Wie einst Wattenscheid. FC Away Trikot 2010/2011

[Achtung. Es folgt Fashion-Content]

Es munkelt schon längere Zeit durch die langen Gänge des Internets: Auch in der nächsten Saison wird der glorreiche 1. FC Köln in seiner Heimstätte in Rot auflaufen. Auf eher peinliches Scanner- oder Nadelstreifengedöns würde verzeichtet, rein Rot soll es sein, das Trikot der kommenden Saison.

So weit, so naja. Damals, in den goldenen Sechzigern, als der FC das Maß aller Profivereinsdinge war und man sich größenwahnsinnig das „Real Madrid des Westens“ nannte, sollte diesem Vergleich mit der Heimfarbe Blütenweiß nachgeholfen werden und fortan war der bestimmende Teil im Rut und Wieß das Weiß. Da aber nun der Sponsor des FC seinen Markennamen gerne in dicken weißen Lettern auf rotem Grund sieht, gibt es wieder und wieder ein rotes Heimtrikot. Schade drum, aber es könnte schlimmer sein.

Schlimmer könnte zum Beispiel die Farbe des Auswärtstrikot sein. Schwarz-weiß wurde gemunkelt und siehe da, was uns als mögliches Away-Trikot für die kommende Saison in Form geheimen Bilddokumentes erreicht, sieht in der Tat.. äh.. Schwarz-Weiß aus.

Wat? Wattenscheid? Frankfurt? Soll’n dit? I am not amused.

Aber immerhin: Sollte das so stimmen, wäre die Zeit des albernen Kindergartenfonts Vergangenheit. Das wäre ja schon mal was.

1 + 1 = 0

Man kann das ja als seelenbefriedende Maßnahme verkaufen, das mit den zwei Vereinsseelen in einer Brust: Die Wahrscheinlichkeit, dass es einem Verein, der sich ein kuscheliges Plätzchen in meinem Fußballherz erobert hat, gelingt, meinen Alltag ab und an mit einem Erfolgserlebnis zu erhellen, ist dadurch deutlich höher, dazu braucht man kein Mathematikdiplom.

Doppelt doof ist es dagegen, wenn beide Vereine gleichzeitig die Segel raffen und sich darin gefallen, eine Flaute erster Kajüte hinzulegen.

21 Spiele haben der FC und Union zusammen gerechnet seit Beginn der Rückserie absolviert, ganze 4 Siege sind dabei rausgesprungen. Erfolg sieht anders aus.

Es wird Zeit, das sich was ändert, Jungs in Rot und Weiß da und dort. Dankeschön.

Wenn et Geromelche jeht…

Das tolle am Köln-Fan-Dasein ist ja, das jeden Tag etwas los ist. War es vorgestern noch die Pfeiferei gegen Pierre Womé, und gestern die Urteilsverkündigung des DFB in Sachen brennende Fackeln im Sturm der Gästekurven, so wird heute schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Wobei Sau hier wirklich der falsche Ausdruck ist. Und überhaupt: Das ist gar nicht toll, das war unhaltbare Behaupterei meinerseits.

Pedro Geromel verlässt den 1. FC Köln im Sommer. „Beschlossene Sache“ sei es. „Juventus Turin, Lazio und AS Rom und Sporting Lissabon“ wollten den Innenverteidiger haben. Der FC verkauft Geromel, auch aus Gründen der finanziellen Sanierung.

Ein Blick auf die Quelle läßt aufatmen: Puh. Der Express. Wer der Boulevardzeitung aus dem Hause Neven DuMont in Sachen Kölner Transfers glaubt, wird sich wundern, warum so wenige Spieler im Kader des FC stehen, schließlich werden in jeder Transferperiode wöchentlich ca. 234897 Spieler als geheime Transfersache enttarnt. Glaubwürdige, seriöse Quelle und Express sind bekanntermaßen zwei Begriffe, die in keinerlei Zusammenhang stehen.

Aber.

Leider ist das ganze keineswegs undenkbar.
Natürlich, aus rein sportlicher Sicht wäre der Transfer Geromels ein herber Verlust. Und sollte irgendein sportlicher Verantwortlicher beim FC da anderer Meinung sein, so möge er bitte zum Curling wechseln.
Fakt ist allerdings wohl, das kein anderer Spieler aus dem Kader des FC einen vergleichbaren Marktwert hat. Auf acht Millionen Euro beziffert Transfermarkt.de die Ablöse für den Brasilianer, ich halte dies für einen Wechsel innerhalb der Bundesliga für realistisch, handelt es sich beim kaufenden Klub um eines dieser finanziell überhitzten Gebilde aus England, Spanien oder Italien, wäre wohlmöglich noch mehr drin. Der FC hat in den vergangenen Wochen keine Möglichkeit ausgelassen, zu betonen, dass das Ende der finanziellen Fahnenstange erreicht sei und zur nächsten Saison gewiss kein weiterer finanzintensiver „Kracher“ auf der Türschwelle stehe.

Das Geld käme also recht, vielleicht wird es sogar benötigt. Allerdings läuft Geromels Vertrag noch bis 2014, ihn für ein gutes Geld zu verkaufen wäre also auch noch ein oder gar zwei Jahre später möglich. Letzten Endes hängt es also wohl an der Größe des Lochs in den Kölner Finanzen, sowie, natürlich, am Spieler. Nun ist Geromels Bescheidenheit in Sachen Karriere ja bekannt, der Mann hat ja einst zu Protokoll gegeben, dass ihn die brasilianische Nationalmannschaft gar nicht sonderlich reizen würde. Ob das allerdings ausreicht, um auf weitere zwei, drei Jahre im Mittelmaß der Bundesliga herumzuvegetieren, ist eine andere Frage.

