Emden bleibt Emden

Der DFB hat entschieden: Dem Ansinnen der Kickers aus Emden, ihr Heimspielrecht im DFB Pokalspiel gegen den 1. FC Köln an die Kölner abzutreten, wird nicht stattgegeben. Hintergrund für das auf den ersten Blick etwas merkwüdig anmutende Unterfangen ist die akute Finanzmisere der Ostfriesen: Dem nicht erfolgten Aufstieg in die 2. Bundesliga folgte der monetär bedingte Abstieg in die fünfte Liga. Das heimische Embdena Stadion fasst nur 7200 Zuschauer, weil aber das Pokalspiel „das erste Pflichtspiel der Kölner mit Lukas Podolski“ sei, müsse man bei einem Heimspiel des FC mit vollem Haus rechnen, also mit 50000 Zuschauern – da käme weitaus mehr Geld zusammen für die Kickers, denn bei Pokalspielen werden die Einnahmen geteilt.

Übersehen wir mal die merkwürdige Begründung (Liebe Emdener, der FC schafft auch dann volles Haus, wenn nicht grad das erste Pflicht-Heimspiel des FC mit dem Prinzen ansteht). Übersehen wir weiterhin, daß ich den überaus sympathischen Emdenern jeden Cent gönnen würde.
Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und dazu gehört es, daß sich die großen Schlachtschiffe des deutschen Fußballs in die Provinz begeben und dort die Hütte füllen, mag sie auch noch so klein sein. Und dann von und vor dieser vollen Hütte soviel Gegenwind erhalten, daß so manches eben noch majestätisch anmutendes Schiff auf Sand läuft und die Pokalträume in den Untiefen des niederklassigen Fußballs versinken. Und das ist auch gut so.

Abgesehen davon, daß natürlich am 1. August der FC die Beute nach Hause schippern wird. Ob in Emden oder in Köln gesegelt wird. Heidewitzka, Herr Kapitän.

Religiöse Fanatiker und Propagandisten bestrafen

Sonntagabend, Johannesburg, 22.15 Uhr South Africa Standard Time: Sechs Minuten zuvor hat Abwehrspieler und Kapitän Lucio mit dem 3:2 den Confederations-Cup zugunsten Brasiliens entschieden. Und dann begann die große Propagandashow: Der gläubige Christ gab sich nicht damit zufrieden in einem mehr oder minder stillen Gebet seinem Gott zu danken, nein, er und eine Reihe ihrem Kapitän folgende Jünger hatten nichts besseres zu tun als sich T-Shirts mit der Aufschrift „I love Jesus“ überzustreifen und anschließend die komplette Mannschaft zum gemeinschaftlichen Singes- und Betkreis auf die Knie zu zwingen.

Verstehen wir uns nicht falsch: Wer meint, er persönlich müsse Gott, Allah, Jhwe, Buddha, Odin oder Gandalf dafür danken, daß dieser ausgerechnet ihm den Sieg schenkte, möge das tun, so schwachsinnig das auch sein mag. Wer glaubt vor dem Betreten des Rasens ein schnelles Bekreuzigen, ein Gebet zum Himmel, ein kleines Tänzchen mit Gänseblümchen im Haar oder welche anderen abergläubischen Rituale es sonst noch geben mag, ausführen zu müssen, um eine imaginäre Märchenfigur gnädig zu stimmen, auf das man von Verletzungen verschont bleibe – bitte schön, wer es braucht.

Vor Millionen von Zuschauern aber eine aggressiv missionierende Propagandashow abzuziehen, deren einziger Sinn und Zweck darin besteht, die enervierenden Legenden und Märchen der tief im Blut watenden religiösen Verbrechersyndikate unters Volk zu bringen – kein Verständnis und auch keine Toleranz. Und die FIFA hat dies auch schon längst in Regel 4 festgelegt: „Spieler dürfen keine Unterleibchen mit Slogans oder Werbeaufschriften zur Schau tragen. Die vorgeschriebene Grundausrüstung darf keine politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften aufweisen.“

Seit gestern ist klar: Diese Regel darf nicht nur für die 90 Minuten gelten, sondern muß auch auf die Halbzeitpause und die Zeit nach dem Schlußpfiff bezogen sein. Und: Lucio und seine Jünger müssen empfindsam bestraft werden.

