lippen Fingern: „Wann konnte der 1. FC Köln das letzte Mal ein Auswärtsspiel bei Bayern München gewinnen?“ – Dir soll jetzt geholfen werden.

Ziemlich genau vor einem Jahr war das, am 21.02.2009. Ein außergewöhnlicher Moment, denn Daniel Brosinski machte sein allererstes Bundesligaspiel und zu dem noch sein allererstes Bundesligator. Nun gut, seien wir ehrlich: Sein einziges Bundesligator. Fabrice Ehret schoß das andere und Daniel van Buyten in der 85. Minute den Münchner Anschlußtreffer.

Außergewöhnlich auch deshalb, weil der FC ja selten genug bei den Bayern gewinnen konnte. Das letzte Mal davor, dass das gelingen konnte, war in der Saison 97/98. Lange hing an meiner Pinwand ein aus dem Kicker ausgeschnittenes Bild mit den Polonaise tanzenden Kölner Spielern Dirk Schuster, Bodo Schmidt und Karsten Baumann. Hat am Ende der Saison auch nicht geholfen, weder Sieg noch Bild, der erste Abstieg stand an, Du erinnerst Dich vielleicht.

Außergewöhnlich war der Sieg letzte Saison auch deshalb, weil das Spiel am Karnevalssamstag war und wir wissen ja, dass der FC ja sonst regelmäßig alle Spiele vergeigt, die am Karnevalswochenende stattfinden.

So. Ich hoffe, Deine Fragen ausreichend beantwortet zu haben. Warum Du das wissen willst, werd ich wohl nie erfahren. Das Spiel am übernächsten Spieltag gegen den FC Bayern kann kaum der Anlaß sein, das ist ja schließlich ein Heimspiel. Hm.

Aber vielleicht kannst Du mir ja im Gegenzug helfen: Hast Du eine Ahnung, was ich mit oben erwähntem, aus dem Kicker ausgeschnittenen, Feierbild gemacht hab?

Schönen Gruß,
icke.

Neuer Header: Ein Stück Geschichte

Wer dieses Blog schon ein paar Tage länger verfolgt, weiß, dass es mich hin und wieder in den Fingern juckt und ich mir einen neuen Header gönne. So auch heute.

Diesmal ganz in Schwarz-Weiß daherkommend, sehen wir hier die Rückseite einer Tribüne. Nicht irgendeiner Tribüne, auch wenn der dort spielende Verein nicht unbedingt europäischen Ruhm vorweisen kann. Germinal Beerschot heißt er und ist in Antwerpen zu Hause. Die Geschichte, warum ich da war und welches Spiel ich sah, als ich das Foto machte, erzählte ich schon mal.

Das Besondere an diesem Fußballstadion ist jedoch seine Geschichte: Zentraler Ort der Olympischen Spiele nämlich war es, 1920, als die Spiele in Antwerpen zu Gast waren. Ein paar Bilder davon findet man hier. Mehr (und aussagekräftigere) Bilder vom heutigen Stadion – das nicht mehr viel Ähnlichkeiten mit dem Olypiastadion von einst hat – gibt es bei Stadionwelt.

Und der Blick lohnt, schon aus historischen Gründen: Die Stadt Antwerpen hat beschloßen, ein neues Stadion zu bauen, für Germinal Beerschot und den jetzigen Zweitligisten FC Antwerpen, dem ältesten Verein Belgiens – und auch für die belgisch-holländische Doppelbewerbungen für die Weltmeisterschaften 2018 / 2022.

Das „Olympisch Stadion“ in Antwerpen wird dann wohl keine Funktion mehr haben. Das Ende einer geschichtsträchtigen Sportstätte.

Zurück in die Zukunft

Es mag befremdlich klingen für Menschen, die das gestrige 1:5 Heimdebakel des FC gegen den VfB Stuttgart nicht gesehen haben, oder nicht in der Lage sind, das Gesehene mit der bisherigen Saisonleistung zu vergleichen, aber: So schlecht war das gar nicht.

Nach 38 Minuten stand es 3:0 für die Stuttgarter, das Spiel war eigentlich gelaufen. Eigentlich deshalb, weil es dann doch nicht so war. Bis zum, dann endgültig spielentscheidenden, vierten Treffer des VfB schien der FC drauf und dran, das kleine Wunder aus dem Spiel gegen den HSV zu wiederholen, jedenfalls machten Engagement und spielerische Leistung die Hoffnung darauf. Dass dem dann nicht so war, lag an verschiedenen Faktoren: Auch wenn das Offensivspiel insgesamt deutlich verbessert ist (im Vergleich zur Hinrunde), ist es, noch lange nicht zwingend genug. Jens Lehmann im Stuttgarter Tor spielte eine große Partie und vereitelte manche Chance. Und zu guter schlechter Letzt: Die Abwehrleistungen des FC sind katastrophal.

