Huhu, Schiri Kempter,

ich will gar nicht mit Ihnen über die rote Karte gegen Maniche diskutieren. Auch wenn ich glaube, daß da keine Foulabsicht zugrunde lag. Aber klar, ich hab auch eine rot-weiße Brille auf. Und muß zugeben, daß man die Situation anders sehen kann.

Warum Sie, Schiedsrichter Robert Michael Kempter, aber das klar regelwidrige Wegstoßen Maniches durch Arturo Vidal, das der von Ihnen mit Rot geahndeten Situation voraus ging, nicht mit einem Elfmeter bestraft haben, wie es die Regeln vorsehen, bleibt Ihr Geheimnis, oder?

Ich jedenfalls komm nicht drauf.

Emotionalisierbarkeit, Konzentration und Immerzu Ishiaku.

„Schwer zu emotionalisieren“ sei die Mannschaft, hat Manager Michael Meier vor einigen Wochen über das Team des 1. FC Köln gesagt. Eine Aussage, die durchaus Sorgen machen muß. Denn daß diese Mannschaft alle Leidenschaft, die sie aufbieten kann braucht, um aus dem Tabellenkeller herauszukommen und ihm idealerweise für den Rest der Saison fernzubleiben, dürfte klar sein.

Ein Blick auf den Kader bestätigt allerdings Meiers These. Ein Schwung junger Spieler, einige, im besten Sinne, abgeklärte und abgehangene Altstars, ein paar Spieler, die mit sich selbst genug zu tun haben und ein paar zurückhaltende und eher introvertierte Spieler a là Geromel. Bleiben unterm Strich nur Mondragon, Podolski und McKenna als Emotionalitätsmultiplikatoren.

Wer aber das gestrige Pokalspiel gesehen hat, weiß: Dieses Problem ist offenbar keines, das der Mannschaft Sorgen bereitet. Der unbestritten größeren individuellen Klasse der Golfsburger wurde mit großer Leidenschaft begegnet, die den verdienten Sieg möglich machte.

Was aber ein Problem zu sein scheint, ist punktgenaue Konzentration, insbesondere nach Anstoßsituationen. Im Ligaspiel gegen Schalke vor anderthalb Wochen gab es in jeder Halbzeit ein schnelles Gegentor. Gestern im Pokal ein Pfostenschuß des VW Wolfsburg direkt nach dem Kölner Führungstreffer und den Anschlußtreffer zum 3:2 direkt nach dem Tor zur zwischenzeitlichen 3:1 Führung. Mir scheint sich hier ein Aufgabengebiet für Trainer Soldo zu offenbaren: Das Spiel beginnt, wenn der Schiedsrichter den Ball freigegeben hat und nicht erst zwei Minuten später.

Ansonsten gäbe es noch viel zu sagen über das gestrige Spiel. Ich könnte über Maniches Pässe reden, darüber daß vielleicht nicht jeder Spieler so ein starkes Spiel wie Lukas Podolski zeigte, aber dennoch niemand wirklich abfiel, über den erneuten Scorerpunkt für Fabrice ‚DJ Fafa‘ Ehret, Podolskis Blocksturm nach Spielende, und, und, und..
Vor allem aber sollte ein Mann Sonderlob erfahren, der viel einstecken mußte in seiner bisherigen Zeit beim 1. FC Köln. Am vergangenen Samstag Lehmann den Ball abgenommen und somit nach starker Leistung das entscheidende 2:0 vorbereitet und gestern zwei Tore gemacht. Willkommen zurück Manasseh Ishiaku. Ich überlasse das Sonderlob dem gemischten Herrenchor der Sektion Westpolen:

Immerzu Ishiaku

DDR Meister 2009

Ich bin ja ein Westdeutscher, weswegen mir die emotionale Bedeutung des hier zu beschreibenden Umstandes möglicherweise ein bißchen weniger nachempfindbarer ist als den ostdeutschen Mitfreunden des 1. FC Union Berlin.

Erstmals in seiner Geschichte nämlich gewinnt Union den tabellarischen Vergleich mit allen Vereinen, mit denen sich die Eisernen in den Jahren 66 bis 91 sportlich und tabellarisch vergleichen konnten.