Barrilete cósmico

Das Tor, das vor genau dreiundzwanzig Jahren und drei Tagen im Aztekenstadion in Mexiko City fiel, kennen wir alle. Tor des Jahrhunderts ist es geworden. Tausend mal hat man es gesehen, es hat immer Zoom gemacht. Besonders schön aber ist das Tor, sieht man es mit dem Originalkommentar des für das argentinische Fernsehen arbeitenden Uruguayers Victor Hugo Morales. Daß südamerikanische Kommentatoren mit einer in Europa eher befremdlichen Leidenschaft am Werke sind, dürfte bekannt sein, hier aber übertrifft Morales die Erwartungen. Und seine im Überschwang der Gefühle ausgerufene Betitelung Maradonas als „Barrilete cósmico“ (ungefähr: Himmlischer Komet) ging als einer der Spitznamen für den Göttlichen in die Geschichte ein.

Und damit auch die nicht spanisch sprechenden Zuschauer auf ihre Kosten kommen, hier mein stümperhafter Versuch einer Übersetzung. Korrekturen werden gerne angenommen.

..da hat ihn Maradona
..sie doppeln ihn
Maradona tritt auf den ball
Das Genie des weltweiten Fußballs weicht nach rechts aus
..ich kann es nicht fassen
Burruchaga..
..immer noch Maradona..
Genie.. Genie… Genie
ta..ta..ta.. Toooooooor
Ich möchte weinen…
Heiliger Gott, es lebe der Fußball..
Trauuumtoooor.. Diegooool
Maradona.. es ist zum weinen… Verzeihen Sie mir
Maradona hat einen der geschichtsträchtigsten Spielzüge aller Zeiten zurückgelegt
Himmlischer Komet..
Von welchem Planeten kommst du?
so dass du alle Engländer auf dem Weg zurück gelassen hast?
so dass das Land eine geballte Faust ist, die für Argentinien aufschreit?
Argentinien 2 – England 0
Diegol Diegol
Diego Armando Maradona
Danke Gott!
für den Fußball,
für Maradona,
für diese Tränen,
für dieses Argentinien 2, England 0

Grüne Farbe bekennen

45 Minuten lang nutzten einige Spieler des Team Melli, der iranischen Nationalmannschaft, das heutige Qualifikationsspiel gegen Spitzenreiter Südkorea zu einem politischen Statement: Grüne Arm- und Schweissbänder trugen sie.


(Rechts der ehemalige Bayernspieler Ali Karimi, heute tätig bei Persepolis Teheran)

Irgendjemand in Teheran, dem das ganze offenbar weniger gefiel, griff dann wohl zur Halbzeit zum Telefon. In der 2. Halbzeit jedenfalls liefen die Spieler dann ohne das Zeichen der protestierenden Opposition auf. Das Bestreben um Kommunikationsherrschaft scheint allen Fußballverbandspräsidenten gemein zu sein.

Das Spiel endete übrigens 1:1 – was dem Iran gemeinsam mit Nordkorea und Saudi-Arabien im Verfolgerfeld läßt.

Edit: Laut der BBC trug Mehdi Mahdavikia, Kapitän der Nationalmannschaft und Profi von Eintracht Frankfurt das Armband die gesamten 90 Minuten.

„Bin ich Arbeiter, lege sehr viel Wert auf Disziplin.“

Um 13.00 fand die Vorstellungspressekonferenz des neuen FC Trainerduos Zvonimir Soldo und Michael Henke statt. Hier ein hektisch in die Tasten gehauenes Protokolls der Aussagen des neuen Cheftrainers Soldo:

Wie würden Sie sich als Trainer charakterisieren?
Bin ich Arbeiter, lege sehr viel Wert auf Disziplin. Ich beschäftige mich gerne mit Taktik und Strategie. Bin sehr kommunikativ mit Spieler. Haben gute Spieler, mit Podolski, Novakovic, Geromel, Mondragon. Freue mich auf die Herausforderung und die Zusammenarbeit.

Wie sieht Ihre Zielsetzung für die nächste Saison aus?
Wir sind alle einig für einen Aufsteiger ist das zweite Jahr das schwerste. Wollen mehr Punkte holen als letztes Jahr. Und eine Macht zu Hause sein.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?
Hab schon begonnen, bleibe erst noch einige Tage in Köln. Ich habe schon mit dem Kapitän [Novakovic] und mit Lukas Podolski gesprochen und mir einige Spiele des FC angesehen.

Herr Soldo haben Sie vielleicht Angst, dass die Schuhe von Christoph Daum ein bißchen groß sind?
Nein. Sonst wäre ich nicht gekommen.