Du kannst ein Spiel nicht gewinnen, wenn jeder Angriff des Gegners ein Tor ist, sagte Lukas Podolski nach dem Spiel sinngemäß und leider hat er Recht. Offenbar ist die Mannschaft nicht in der Lage, ein einigermaßen akzeptables Offensivspiel aufzuziehen und den Laden hinten dicht zu machen.
Um den Unterschied zur Hinrunde zu dokumentieren, reicht ein Blick auf das Gegentorkonto: Nach 17 Hinrundenspielen 15 Gegentore. Nach 6 Rückrundenspielen 16 Gegentore.

Das hat nicht nur mit der stärkeren Konzentration auf die Offensive (immerhin wurden auch schon mehr Tore erzielt als in der gesamten Hinrunde) zu tun, sondern auch mit einer kollektiven Formschwäche des Abwehrverbundes. Geromel ist derzeit nicht in der fantastischen Form seiner bisherigen Zeit beim FC, Kapitän „Jupp“ Mohamad leistet sich auch manchen Klops, so zum Beispiel beim 0:2 gegen Schalke am vergangenen Spieltag, Miso Brecko war gestern an mindestens einem Gegentor schuld ebenso wie Faryd Mondragon das fünfte Tor halten hätte müssen. Es scheint so zu sein, daß die individuellen Fähigkeiten nicht ausreichen, das eigene Tor erfolgreich zu verteidigen, wenn nicht die gesamte Mannschaft dies als ihre vorrangige Aufgabe sieht.

Und auch, wenn man in Betracht zieht, daß der VfB Stuttgart ganz offensichtlich die Hinrundenschwäche überwunden hat und wieder zu den Topmannschaften der Liga gezählt werden muß, also zu jenen Mannschaften gehört, mit denen sich der FC weder messen kann noch messen muß – die Konsequenz aus der Tracht Prügel, die der FC gestern bekommen hat, muß wohl lauten: Zurück zum Fußballverhinderungsstil der Hinrunde. Jedenfalls in den beiden kommenden Spielen, in denen Vizekusen und Bayern München warten.

Auch wenn es natürlich zu schön wäre, mit einem Sieg am kommenden Samstag dafür zu sorgen, daß Vizekusen auch Vizekusen bleibt.

Acht gegen Zwölf – Sieben Fragen

1. Liebe Augsburger, vor der gestrigen Partie fand ich Euch ja ganz sympathisch. Das hat jetzt ein bißchen gelitten. Aber ich muss zugeben: Dafür könnt ihr nicht viel, abgesehen davon, daß ihr den FC aus dem Pokal geworfen habt. Aber das ist ja euer gutes Recht und so, und ihr habt über weite Strecken auch recht gut gespielt. Aber wo war denn nur Eure Mannschaft am vergangenen Samstag gegen Union? Also bitte nicht falsch verstehen, ich hatte und habe kein Problem damit, dass sie nicht da war, aber der Unterschied zwischen Tag (2. Liga vorher), Nacht (Unionspiel) und Tag (Pokalspiel) ist ja doch recht frappierend. Was war denn da los?

2. Liebe Abwehr des FC, wird das jetzt Mode? Nach einer Hinserie, in der Ihr die drittbeste der gesamten 1. Liga wart, kassiert Ihr jetzt Hühnerhaufentore am laufenden Band. Und das gerne recht zu Beginn des Spiels. Fast mag es scheinen, als hättet Ihr beschlossen, der in der Hinrunde lahmenden Offensive Beine zu machen, indem Ihr Euch möglichst frühzeitig ein Tor einfangt. Das kann doch nicht des Rätsels Lösung sein. So ein bißchen Konzentration von der ersten Minute an schadet doch nicht.

3. Herr Kinhöfer, Herr Kinhöfer. War das Ihr Ernst? Das Foul Sinkalas, als er mit beiden Beinen voran und das volle Verletzungsrisiko in Kauf nehmend in den Spieler Mohamad sprang, mit Gelb zu bewerten, um dann den bis dahin besten Mann auf dem Platz, Adil Chihi, nach einem harmlosen Schubser gegen einen Gegenspieler, der versuchte ihn dreimal innerhalb von fünf Sekunden regelwidrig von den Beinen zu holen, mit glatt Rot vom Platz zu schicken? Und wieso haben Sie diese die drei Foulversuche des Herrn El Akchoui eigentlich nicht geahndet?