Die Nummer Eins im Osten, „Oberliga“-Tabellenführer, Ruhmreicher Spitzenreiter der FNL. Hey Hey.

Und ja, das ist schon seit dem 1. Spieltag so. Manches braucht eben länger um mir klar zu werden, ick bin ja ooch bloßn Wessi.

Jetzt reden sie auch noch

Das vierte Mal schon sammelte am vergangenen Montagabend probek Menschen in seiner Küche, um über Fußball zu reden. Nicht einfach so, sondern mit Mikrofon und Aufnahmegerät und dem Ziel das Aufgenommene anschließend ins Netz zu stellen. Podcast nennt sich sowas bekanntermaßen, und dieser spezielle nennt sich (noch) Ballpod. Wer die ersten drei Ausgaben verpasst haben sollte, sollte sich bei Gelegenheit die Zeit nehmen, sie nach zu hören.

Weil probek aber ja nun in München wohnt (und bemitleidenswerterweise Fan der Bayern ist, der Arme) und er zu außerhäusigen Themen lieber „Fachmänner“ zu Wort kommen läßt, bzw. befragt, gehört es zum Konzept des Ganzen, diese per Skype oder Telefon dazuzuschalten, also quasi virtuell in seiner Küche zu sammeln.

In dieser Ausgabe hören wir deshalb HerrWieland vom Königsblog zur wirtschaftlichen und sportlichen Lage des FC Schalke 04 reden, sowie Hirngabel vom Brustring-Blog über die Krise des VfB Stuttgart (an der auch ein ruhmreicher Club aus der Domstadt seinen Anteil hat) und am Ende einen Einspieler von Jürgen Kalwa (von American Arena) zum Magazin „Spielmacher“. Und äh, ja, den Anfang macht ein gewisser mars, auch genannt Spielbeobachter, zum Thema 1.FC Köln. Also, ja: Ditt bin icke, dann.

Höret:

Einen dicken Dank und viel Respekt an dieser Stelle an probek, der diese Ausgabe sogar im Alleingang schaukeln musste. Kommentare zum Ballpod als Ganzes bitte bei ihm (Wenns zu meinen Aussagen zum FC was zu sagen geht, könnt ihr das auch gerne hier machen). Außerdem Danke an Sebastian fürs Leihen des Equipments, auch wenn es nicht gebraucht wurde.

Edit: Jetzt erst aufgefallen: Ich sprech da von „Podolski in der Hoeneß Zeit“. Tztztz. Gemeint ist natürlich die Heynckes Zeit.

Schöner Fehlerteufel

Über die Situation von Energie Cottbus:
„Der Trainer überlegt auch, ob er dem zuletzt gescholtenen Abwehrchef Markus Brzenska eine Dankpause einräumt.“

‚Danke Trainer, für die Pause‘? ‚Nachdem ich mich bei dem Aufsteiger Paderborn am vergangenen Spieltag beim Heimspiel fünfmal für ein Gegentor bedankt hab, mach ich jetzt mal Pause davon‘? ‚Danke für diesen guten Morgen‘?

Zu finden in der Berliner Zeitung (Printausgabe) von heute – unter der Überschrift „Eine kleine Denkpause“. Na also, geht doch.

Kein Derby

Der erste Sieg für den 1. FC Köln ist endlich eingefahren. Das ist gut so, sowieso und ganz besonders jetzt, denn so läßt es sich viel leichter dem kommenden Wochenende entgegenblicken. Ein Heimspiel steht an, ein heißes noch dazu: Die Vorortmannschaft von Pfizer Bayer Vizekusen ist zu Gast. Heiß wird das Spiel nicht nur, weil die Werbemaßnahme bislang einen ziemlich guten und leider recht erfolgreichen Fußball spielt, und es somit für den FC schwer wird, die bitter benötigten Punkte zu machen, sondern natürlich auch aufgrund der geografischen Nähe.

