Sag mal, Kicker,

können wir uns darauf einigen, dass nicht Dein Ziel sein kann, auf dem journalistischen Niveau, oder besser gesagt: Nicht-Niveau der Bild-Zeitung und des Express herum zu krebsen? Dass sowohl die sprachliche als auch intellektuelle Messlatte, die es zu überschreiben gilt, in weit luftiger Höhe liegen sollte, will man für Euch den Griffel schwingen? Ja? Ich mein, so sonderlich viel verlangt ist das ja nicht, das ist, um mal ein sportliches Bild zu bemühen, ja ungefähr so, als erwarte man von einer Fußballmannschaft, die in der ersten Liga spielen möchte, dass sie sich sportlich besser präsentiert als eine Mannschaft aus der untersten Kreisklasse. Das sollte doch hinzukriegen sein, oder?

Dann allerdings hab ich eine Frage. Ihr habt Euch ja nun, analog zu Bild Köln, Express und Kölner Stadt-Anzeiger, des „Binden-Kriegs“ beim 1. FC Köln angenommen. Ihr gestattet, dass ich kurz jenen Lesern meines Blogs, die sich nicht mit Kölner Belanglosigkeiten beschäftigen, kurz erkläre, worum es geht? Danke.

Der neue Kölner Trainer Ståle Solbakken hat schon bei seinem Arbeitsantritt in Müngersdorf kundgetan, dass er sich bis zum Pokalspiel gegen Wiedenbrück die Zeit nehmen wird, erst einmal die Mannschaft kennenzulernen, bevor er festlegt, wer Kapitän ist. Im Kontext seiner bisherigen Handlungen und Äußerungen ein durchaus stimmiger Akt, der Mann scheint viel Wert auf Kommunikation zu legen. Die Entscheidung, wer auf dem Feld sein verlängerter Arm ist, ist durchaus eine taktische, dies kombiniert, dass er eben in der Tat erst das Mannschaftsgefüge kennen lernen muss, alles also keine große Sache.

Naja, doch. Jedenfalls, wenn man Bild und Express glaubt, ein Fehler, den leider immer noch viele Menschen täglich und deutschlandweit machen. Seit ungefähr zwei Wochen vergeht kein Tag, an dem dieser banale Umstand nicht genutzt würde, um einen neuen, möglichst niveaulosen und peinlichen Artikel zu schreiben. Schmerz- und lachhaft, aber gut, sollen die Kinder halt spielen, wir Erwachsenen müssen uns darum ja nicht weiter kümmern. Solange sie sich um solche Banalitäten kümmern, können sie wenigstens nichts Wichtiges kaputtmachen.

Dass Du, lieber Kicker, dann auch auf den fahrenden Zug aufspringst und die Kapitänsfrage ansprichst, ist ja auch gar nicht schlimm. Da kann man ja tatsächlich mal ganz sachlich drüber reden, welche Aufgaben ein Kapitän im System Solbakkens denn spielt und wer taktisch, sportlich und aus mannschaftsinterner Sicht dafür in Frage kommt. Kann man machen.

Aber dann ist da ein Satz über den bisherigen Bindenträger Podolski, der so ungeheuer schmerzhaft ist, lieber Kicker, dass ich nur hoffen kann, dass derjenige, der ihn verbrach, geohrfeigt wurde und mit lebenslangem Berufsverbot versehen wurde. „Podolski soll beobachtet worden sein, wie er das Stückchen Stoff am Oberarm des 22-Jährigen argwöhnisch beäugte„. (Der 22-Jährige ist Kevin Pezzoni, der bei einem Testspiel Kapitän war). KICKER! Hallo? Jemand zu Hause? Soll beobachtet worden sein, wie er eine Kapitänsbinde argwöhnisch beäugte? Ich mein.. also… mit einer Antwort kann ich wohl nicht rechnen, da Du verständlicherweise gerade in der Ecke sitzt und vor Scham heulst.. aber – das wirst Du doch wohl hoffentlich nicht ungestraft durchgehen lassen?

Eine Erfolgsmeldung und ein neues Rätsel.

Vor fast anderthalb Jahren fragte ich einen mir unbekannten Leser meines Blogs, ob er mir vielleicht – im Gegenzug zu der Beantwortung einer von ihm gestellten Frage – helfen könne. Ich vermisste das Bild, welches von mir eigenhändig aus dem Kicker ausgeschnitten war und lange an meiner Pinnwand hing und Spieler des 1. FC Köln in München zeigte, die Polonaise tanzend ihren Sieg feierten. 1998 war dies, allerdings brachten die 3 Punkte auch nichts, denn am Ende der Saison stand bekanntermaßen der erste Abstieg. Irgendwann war es dann weg, das Bild und ich hatte keine Ahnung, wo es verschwand.

Das Rätsel hat eine Lösung gefunden, in einer staubigen Kiste fand ich es im Zuge einer kleinen Renovierung, Dirk Schuster, Karsten Baumann, Bodo Schmidt, Rene Tretschok, Dorinel Munteanu und Thomas Cichon trugen hübsche Trikots und das strahlende Lächeln des Überraschungssiegers auf den Lippen.

Schön, nech?

Außerdem fand ich noch anderes: Diesen Aufkleber zum Beispiel. Ein antikes Stück, wie man unschwer erkennen kann. Aber wie das so ist, mit den Rätseln unseres Lebens: Kaum ist eines gelöst, kommt schon das nächste daher – Was mach ich bloß mit diesem formschönen Aufkleber? Aufkleben? Klebt der überhaupt noch? Und wäre es nicht zu schade, den irgendwo hin zu kleben? In circa zwanzig Jahren ist der doch bestimmt drölf Fantastilliarden wert. Fragen über Fragen.