4. Und noch mal Herr Kinhöfer, ja, Sie sind gemeint: Meines Wissens haben Sie noch nie einen Spieler wegen einer – noch nicht mal in Ihre Richtung ausgeführten – wegwerfenden Handbewegung im Weggehen (Petit) vom Platz gestellt oder einen hochgestreckten Daumen und die deutlich von den Lippen ablesbare Bermerkung „Super“ (Podolski) mit Gelb-Rot bestraft. Wär ja auch völliger Unsinn, wir wissen doch beide, daß es dann in jedem normalen Bundesligaspiel fünf bis sechs Hinausstellungen gäbe. Warum also, Herr Kinhöfer, ausgerechnet gestern, nachdem Sie schon zuvor einen Spieler der gleichen Mannschaft völlig überzogen mit Rot bestraften?

5. Eine letze Frage an Sie noch, Herr Kinhöfer: Eine Halbzeit mit zwei gelb-roten Karten, inklusive der anschließenden Tumulte, viele Unterbrechungen.. und Sie lassen eine Minute nachspielen und pfeifen diese Minute nach 50 Sekunden ab? Äh. What? Fast mag es scheinen, als ob Sie Angst davor gehabt hätten, daß noch ein Tor auf der einen Seite oder, nach Ihrem desaströsen Wirken wahrscheinlicher, ein drittes Tor auf der anderen Seite hätte fallen können. Aber ein 3:0 war wohl nicht bestellt, oder?

6. Liebes ZDF, daß Ihr das rotwürdige Foul Sinkalas in Eurer Zusammenfassung nicht gezeigt habt, ist angesichts der Diskussionen rund um die Schiedsrichterleistungen natürlich nachlässig, passte ja aber auch nicht recht in Eure „Hurra, der Underdog!“ Story. Kinhöfers Leistung aber als „konsequent“ zu bezeichnen, fand ich super, vielen Dank dafür. Aber meint Ihr nicht auch, daß es für viele Eurer Zuschauer, die das Spiel nicht live gesehen haben, schwer war, die Ironie in Euren Worten zu erkennen?

7. Huhu asiatische Wettmafia, krieg ich was ab? Ich mein, Ihr habt da gestern einen großen Batzen Geld gemacht und ich könnt echt was gebrauchen. Danke schon mal im Voraus.

Zwischen Augsburg und Augsburg

Es sind Augsburg-Festspiele für den bescheidenen Betreiber dieses Blogs. Am Samstag noch live vor Ort der bayrischen Mannschaft der Stunde beim Gastspiel im Stadion an der Alten Försterei gegen den 1. FC Union Berlin zugesehen – am morgigen Mittwoch schon die gleiche Mannschaft gegen den glorreichen 1. FC Köln im Viertelfinale des DFB-Pokals im Fernsehen betrachten.

Der eigentliche Plan war, nach Samstag zu wissen, wenigstens aber erahnen zu können, was da am Mittwoch auf den FC zu kommt. Nach leichten Schwierigkeiten zu Beginn der Saison waren die Augsburger immer besser in Fahrt gekommen, mit einer respektablen Bilanz von acht Siegen aus den letzten elf Spielen nach Berlin gereist. Dabei haben sie einige Torfestivals veranstaltet, was Journalisten aller Couleur dazu veranlasste, von der „Augsburger Torfabrik“ zu sprechen. Ein Gegner im vollen Lauf also – wie wir alle wissen, sind es diese, die den Spruch vom Pokal und seinen eigenen Gesetzen gerne mit Leben füllen und Klassenunterschiede vergessen machen.

Das Problem war nun nur: Von einer Mannschaft, die gerade einen Lauf hat und als momentanes Maß aller Dinge in der zweiten Liga gelten kann, war am Samstag nichts zu sehen, jedenfalls nicht auf Augsburger Seite. Allenfalls die ersten zehn / fünfzehn Minuten zeigten auf, daß Augsburg tatsächlich ziemlich guten Fußball spielen kann, schnell, zweikampf- und spielstark überbrückten sie das Mittelfeld und kreierten zwar wenig direkte Torchancen, aber doch so manche gefährliche Situation. Nach spätestens zwanzig Minuten aber übernahm Union vollends das Kommando und von Augsburger Herrlichkeit war weit und breit nichts zu sehen. Selten einmal kamen sie über die Mittellinie – dazu allerdings muß gesagt sein, daß Union, trotz der Unfähigkeit den Ball dann auch mal im Netz unterzubringen, eines der stärksten Spiele der Saison zeigte.