Und dennoch. Auch wenn es es so aussieht und manchesmal auch so schmecken mag – das Spiel ist kein Derby.
Woher der Begriff „Derby“ kommt, ist schon tausendmal erzählt worden. Und ja, es gibt es, das rheinische Derby, zu dem die Emotionen elektrisiert hochkochen und bei dem schon eine Woche vorher Freude über die Möglichkeit, mit einem Sieg dem ungeliebten Nachbarn eine Schmach zu verpassen Hand in Hand geht mit der Angst, selbst der Geschmähte zu sein. Der Gegner heißt Borussia Mönchengladbach.

Die Borussia ist, da gibt es verständlicherweise keine zwei Meinungen, Pfui & Bah. Allein schon die dämlichen Trikotfarben (Grün, Schwarz und Weiß – Hallo? Wer will sowas sehen?) sagen so manches aus über den schlechten Geschmack, der auf dem Lande herrscht.
Aber, was wäre das Leben ohne dies, zweimal im Jahr die Möglichkeit zu haben, hohnlachend auf diesen Gegner zu zeigen? Und ja, geben wir es zu: Dazu gehört auch die (natürlich völlig unwahrscheinliche) Eventualität, selbst den Kürzeren zu ziehen. Am Besten geht das, wenn Beide in einer Liga spielen. Auf Augenhöhe sind. Sportlich. Denn traditionell sind sie es. Mönchgladbach also wäre der ideale Kandidat für eine Sonderregel der DFL: Eine Mannschaft darf jedes einzelne Spiel verlieren, und bleibt trotzdem in der Liga. Gilt natürlich nur solange der FC nicht absteigt, sí claro.

Bei der Werbemaßnahme aus Vizekusen hingegen liegt der Fall anders. Hier hilft nur sofortige Auflösung. Meinetwegen Neugründung in der zehnten Liga, diesmal ohne Bayer Millionen. Jedes Spiel gegen diese Mannschaft ist ein Spiel zuviel. Es macht schlichtweg keinen Spaß. Ein Sieg ist schön, wie jeder Sieg es ist, aber nichts Besonderes. Eine Niederlage ist eine weitere gottverdammte Niederlage. Kein Hieb mit dem Schwert des Schicksals.

Also dann, werte professionelle Geschichtenbastler in Funk, Fernsehen und Holzpresse: Lasst es sein. Orientiert Euch nicht am Kollegen des Senders Sky, der am Rande des Spiels Werder Bremen gegen Bayer Vizekusen vom „einzigen rheinischen Derby“ sprach, das da nächste Woche auf die Mannen von Osram Heynckes zukomme. Falsch. Nicht nur nicht das „einzige“, nein gar keins. Kein Derby in Sicht am nächsten Wochenende in Köln.

Weiter, immer weiter.

5 Spiele, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen, 1 Punkt, Platz 18.
Und die Geier kreisen schon.

Nicht überraschend eigentlich. Schließlich lesen sich die Zahlen ja wirklich schlecht. Und jedem Freund des 1. FC Köln, dem die letzten zehn Jahre in den Knochen stecken, schleicht langsam aber sicher die Angst in die selbigen.

Fakt ist, der FC ist schlecht aus den Startlöchern gekommen. Doch das macht sich nicht an den Ergebnissen und dem Punkteverhältnis fest.
Die bislang noch nicht erfolgreich funktionierende Offensivachse Maniche / Petit – Podolski – Novakovic sucht sich noch. Das hat viel mit Verletzungen (Langwierig: Novakovic, kurz: Podolski), Formschwäche (Petit, Novakovic), spätem Transfer (Maniche) und zu guter Letzt den Länderspielabstellungen (Maniche, Podolski, Novakovic) zu tun. Das möglicherweise hier auch Alternativen fehlen, zeigt sich daran, daß der vierwöchige Ausfall des jungen und unfertigen Adil Chihi die Frage aufwirft, wer ihn ersetzen soll.

Fakt ist auch, und das ist bekannt und schon tausendmal abgearbeitet, daß die Zeit günstig ist für einen langsamen Start, so absurd sich das beim derzeitigen Punkteverhältnis auch anhören mag. Gegen Mannschaften wie Dortmund, Wolfsburg, den HSV, Schalke, Stuttgart, Leverkusen und Bayern ist für eine Mannschaft im zweiten Jahr nach Aufstieg, auch wenn sie sich in Bestform befände, regulär nicht viel zu holen.

