Der FC und die Saison 11/12 – Der Spielbeobachter fragt, Experten antworten

Ich vermute, ich verrate der geschätzten Leserschaft nicht zuviel, wenn ich darauf hinweise, dass an diesem Wochenende die Bundesligasaison 2011/12 beginnt. Dann endlich wird die Zeit für Kaffeesatzleserei, die in Testspielen, Transfers, Trikotschnitten und Trainerzugängen die Zukunft zu finden sucht, ein Ende haben.

Allerdings: Erst dann. Noch waten wir im Ungewissen, getrieben von Vorfreude und Sorge zugleich. Und wie immer suchen wir in Zeiten der unsicheren Zukunft die Hilfe von Experten.

Die Saison 2011/2012 des 1. FC Köln zu prognostizieren fällt schwer. Verwirrt nimmt der gemeine FC-Fan zur Kenntnis, dass sich das Gesicht der Mannschaft kaum verändert hat, ein Zustand, wie er schon lange – auch bedingt durch Auf- und Abstiege – nicht mehr herrschte. Dafür hat sich das Gesicht des Trainers geändert, ein leider altbekanntes Phänomen. Diesmal aber scheint der Wechsel hin zum Norweger Solbakken ein guter gewesen zu sein – oder? Und was ist mit Volker Finke, dem von den Medien offenbar nicht sonderlich geschätzten Architekten des Umbaus – kann er Schwächeperioden überstehen?

Fragen über Fragen. Zeit für Experten. Ich habe einige Effzeh-affine Blogger gefragt, mir bei der Kaffeesatzleserei behilflich zu sein und mir zu von mir vorgebenen Stichworten ein paar Sätze zu schenken. Andre vom Spielfeldrand, Stefan von der Südtribüne, der vierte Offizielle Axel, Guido com FC-Blog, Quarkbällchen aka Saskia (FC-Content findet sich bei Ihr eher auf Twitter) und das fcbuch waren so überaus freundlich mir zu antworten. Dabei wird deutlich, dass das allgemein bekannte Bild des permanten in irgendwelchen Wolken schwebenden und von Champions League Siegen träumenden FC-Fan 1:1 der Wirklichkeit entspricht. Oder auch nicht. Lest selbst:

Die Saison 11/12 wird für den 1. FC Köln…
Spielfeldrand: …ein Auf und Ab, mit hoffentlich einigen schönen Spielszenen, taktischer Disziplin und einem zeitigen Klassenerhalt.
fcbuch: …wie immer turbulent und total anders als wir das uns alle erwarten.
fc-blog: …eine hoffentlich ruhige Saison, in der die zukünftige Richtung
konkretisiert wird.
Quarkbällchen: …eine sehr entspannte. Ich denke, dass wir relativ früh die 40 Punkte zusammen haben und dann ganz entspannt nach oben blicken können. Der Tabellenplatz: Einstellig. Mit der rosaroten FC-Brille schiele ich ja immer noch auf Platz 6, aber das ist eher Wunschdenken. Mit Platz 8 könnten alle zufrieden sein.
Südtribüne: …ein kleiner Schritt nach vorn.
Der Vierte Offizielle: …erfolgreich. Es kommt die Zeit der kleinen aber wichtigen Schritte, die diesem Verein über Jahre nicht gelungen sind. Auch wenn am Ende keine bessere Plazierung als in der Vorsaison herauskommen sollte, wird man Verbesserungen im Spiel sehen und fröhlich an 2013 denken.

Die personelle positive Überraschung im FC Kader wird diese Saison:
Spielfeldrand: …Lukas Podolski, weil ihm ohne Binde Lustlosigkeit zugesprochen wird und er am Saisonende bester Vorlagengeber der Liga wird.
fcbuch: …seit wann gibt es positive Überraschungen beim FC? Mir tun die Jugendspieler wie Clemens und Matuschyk leid, weil sie unter Solbakken wahrscheinlich (zu) wenig Einsatzzeiten bekommen werden.
fc-blog: …hoffentlich das Kollektiv werden. Daneben wünsche ich mir einen Sprung von Uth oder Kialka als ernstzunehmende Alternative im Sturm.
Quarkbällchen: …Mato Jajalo. Bei ihm ist der Knoten mit seinem Tor im letzten Spiel der letzten Saison gegen Schalke geplatzt. Das zeigte er auch erneut im Spiel gegen Wiedenbrück. Ich denke, an dem Jungen werden wir noch viel Spaß haben. Über Podolski, Rensing und Novakovic muss ich nichts sagen, die haben ihre Klasse oft genug bewiesen.
Südtribüne: …Miso Brecko
Der Vierte Offizielle: …Mato Jajalo, weil er den Sprung zum absoluten Leistungsträger schafft und uns fast vergessen lassen wird, dass wir keinen wirklichen 10er in der Mannschaft haben.