So muß der Beobachter also schlußfolgern, daß sich aus dem Spiel am Samstag vermutlich nichts schlußfolgern läßt. Nicht nur weil der Pokal eben ein anderer Wettbewerb ist, sondern auch weil es sich für die Augsburger um ein Heimspiel handelt, insbesondere aber, weil Trainer Jos Luhukay (einer von acht Ex-Kölnern in Mannschaft und Management der Augsburger) sicher seine Konsequenzen ziehen wird aus dem Spiel am Samstag. Der FC wird am Mittwoch sicher auf einen anderen FC aus Augsburg treffen, auch personell möglicherweise – daß der spielstarke Flügelspieler Traore, von dem immer wieder berichtet wird, er stünde auf dem Kölner Einkaufszettel, 56 Minuten auf der Bank schmoren muß, ist zum Beispiel nicht zu erwarten.

Der FC wäre also gut beraten, dem schwachen Auftreten der Augsburger am Samstag nicht allzuviel Beachtung zu schenken und stattdessen mit höchster Konzentration und dem Wissen, daß Augsburg ganz sicher kein beliebiger Zweitligist ist, den man mal eben im Vorbeigehen vernaschen kann, um den Einzug in das Halbfinale kämpft.

Und dann, wenn das geglückt ist, darf man ganz langsam von Reisen in ferne Fußballländer in der nächsten Saison träumen. Klammheimlich, versteht sich.

Infografikmassaker: Alle deutschen Meister + Ratespass!

Die einen schimpfen gerne mal in gewählten Worten über den Unsinn des modernen Infografikwahns, die anderen finden hingegen Information sei beautiful, wenn sie nur richtig aufgepeppt daherkommt.

Was die können, das kann ich auch (oder auch nicht, das überlasse ich Eurer Einschätzung), dachte ich. Also ran, frisch ans Werk.

Eine bunte Infografik, die die Zahl der gewonnen Meisterschaften pro jemals titelinnehabenden Verein darstellt:
Der äußerste Kreis gibt Auskunft über die Gesamtzahl der Meisterschaften. Blau sind alle jene Meisterschaften, die zwischen 1903 und 1963 (im Westen) gewonnen wurden oder zwischen 1903 und 1944 (im Osten) gewonnen wurden. Rot kennzeichnet die Bundesligameisterschaften, Grün die der Oberligameisterschaften.
Die Meisterschaften vor 1903, sowie die Besatzungszonenmeisterschaften nach dem 2. Weltkrieg sind nicht berücksichtigt.

Und damit das alles nicht so einfach ist, hab ich die Vereinsbezeichnungen und die Jahreszahlen weggelassen. Denn: Das ist hier nicht nur ein einfaches Infografikmassaker, nein, nein: Es ist ein interaktives Infografikmassaker. Ihr dürft nämlich Euer sicherlich reichlich vorhandenes Wissen testen und überprüfen, ob Ihr aufgrund der Kreise herausfindet, welcher Kreis welches titelgewinnenden Verein repräsentiert.

Angemerkt sei, daß es natürlich ein paar geografische Ungenauigkeiten gibt, die sich aus geografischer Häufung ergeben. Mit anderen Worten: Kreise, die eigentlich aueinander sein sollten, da die gleiche Stadt kennzeichnend, sind nebeneinander. Große Kreise der Nachbarstadt verdrängen kleinere von nebenan, rein räumlich gesehen.

Wer alle Meister richtig zuordnen kann, darf sich völlig ungeniert in der Nase bohren, ohne das auch nur ein einziger Zuschauer ob dieses Verhaltens die selbige rümpfen darf.

Wohl an:

Wer zu faul ist oder vor der Lösung jämmerlich versagt (HAHA!) kann natürlich auch hier nachgucken. Ich bin ja nicht so.

Nachschlag: How to kill your Community II

Der Rauch legt sich langsam und der Blick wird freier – so könnte man denken. Tatsächlich aber bleibt alles unklar um die Umwandlung des offiziellen FC Forums. Besonders die Motivation des 1. FC Köln bleibt nach wie vor nebulös, was wohl daran liegt, daß der Verein es nicht für nötig erachtet, sich offiziell zu äußern.