Brauchen Sie noch weitere neue Verpflichtungen?
Mit Lukas haben wir schon einen guten Spieler. Wir haben einen guten Kader, muss ich mir erstmal Bild machen. Bei Verstärkungen wollen wir lieber einen guten Spieler als zwei bis drei für die Breite holen.

Haben Sie eine Austiegsklausel?
(Lacht) Nein.

Gibt es Pläne, Spieler die Sie aus Kroatien kennen, zum FC zu holen? Was ist zum Beispiel mit Anas Sharbini, dem 22 jährigen Spielmacher von NK Rijeka?
Über Verstärkungen konkret will ich jetzt nicht reden. Kenne Sharbini aus der kroatischen Liga, wollte ihn auch zu Dinamo Zagreb holen, war aber zu teuer. Aber konkret will und kann ich jetzt noch nichts sagen, muss ich mir erst Bild von der Mannschaft machen. Aber wir haben gute Karten Kader.

Was reizt Sie am 1. FC Köln?

Hab hier 7 Monate gelebt, damals hab ich gemerkt, was für eine Bedeutung hat dieser Verein. Tolles Publikum, tolles Stadion. Als wir Kontakt aufgenommen haben, konnte ich es nicht glauben.

Haben Sie Vorstellungen darüber, was Sie tun, wenn es mal nicht läuft?
Hab ich schon gesagt, bin ich Arbeiter und kommunikativ mit den Spieler. Ich weiß schon, was ich werde machen in deise Richtung.

Welches Spielsystem und welches Spielphilosophie favorisieren Sie?
Das hängt immer ab von den Spielern, wir wollen wie gesagt mehr Punkte machen, ich bin da auch sehr variabel. Ich hab schonm einige Spiele des FC geschaut, wir werden mit zwei oder auch drei Sechsern spielen und auf jeden fall mit zwei Stürmern, schließlich haben wir mit Lukas Podolski einen sehr starken neuen Stürmer.

Was für ein Typ sind Sie als Trainer, lassen Sie sich zum beispiel duzen.
Ich bin ein sehr ruhiger Typ, wie gesagt: sehr kommunikativ mit den Spieler, muss man sie immer gut beschäftigen.. und .. das wars.

Wird es in Ihrem System einen Spielmacher geben? Es gab ja in der Vergangenheit hier die Diskussion ob es einen 10er geben sollte oder nicht.
Damals in Stuttgart spielten wir mit der Raute, bei Zagreb mit zwei Spielmachern, einen auf halbrechts, einen auf halblinks. Mit diesem Kader hier werden wir sehr variabel sein, denn Lukas Podolski kann zurückhängend oder echten Stürmer spielen, oder auch auch hinter zwei Spitzen.

Eine Zusammenfassung findet Ihr auch bei effzeh.

Edit: Kader oder Karten? Soldos Deutsch ist in Ordnung, aber nicht das Beste – So bleibt umstritten, ob er auf die Frage nach Sharbini gesagt hat „Haben gute Karten“ oder „Haben guten Kader“.
Edit II: Soldo sagte „Haben guten Kader“. Die Wiederholung ergabs.

„Zvonimir Soldo Samstag Coach Köln“

„Zvonimir Soldo Samstag Coach Köln
Obwohl in den Kampf für einen neuen Trainer und Köln wurden Mirko Slomka und Gérard Houllier, Leiter der deutschen Clubs haben sich für die kroatische Experten Zvonimir Soldo, der würde die Öffentlichkeit gespielt werden an diesem Samstag
Deutsch Bild bringt die Geschichte, durch die die politischen Führer von Köln am Mittwoch eine Tagung, auf der auf der neuen Club-Trainer. Obwohl die öffentlichen procurilo, dass einige Regierungschefs vorgeschlagen Franzose Gérard Houllier als neuer Trainer Köln, wurde Zvonimir Soldo, wer würde so nach Dinamo sollte seine zweite Klub in trenerskoj Karriere.

Ist nicht bekannt, zu diesem Zeitpunkt würde Soldo sollte einen Vertrag, nur ein Bild, dass der frühere Langzeit-Player Stuttgart am Samstag, sollte als neuer Trainer von Köln Teams.“

Quelle. Übersetzung.

Mein Kölner Spieler der Saison

Eigentlich sind dies die Beiträge, die schon längst geschrieben sein sollten. Die Saison ist schon seit gefühlten Monaten vorbei, die neue Saison zwar noch Jahre hin, wirft aber über allen Ortes schon kräftig ihre Schatten.
Aber so ein nächtlich dahingehauchtes „Ich bin weg“ kann auch ein kleines und zartes Blog wie das meinige ein wenig durcheinanderbringen. Gottlob ist es nie zu spät für ein wenig Nachbetrachtung, fangen wir also beim Spieler der Saison an.