Lukas Podolski wird:
Spielfeldrand: …einer der stärksten Spieler der Liga und Schürrle aber sowas von in den Schatten stellen, um Wochen nach Saisonende in seiner Heimat Europameister zu werden.
fcbuch: …den FC nach der Saison leider verlassen, wenn der FC nicht zum Überraschungsteam der Liga aufsteigt.
fc-blog: …es dem Mediengetön schon zeigen und eine gute Saison spielen, Binde hin oder her.
Quarkbällchen: …alle überraschen und sich im Vergleich zur letzten Saison noch steigern. Ich denke, dass der Trainer für ihn genau das richtige ist.
Südtribüne: …nicht Torschützenkönig, aber eine gute Rolle spielen.
Der Vierte Offizielle: …weiter wichtig für den 1.FC Köln sein und unter dem neuen Trainer aufblühen. Auch ohne Binde.

Ståle Solbakken ist:
Spielfeldrand: …ein extrem guter Trainer, mit klaren Vorstellungen und einer konsequenten Art. Hoffentlich ein Trainer, der in Köln auch mal etwas Zeit erhält, sein Konzept zu entwickeln und zu verwirklichen.
fcbuch: …ein guter Trainer. Eine Eigenschaft, die alleine nicht ausreicht, um in Köln erfolgreich zu sein.
fc-blog: …neben Volker Finke das Beste, was dem FC passieren konnte. Kriegt diese Konstellation von Fans und Medien genügend Zeit, kann die nächste bis übernächste Saison schon ganz anders (erfolgreicher) laufen. Gut Ding will Weile haben.
Quarkbällchen: …hoffentlich der Trainer, mit dem wir mal in Ruhe ein paar Jahre arbeiten können. Wenn er nur ansatzweise das in Köln schafft, was er in Kopenhagen erreicht hat, sind wir schon mal einen ganzen Schritt weiter.
Südtribüne: …der beste Trainer, den der 1. FC Köln haben konnte.
Der Vierte Offizielle: …ein junger, moderner, ballorientierter Trainer, der in Köln zu einer absoluten Kultfigur werden kann. Nebenbei glaube ich persönlich, dass er das Beste ist, was dem effzeh seit langer, langer Zeit widerfahren ist.

Die umfassende Neuausrichtung des Vereins unter Volker Finke:
Spielfeldrand: …ist der richtige, weil notwendige Schritt.
fcbuch: …muss für Finke selber nervlich die Hölle sein. Ein kleiner Fehler, und er wird zerrissen. Bleibt zu hoffen, dass sich das irgendwann alles zu einem guten Ganzen fügt!
fc-blog: …war absolut nötig. Halten Overath und Co sich endlich mal raus aus dem alltäglichen Geschäft, kann er auch in Ruhe weiterarbeiten.
Quarkbällchen: …ist genau das, was dem Verein in den letzten Jahren gefehlt hat. Ich bin der Meinung, dass VF bis jetzt (fast) alles richtig gemacht hat. Nehmen wir die Vertragsverlängerung von Sanou mal da raus, so finde ich, dass er einen guten Job macht. Er hat es endlich geschafft, einen großen Teil unserer Talente zu verleihen, hat die Mannschaft auf der letzten Saison zusammengehalten und dann einen Spieler wie Sascha Riether verpflichtet. Ich glaube, dass VF ein klares Konzept hat und genau weiß, wo er hinwill. Wenn die neue Saison gut verläuft, hat er alles richtig gemacht und die ganzen Kritiker werden – hoffentlich – mal leiser.
Südtribüne: …bringt den FC zurück in die Nähe dessen, was Franz Kremer mit dem Verein vorhatte und was unter dümmlicher Kölschtümelei verloren gegangen ist.
Der Vierte Offizielle: …tut Not und manchmal weh.

Meister wird:
Spielfeldrand: FC Bayern München
fcbuch: …langweilig, aber wohl Bayern
fc-blog: …Bayern München, sonst platzt dem Hoeness der Schädel
Quarkbällchen: …nach einem schwierigen Start trotzdem der FC Bayern München. Wenn Robbery fit ist, sollten die kaum zu schlagen sein.
Südtribüne: …Keine Ahnung. Die Mannschaft mit den meisten Punkten?
Der Vierte Offizielle: …natürlich der FC Bayern.

Absteigen müssen:
Spielfeldrand: …die zwei Letzten und gegebenenfalls noch der Drittletzte. Es wird mal wieder mächtig eng da unten. Augsburg hat wohl keine Chance. Aber auch Freiburg, Lautern und selbst Hannover sollten sich mal nicht so sicher sein.
fcbuch: …Wunschabsteiger sind: Gladbach, Lautern und Wolfsburg
fc-blog: ..Augsburg und Freiburg
Quarkbällchen: Diese Saison finde ich es ganz schwer, mich auf 3 Mannschaften zu fixieren. Augsburg wird da unten drin sein. Hinzu kommt Mainz, die es nach den Abgängen von Schürrle, Holtby und Fuchs extrem schwer haben werden. Bremen muss ebenfalls aufpassen. Und ob Freiburg und Nürnberg nochmal so eine gute Saison spielen werden, bleibt abzuwarten.
Südtribüne: …wenn es einen Gott gibt: Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg (auf das Derby gegen Gladbach wollen wir ja letztendlich doch nicht verzichten, oder?)
Der Vierte Offizielle: Augsburg, Mainz05 und der SC Freiburg (wobei der SC erst in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf scheitert).