Fakt ist, daß sich Admin und Moderatoren geäußert haben und eine Änderung der vorgesehen Praktik, daß nur zahlende Mitglieder des Vereins Zugang haben sollten, in Aussicht gestellt haben. Allerdings werde der Zugang in jedem Fall personalisiert werden, das heißt zum Beispiel nur über per Post zugesandte Passwörter möglich.

Darüber hinaus gibt es ein Statement, das davon berichtet, daß vor geraumer Zeit zwei Möglichkeiten im Raum gestanden hätten: Entweder das Forum würde ganz geschlossen oder eben in ein Forum mit personalisiertem Zugang umgewandelt. Dann aber habe es „Vorkommnisse“ gegeben, die die Vereinsführung dazu bewogen hätten, das auch ein personalisierter Zugang nicht restriktiv genug sei.

Da öffnen sich alle Türen zum Reich der Spekulation. Andeutungen und Hinweise für die Motivation sowohl bezüglich des ursprünglichen Plans als auch für die dann erfolgte Verschärfung gibt es allerdings einige. Und sie sind fast alle unschön.

Die mögliche Motivation:
Beleidigungen und persönliche (verbale) Angriffe auf Vereinsangestellte – also sowohl Vereinsführung als auch Spieler – habe es gegeben und müssten unterbunden werden, so der Fanbeauftragte Rainer Mendel. In der Tat wurde nach manch verlorenem Spiel der Rauswurf des einen oder anderen Spielers gefordert, auch mit drastischen Worten – wie es auf jeder Fußballtribüne der Welt geschieht. Offenbar haben sich die Herren aus der Vereinsführung schon lange nicht mehr unter das Volk gemischt.
Es gibt allerdings Hinweise, daß es möglicherweise um mehr als nur ein schnödes, vulgärer formulierteres „Soldo raus!“ oder ähnliches geht. Ein Thread im alten Forum, der mit Präsident Overath äußerst kritisch umging, wurde seinerzeit angeblich auf Betreiben des Vereins gelöscht. Dabei ging es weniger um niveaulose Beleidigungen, sondern um Kritik an Overaths Manier, den Verein mit nicht sonderlich kompetent erscheinenden Freunden (Stefan Engels, Jürgen Glowasz) und zweifelhaften Klüngelkönigen (So wurde Lothar Ruschmeier in den Aufsichtsrat gehievt) zu durchsetzen. Eine Personalisierung des Forums zur Vermeidung von sachgemäßer Kritik?

Noch gruseliger sind Gedanken, die zwangsweise entstehen müssen, wenn man sich durchliest, was eine Handvoll FC Fans, die als Reaktion auf Emails an den Verein vom selbigen am Freitag angerufen wurden, berichten: „Der FC hat sich zu diesem Schritt entschlossen aufgrund persönlicher Beleidigungen gegüber Spielern und Offiziellen des FC’s, des Weiteren wurde im alten Forum die Führungspersönlichkeiten anderer Bundesligavereine beleidigt und so ein Verhalten kann und will vom FC nicht geduldet werden.“ gibt User THC-Ben eines dieser Gespräche wieder. Die Zerschlagung der eigenen Community aus vorauseilendem Kadavergehorsam gegenüber Dietmar Hopp und dessen völlig unangemessener Dünnhäutigkeit und noch unangemessenerem Streben nach Sonderbehandlung? FC, mir graut vor Dir.

Sollten diese Begründungen tatsächlich die Ursache für den Plan, das Forum zu personalisieren sein, bleibt allerdings immer noch die Frage, warum ein nicht angemeldeter User dann nicht in der Lage sein darf, im neuen FC-Forum mitzulesen. Die Verhinderung anonymen Schreibens kann möglicherweise mit der Sorge vor Rechtsunsicherheit in den oben aufgeführten Fällen begründet werden, das Verhindern anonymen Lesens nicht. Der einzige Beweggrund, der mir dafür einfällt, ist ein Versuch des FC, die Forumsuser auf diesem Weg zur Mitgliedschaft zu drängen und somit zur Kasse zu bitten. Oder aber: Die pure Inkompetenz und die damit verbundenen Unwissenheit über den Unterschied zwischen Lesen und Schreiben.