Da gibt es nach einer wirklich guten Saison des FC so manchen Kandidaten. Der ligabeste Innenverteidiger der Hinrunde fällt einem sofort ein, Pedro Geromel, dessen leichtfüssiges und zielgenaues Stellungspiel gewichtigen Anteil am Klassenerhalt hatte. Oder das Perpetuum Mobile ‚Pittbull‘ Petit, der zwar häufig unter seinem großen Kräfteverschleiss litt, aber seine Kräfte ganz wunderbar mannschaftsdienlich verschliss. Und natürlich Milivoje Novagoal (.. er macht sie alle rein, auch ohne Führerschein..), dessen 16 Saisontore ganz gehörig zum Klassenerhalt beitrugen.

Mir aber ist ein noch anderer Spieler sehr ans Herz gewachsen. Einer der gar nicht zur Stammelf zählte, sondern die klassische Nummer 12 war. Kevin McKenna. Fußballerisch limitiert, gewiß. In seinen Vertretungseinsätzen ein bis zwei Böcke schießend, die prompt zu Gegentoren führten, ohne Frage.
Kein Spieler, der Woche für Woche, oder wenigstens zweiwöchtenlich, glänzte, sondern einer, dessen Wert sich erst vollends aufzeigt, wenn man den ganzen Kontext betrachtet.
Letzte Saison noch gesetzt als Innenverteidiger neben Mohamad. Vor der Saison durch Geromel als Stammkraft ersetzt. Und das als ehemaliger Kapitän. Und trotzdem: Immer da, immer 100% gebend, wenn er denn gebraucht wurde. Und das wurde er oft und auf den merkwürdigsten Positionen: Innenverteidiger, beide Außenpositionen in der Abwehr, defensives Mittelfeld, Sturm. Außer Torwart hat McKenna so ziemlich alles gespielt.

Und nie auch nur ein Sterbenswörtchen über Unzufriedenheit, Abwanderungsgedanken, Meutereiversuche oder was man sonst noch so hört und liest von degradierten Spielern. Stattdessen, wie von ihm gewohnt und bekannt, Vorbild in Sachen Einstellung und Vorwegmarschierer.
Gerade in der Mannschaft eines Aufsteigers, dessen Bank nur notdürftig besetzt ist, sind solche Spieler Gold wert.

Danke Kevin McKenna. Und: Mach’s noch einmal.

Gegenüberstellung der Verdächtigen

Der Rauch des nächtlichen Daum-Abgangs legt sich langsam. Und während die Wunden noch geleckt werden, stellt sich mit größter Dringlichkeit die Frage: Und nun? Wer soll in drei Wochen das erste Training leiten?
Ein Rundumblick auf die Rheinauf, Rheinab spekulierten Namen:

Michael Skibbe. (aus dem Rennen: Siehe Eintracht Frankfurt) Der Kölner Boulevard räumt ihm eine Favoritenstellung ein, der Grund dafür dürfte die dicke Freundschaft zu Michael Meier sein. Skibbe begann seine Trainerlaufbahn als Jugendtrainer und -koordinator in Schalke und Dortmund (später trainierte er noch Deutschlands U18). Ein Trainer also, der mit jungen Spielern gut kann, was als Plus gewertet werden kann. Auffällig ist ein ewig wiederkehrendes Muster bei seinen Auftritten als Cheftrainer in Dortmund, Leverkusen und Galatasaray: Gute Vorrunde, schlechte Rückrunde. Seine Wirkung ist offenbar nicht sonderlich nachhaltig. Ob er dem harten Kölner Medienwind standhalten kann, darf bezweifelt werden, bei den FC Fans ist er jetzt schon der unbeliebteste Kandidat, zu blaß, zuviel Bayer. Positiver Punkt: Bei Galatasaray schon nach einem guten halben Jahr entlassen – die Gefahr, daß er plötzlich hinwirft, um einer türkischen Herzensangelegenheit nachzusteigen, besteht also nicht.