Da scheinen sich die Herren und die Dame Experten doch einigermaßen einig zu sein, nur fcbuch scheint die Zukunft ein wenig düsterer zu sehen als der Rest. Eine Saison kleiner Schritte unter dem sportlichen Führungsduo Solbakken und Finke, deren Arbeit zwar positiv gesehen wird, die allerdings mit dem Damoklesschwert der Ungeduld des Umfeldes leben müssen. Unter dem Strich scheinen jedoch fast alle positiv gestimmt, ohne in den FC-Fans gerne angedichtete Euphorie zu verfallen. Sollte dies ein repäsentatives Meinungsbild sein, so stellt sich die Frage ob diese Ungeduld nicht eine Art von Self-Fulfilling Prophecy ist.

Und Bayern wird Meister. Hauptsache nicht Leverkusen.

Ich danke allen Beteiligten!

[Infografikmassaker] Home is where your Verein is

Viele denken ja, der Lukas Podolski wäre ein echter Kölner. ‚Ne eschte kölsche Panz. Und schon immer beim 1. FC Köln, mal abgesehen von den Jahren bei Bayern. Ist er aber gar nicht. Geboren im polnischen Gliwice, aufgewachsen in Bergheim. Und, bevor er dann tatsächlich elf Jahre für den 1. FC Köln spielte, Jahre, die ihn zweifelsohne zu einem Effzehler durch und durch machten, schnürte er zunächst seine Fußballschuhe für den FC Jugend 07 Bergheim. Das waren nur vier Jahre im Alter von sechs bis zehn, aber wer sein Engagement für den kleinen Verein kennt, ahnt, dass ihn diese Jahre geprägt haben, wenn er auch das meiste seines beachtlichen HandFusswerkzeugs beim FC gelernt haben dürfte. Aber da gibt es ja noch andere Spieler, Manuel Neuer zum Beispiel, der ja schon immer.. Ach, nein, der küsst jetzt ja ein anderes Wappen. Würde küssen. Wenn er dürfte.
Und wer, wie ich, schon lange Zeit das Kicker Sonderheft studiert, erinnert sich, dass ja immer die Vereinsbiografie eines jeden Spielers aufgelistet ist, und dass da so mancher wunderbarer Dorfverein aufgeführt wird. Da wird es doch sicher so manche interessante Häufung geben…

Manchmal ist das ja auch so, dass man mit der Recherchearbeit anfängt für so eine Infografik, ohne wirklich zu wissen, was am Ende rauskommt. Und während man dann so vor sich hinzählt, Striche macht oder, wie in diesem Fall, Vereinsnamen abtippt, stellt man irgendwann fest: Ähm. Nee. Das Ergebnis wird dann grafisch doch eher nicht so aufregend sein.

Es stellt sich nämlich heraus: Pustekuchen.
Interessante Häufungen gibt es nicht. 509 Spieler führt der Kicker für die 18 Bundesligisten auf und 487 Erst- und Heimatvereine. Das macht ganze 21 Vereine, deutschland- und weltweit, die mehr als einen aktuellen Bundesligaspieler geboren haben und – abgesehen von Hajduk Split, quasi König und Sieger dieser Auswertung mit ganzen 3 Spielern – kein Verein, der auf mehr als zwei Spieler kommt, die einstmals das erste Mal ihre Fußballschuhe für sie schnürten.
Und so mancher dieser Vereine hat nur deshalb die Ehre, hier aufgeführt zu werden, weil er das Glück hatte, dass ihn ein talentiertes Brüderpaar erwählte. Die Benders in Brannenburg (Der TSV hat übrigens extra ein Seite auf seiner Homepage für die berühmtesten Söhne des Vereins eingerichtet), die Caliguris in Schwenningen, die Gebrüder Kroos in Greifswald und die Stevanovics, die einst für den TuS Essen-West 81 aufliefen.

Fast man mal die Frage der Herkunft ein wenig weiter, nämlich weg vom Verein und hin zur Geburtsstadt, so wird die maue Statistik nicht viel besser. In der Hälfte der Vereine steht kein einziger Spieler im Kader (Quelle hier war transfermarkt.de), der das Licht der Welt in der Stadt, in der er heute spielt, erblickte. Dass dann Berlin mit immerhin fünf Spielern ganz oben steht, ist angesichts der Größe der Stadt nicht verwunderlich. Und gäbe es nicht die Regel des „Local Players“ – so sähe diese Zahl, die Fans aller Vereine oftmals nicht unwichtig ist – Ein echter XY, einer von uns – noch deutlich schlechter aus.

Aber nun gut, wenn man dann halt schon mittendrin ist und man merkt, so doll ist das Zahlenmaterial nicht, aber die Arbeit schon halb getan ist, macht man halt weiter. Das Ergebnis des ganzen seht Ihr hier:

Nach dem Klick öffnet sich die Grafik in größerer Ansicht.

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