Die Fehler:
Was auch immer man von dem ganzen Vorhaben halten mag, feststeht, daß die Art und Weise des Vorgehens ein ungeheures Maß von Inkompetenz und Ahnungslosigkeit offenbart. „Die 1 in 1.FC Köln steht eindeutig für Web1.0.“ sagt Max-Jacob Ost und ich bin mir nicht sicher, ob der FC es überhaupt schon bis zum Web 1.0 geschafft hat. Eine dermaßen aktive und vitale Community, für die andere Vereine oder Unternehmen einiges geben würden, wenn sie nur die Möglichkeit hätten, sie zu erlangen, zu opfern, statt auf sie aufzubauen ist ein deutliches Zeichen dessen, daß der Verein offenbar keinerlei Ahnung vom vorhandenen Potential hat. Die hysterische Angst, die der Verein offenbar vor in einem Forum getätigten Meinungsäußerungen hat, festigt diesen Eindruck. Daß der Verein dabei offensichtlich auf Leute wie Konstantin NevenDuMont hört, der sich im Forum des Kölner Stadtanzeiger damit brüstet, dem FC eine Realnamenvariante, die seiner Meinung nach so oder so die Zukunft in Internetforen sein wird, nahegelegt zu haben, um „undementierte Unwahrheiten“ zu verhindern, macht die Sache keineswegs besser.

Hätte der FC tatsächlich allein Sorge davor gehabt, daß Stil und Niveau des Forums dermaßen aus dem Ruder laufen, daß Klagen nicht zu verhindern gewesen wären, so wäre der erste Schritt gewesen, dafür Sorge zu leisten, daß von den acht Moderatoren tatsächlich acht und nicht nur zwei bis drei ihrer Aufgabe nachkommen. Die ehrenamtlichen Moderatoren werden mit einer Dauerkarte belohnt (wollen wir hoffen, daß sie daneben aus eigenen Stücken auch noch Vereinsmitglieder sind, sonst haben sie Schwierigkeiten sich im neuen Forum anzumelden), das sollte doch eigentlich reichen sie dazu zu motiveren.

Auch die Idee, eine Community zu einem solchen Schritt innerhalb einer Tagesfrist zu bewegen ist von einer solch großen Abwegigkeit, daß Kopfschütteln alleine nicht mehr reicht. Wie, lieber FC, habt Ihr Euch das vorgestellt? „Hallo User, bitte verlasst Euer über Jahre angestammtes virtuelles Heim jetzt, werdet schnell Mitglied und dann sehen wir uns in einer halben Stunde drüben“? Könnt Ihr nicht mal jemanden einstellen, der sich in seinem Leben schon mal im Netz bewegt hat, und sei es vor zehn Jahren mit einer 15-Freistunden-AOL-CDRom? Der hätte mehr Ahnung als Ihr. Und ja, das war eine Beleidigung – ich sag es nur, da zu befürchten steht, daß Ihr nicht mal das wißt.

Die Chance:
Wie schon erwähnt, ist ein Großteil der aktiven User flugs ausgezogen und hat ein eigenes vorläufiges Forum aus dem Boden gestampft. Eine Community, von Fans für Fans, entsteht und die dabei ablaufenden Prozesse sind faszinierend zu beobachten: Ein kanadischer Server steht bereit, hektisch wird am neuen Design gebastelt, Fragen der inneren und äußeren Selbstverwaltung und des selbstbestimmten Umgangs miteinander werden diskutiert. Manch bislang als Schreihals bekannter User findet sich plötzlich in Diskussionen um das Für und Wider von Moderation wieder, in der er sich gezwungen sieht, ganz andere Standpunkte einzunehmen als bislang. Eigenverantwortung ist ein gar hübsches Pflänzchen und die damit einher gehenden notwendigen und sicher auch anstrengenden basisdemokratischen Prozesse sind nicht nur mehr Web 2.0 als es der FC bislang jemals war, sondern werden auch dann Blüten tragen, wenn der Versuch, dieses Forum von Fans für Fans aufrecht zu erhalten auf mittel- oder langfristige Sicht scheitern sollte. Bislang sieht es danach aber nicht aus, im offiziellen neuen Forum gibt es derzeit 1121 Anmeldungen, im inoffiziellen 2885 Mitglieder. Klarer Punktsieg für die Fans also.

Der FC selbst wird auf diesem Wege freilich keine Einflußmöglichkeit mehr auf seine Fans haben, sollte das Experiment gelingen. Und das scheint gut so zu sein, denn offenbar ist es dringend notwendig, daß der Vorstand des Vereins daran erinnert wird, daß die Fans mehr sind als Kunden, die jederzeit zur Schlachtbank geführt werden können. Neue Kunden nämlich lassen sich an jeder Ecke rekrutieren. Fans nicht.