Mirko Slomka. Der nette Herr Slomka, der in Wirklichkeit gar nicht so nett sein soll. Bei den Fans zur Zeit der beliebteste Kandidat. Auch er begann seine Karriere als Jugendtrainer in Hannover, noch heute hätten sie ihn dort gerne als Cheftrainer, da er dort die goldene Hannoveraner Generation trainierte. Unter Rangnick Co-Trainer sowohl in Hannover als auch in Schalke. Als Cheftrainer in Schalke erfolgreich (Vizemeister und Champions League Viertelfinalist). Scheiterte wohl am großen Druck des Schalker Umfelds, was nicht unebdingt für eine Anstellung in Köln spricht. Als Christoph Daum Ende letzter Saison schon einmal schwankte, wurde Slomka angeblich schon bei Gesprächen mit Michael Meier gesehen.

Christian Gross. Sechs Schweizer Meistertitel gewonnen (zweimal mit den Grasshoppers, viermal mit dem FC Basel), vier Schweizer Pokale. Führte den FC Basel mit schöner Regelmäßigkeit in die Champions League. Steht allerdings nicht für hemmungslosen Offensivfußball – was aber unter Berücksichtigung des Kölner Kaders eher gut ist, denkt man das fehlende offensive Mittelfeld und die beiden schnellen Konterstürmer Novakovic und Podolski. Allerdings: Nach Marcel Koller und Hanspeter Latour, den beiden (beim FC) gescheiterten Schweizer Trainern ist ein weiteres eidgenössisches Experiment nur schwer vermittelbar.

Friedhelm Funkel. Hat angeblich ein großes Herz für die Domstadt und den FC, ohne dabei allerdings in Herzensangelegenheits-Plüsch zu verfallen, für solcherlei Schmonz ist Funkel zu nüchtern. Das große Manko dürfte sein, dass er schon einmal beim FC war und scheiterte und sich niemand seinen destruktiven Defensivfußball zurückwünscht – auch wenn der zur aktuellen Mannschaft gut passen würde (siehe C. Gross). Seine ehrliche, knurrige Art war schon damals nur schwer für den Kölner Boulevard zu verarbeiten, nach Daum wäre aber genau das recht angenehm.

Bernd Schuster. Der blonde Engel scheiterte beim FC in seiner zweiten Trainerstation im Jahr 98/99 grandios. Allerdings muß man ihm zugute halten, daß in jener ersten Zweitliga Saison Anspruch und Wirklichkeit beim FC noch weiter auseinanderklafften als eh schon. War sehr erfolgreich beim FC Getafe, wurde spanischer Meister mit Real Madrid, dort allerdings auch schnell wieder entlassen. Der Name wäre immerhin so groß, daß Medien und Fans zufrieden wären, dafür wäre er sicher auch dementsprechend teuer. Ist angeblich bei Bayer Leverkusen im Gespräch.

Frank Schaefer. Der Trainer der 2. Mannschaft des FC wird seit vielen Jahren schon bei jeder Trainerdiskussion von den Fans ins Gespräch gebracht, gerne garniert mit dem Hinweis, daß auch Christoph Daum einst auf diesem Weg seine Karriere begann. Konnte sich allerdings im Frühjahr im vereinsinternen Kampf um den Posten des Jugendkoordinators nicht mal gegen den vom Vorstandsklüngel protektionierten Stephan Engels (Goldkettchen- und Kranzträger erster Kajüte) durchsetzen. Wird nicht Cheftrainer.

Morten Olsen. Noch ein großer Name. Der aktuelle dänische Nationaltrainer war Ende der Achtziger Spieler und in der ersten Hälfte der Neunziger Trainer beim FC – der Mann wüßte also, was ihn erwartet. Damals scheiterte er, weil die Kölner Spieler seinen anspruchsvollen Fußball nicht verstanden – Wie jetzt, ohne Libero? War angeblich kürzlich bei Ajax Amsterdam Favorit als Nachfolger von Marco van Basten und sagte dort ab, weil er seinen Vertrag bei der dänischen Nationalmannschaft erfüllen will. So etwas gibts also noch, Trainer, die ihren Vertrag erfüllen.

Holger Stanislawski, Slaven Bilic. Werden zur Zeit in jeder Trainerdiskussion in den Ring geworfen, ohne dass es konkrete Anhaltspunkte gäbe, daß sie tatsächlich irgendwo im Gespräch sind. Stanislawski dürfte den FC Entscheidern zu jung und zu wenig glamourös sein. Leider.

Wunsch: Gross oder Stanislawski.
Tipp: Skibbe oder Slomka.