Was bleibt? Den Trainer feuern, wie die Geier schon fordern. Dadurch wird das Auftaktprogramm nicht einfacher, die Mannschaft nicht schneller zusammenwachsen. Stefan von der Südtribüne zeigt zudem, daß Trainerentlassungen dem 1. FC Köln in den vergangenen Jahren nie das brachten, was man sich von ihnen erhoffte.

Oder eben aushalten, die eigene Angst, und dem Trainer und der Mannschaft die nötige Zeit geben, die sie bei dem Startprogramm eigentlich sowieso haben. Mund abwischen, ein breites Kreuz machen und wie der Namenspatron dieses Blogbeitrags, Oliver Kahn einst sagte: Weiter, immer weiter.

Noch ist nichts verloren. Noch lange nicht.

Wenn Imageberater schlafen. Der Fall JAKO vs. Trainer Baade

Eigentlich leben wir ja in Zeiten, in denen man sich immer häufiger wünscht, der große Berufegott hätte nicht geschlafen, als die Menschheit den Imageberater erfand. Alle Nase lang wird man gezwungen, innerlich aufzustöhnen, weil man wieder einmal über die aalglatten Forumlierungsverbrechen westerwelliger Schönredner stolpern muß.

Eigentlich. Uneigentlich gibts dann aber auch die Momente, in denen man verdutzt innehält und sich verzweifelt fragt, warum verdammt noch mal Firma XY nicht mal jemand gefragt hat, der sich damit auskennt. Mit Image. Und wie man ihm dient. Und was man besser nicht macht.

Der just bekannt gewordene Fall der Abmahntollwut des Konzerns JAKO gegen den Blogger Trainer Baade ist so ein Fall. Ich versuche mal die Kurzfassung:
Mitte April schreibt Trainer Baade einen Artikel über das neue Logo der Firma JAKO und darüber, daß es aus seiner Sicht nicht sonderlich gelungen ist. Der Konzern JAKO hingegen findet diesen Blogbeitrag nicht sonderlich gelungen und schickt seine Anwälte los. Abmahnung, Unterlassungsklage, Verpflichtungserklärungen. Trainer Baade zahlte, unterschrieb und nahm den betreffenden Artikel von seinem Blog.
Soweit, so schlecht. Es ward noch schlechter. Offenbar fand sich der Artikel, ohne des Trainers Zutun, noch beim Newsaggregator newstin.de. Und wurde dort gefunden, von von JAKO losgeschickten Bluthunden. Ergebnis: Trainer Baade solle 5100 € Strafe zahlen (weil er gegen die Unterlassungserklärung verstoßen habe), zusätzlich dazu noch die Anwaltskosten. Selbst wenn er den Artikel nicht selbst eingestellt hätte, und nun wird es so absurd, daß es schon wieder komisch ist, so hätte er es doch unterlassen, das Internet nach dem Artikel abzusuchen. Das Internet.
Und um den bunten Strauß von Absurditäten noch anzurunden, soll Trainer Baade das nächste Mal, wenn der Artikel oder Forumlierungen aus ihm irgendwo „im Internet“ erscheinen, gleich 10.000 € Strafe zahlen.

dogfood hat das Ganze in Langform mit allen Einzelheiten bei allesaussersport dargestellt. Ein unbedingter Lesebefehl.

In der Zwischenzeit kann man nur hoffen, daß die Marketingabteilung der Firma JAKO aus dem Winterschlaf erwacht und den Anwälten in den Arm fällt. Gerade sorgen letztere nämlich dafür, daß das Image der Firma JAKO mit Begriffen wie Unsympathisch, Unsozial, Maßlos und Weltfremd aufgeladen wird. Und das kann ja nicht im Sinne des Imageberatererfinders sein.

Edit: Um sich einen Überblick über die derzeit durch die Blogs und Twitter laufende Welle der Empörung zu verschaffen, lohnt sich ein Blick zu z.B. probek, der das dankenswerterweise fein säuberlich auflistet.