Nach dem Messias ist vor der Zukunft

Während der 1. FC Köln ein Jahrzehnt in den Niederungen des Fußballs verbrachte und fröhlich zwischen 1. und 2. Liga hin- und herfahrstuhlte, wuchs die Erinnerung an die letzte große Zeit des Vereins. Und mit ihr wuchs der Glorienschein um den Kopf des damaligen Trainers, Christoph Daum. In jeder Krise, bei jeder Trainersuche wurde sein Name geraunt, jeder neue Trainer hatte es dadurch schwer – schwerer noch als eh schon ist im Pulverfass Köln.

Aus dieser Vorgeschichte leitete sich auch der größte Wert Daums in seiner zweiten Amtszeit, die am gestrigen Abend endete, ab: Ein Trainer, der nahezu unkritisierbar war. Was sich für Außenstehende wie ein Nachteil lesen muß, ist in Köln von unschätzbarem Wert. Unattraktiven Defensivfußball ließ Daum in der gerade zu Ende gegangenen Saison spielen – so unattraktiv, daß jeder andere Trainer längst im Fadenkreuz des mächtigen Kölner Boulevards gelandet wäre, möglicherweise auch auf der to-do-raus! Liste der Fans. Daß am Ende ein höchst respektabler 12. Platz heraussprang, könnte eine Lehre sein, all jenen, die ihren Unmut schnell in Entlassungsrufen formulieren, wird es aber wohl nicht.
Auch innerhalb des Vereins, glaubt man jedenfalls dem zwischen den veröffentlichen Zeilen stehenden, war Daum der erste Trainer seit vielen Jahrzehnten, der es wagen konnte, dem sprichwörtlichen Klüngel in der Vereinsführung zu trotzen. Mal mehr erfolgreich, mal weniger, mal sinnvoller, mal weniger.

Noch ist wenig bekannt über die Hintergründe. Der Unterschied zwischen 2,4 Millionen Euro Gehalt brutto hier und 3,5 Millionen Euro netto dort wird genannt.
Auch die seit Beginn der zweiten Amtszeit schwelenden Machtkämpfe um die Frage, wie groß die Schritte sein müssen oder eben können, die der Verein tätigt, werden als Scheidungsgrund genannt. Mehr Geld für hochklassige Spieler habe Daum gefordert, mehr jedenfalls als der Verein aufzuwenden sich in der Lage sieht. Die eine oder andere interne Entscheidung verlief gegen ihn, so wollte Daum zum Beispiel den Posten des Nachwuchskoordinators anders besetzt haben als durch Stefan Engels – verständlich, zeichnet sich dieser doch ausschließlich dadurch aus, eng mit Präsident Overath befreundet zu sein.

Der Zeitpunkt, soviel ist klar, könnte nicht schlecher sein. Statt mit neuen Spielern zu verhandeln, wird der Verein nun einen Trainer suchen müssen, der dann – wieder einmal – mit einem Kader operieren muß, an dessen Zusammenstellung er selbst nicht beteiligt war. Und die Konkurrenz der ebenfalls suchenden Vereine ist groß. Der HSV, Frankfurt, Mönchengladbach, alle stehen ohne Trainer da. Möglicherweise kommen noch Leverkusen und Bochum hinzu. Auf dem Markt hingegen sind wenige Trainer, von denen einige es auch schon beim FC versuchten, aber früher oder später scheiterten.

Die Wut ist groß bei den FC Fans, und auch das ist verständlich. Eine Verdreifachung des Gehalts ist ohne Frage ein gewichtiges Argument bei der Wahl des eigenen Arbeitsplatzes. Wer sich allerdings Tage zuvor noch in Zusammengehörigkeitsschwüren erging und von gemeinsamen Zukunftsvisionen sprach, darf sich nicht wundern, wenn der Schritt vom Messias zum Judas klein ist.

Auf der Strecke bleibt die Hoffnung auf eine Phase der Ruhe und Kontinuität, die nötig wäre, um die kleinen Schritte aus dem Fahrstuhl hin zur Etablierung als Erstligamannschaft zu machen. Auf der Strecke bleibt allerdings auch das Gespenst eines mythenumwobenen Erfolgstrainers, das in der Vergangenheit in jeder sportlichen Krise Müngersdorf heimsuchte.
Bleibt zu hoffen, daß sich der Verein möglichst schnell aus dem Schockzustand lösen kann und das richtige Händchen hat bei der Wahl des neuen Cheftrainers. Wenn nicht, hat Christoph Daum mit seiner Nacht- und Nebelaktion nicht nur das Licht seines Heiligenscheins ausgeknipst.