Und niemand kann behaupten, es käme überraschend, ich kenne keinen FC-Fan, der davon ausgeht, dass uns die Lebensversicherung aus Sao Paulo ewig erhalten bleibt. Zu gut ist Geromel, auch wenn er in dieser Saison das eine oder andere Mal ungewohnte Schwächen zeigte.

So bleibt also alles wie es ist: Eine nicht allzukleine Wahrscheinlichkeit, dass es früher oder später so kommen wird, und ein Express Artikel, der, wie üblich, nicht ernstgenommen werden kann, weil er eben ein Express Artikel ist.

Was allerdings befremdlich stimmt, ist der Satz „Im Kollegenkreis hat Geromel seinen Abschied angedeutet“. The mannschaftsinterner Maulwurf strikes back. Im Verdacht stehen zwei slowenische Nationalspieler, von denen behauptet wird, sie seien für den hohen Fluß an internen Informationen zum mühsam als Presse getarnten Fantasieblättchen zuständig. Ob dem so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber, wer auch immer da plaudert, möge doch bitte tatsächlich auf die Transferliste gesetzt werden.

Sofern dieser konspirative Kontakt nicht auch bloße Behaupterei seitens des Express ist.

Was wir sahen und was wir hörten

Was haben wir also gesehen beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach, welches gestern 1:1 endete?

Wir sahen zwei ebenbürtige Mannschaften, die beide ihr Heil in einer gut organisierten Defensive suchten und in der Offensive recht harm- und planlos agierten. Die Borussia hatte zwar, inbesondere in Halbzeit Eins und gegen Ende der Partie nach dem Kölner Ausgleich, manch gute Kontersituation und sah deshalb hier und dort etwas gefährlicher aus, war es aber nicht, da diese Situationen in grauenhafterweise schlecht zu Ende gespielt wurden. Dass sie diese Möglichkeiten überhaupt hatten, lag zumeist daran, dass der FC tatsächlich versuchte, das Spiel zu machen – ein Unterfangen, das in dieser Saison noch nie glückte.

Wir sahen zwei Innenverteidigerpärchen, die jeweils für ihren Verein der entscheidende Unterschied im Abstiegskampf sein werden, so es denn gut geht. Dazu muß allerdings einschränkend gesagt werden, dass Geromel / Mohamad gegenüber Brouwers / Dante gestern eindeutig den kürzeren zogen, denn das 0:1 für die Borussia ging klar auf die Kappe beider Kölner Innenverteidiger.

Wir sahen einen gruseligen, blind gespielten Rückpass zum Gegner von Lukas Podolski, der eigentlich die Führung für die Borussen hätte bedeuten müssen – der allerdings nur zu Stande kommen konnte, weil Podolski in dieser Situation den Linken Außenverteidiger gab. So wie er in anderen Situationen mal den Sechser, mal den Zehner, mal den Linken Außenläufer gab. In Sachen Fleiss und Engagement jedenfalls kann ihm niemand, der klaren Verstandes ist, einen Vorwurf machen.

Überhaupt: Nach dem läuferischen Armutszeugnis gegen Mainz in der Vorwoche sahen wir, dass Einsatz und Wille stimmten. Das ist erfreulich, für ein planvolles Offensivspiel sind diese Tugenden indes zu wenig. Die wenigen Ansätze, die die spielerisch fähigen Spieler wie Tosic, Podolski oder Maniche zeigten, wurden von Mitspielern, die nicht gedankenschnell genug oder fußballerisch limitiert sind, zunichte gemacht. Das Mittel „Hoch in den Strafraum auf Novakovic“ scheiterte daran, dass die Gladbacher Innenverteidigung jedes einzelne Kopfballduell im eigenen Sechzehner gewann. Es bleibt dabei: Die Ordnung stimmt und wird möglicherweise der Lebensretter im Abstiegskampf sein, das Spiel nach vorne findet nicht statt.

Statt fand indes anderes, und damit sind wir bei der Kategorie: Was wir hörten, und somit in der Kategorie: Ich hab Hals.

Was wir hörten, waren Pfiffe. Gegen einen eigenen Spieler. Ungefähr ab der 60. Minute bis zu seiner Auswechlsung in der 75. Minute wurde der Kölner Womé bei jedem einzelnen Ballkontakt ausgepfiffen. Gellend. Im eigenen Stadion. Vom eigenen Publikum. Bei einem Derby.

Womé hatte bis zu seiner Auswechslung, nach Maniche, die meisten Ballkontakte auf Kölner Seite. Dabei traf er dann zumeist auf den pfeilschnellen Reus, gegen den er klugerweise auf Eins zu Eins Situationen verzichtete, ein Ballverlust hätte eine erstklassige Kontersituation für die Borussen ergeben. Also blieb ihm nicht viel, als auf den Ball zu treten, dass Spiel erzwungerweise langsam zu machen und den Ball hintenherum zu spielen. Auch, weil im Offensivspiel des FC so wenig stimmt, dass sich keine gescheiten Anspielmöglichkeiten ergaben. Für den fußballunkundigen Zuschauer ergab sich dadurch offenbar das Bild: Dä Womme macht et Speel langsam, rus mit däm. Und weil der fußballunkundige Zuschauer glaubt, ihm wäre ein Spektakel versprochen worden, und Spektakel sich mit „viele Torchancen und so“ übersetzt, wurde er mit zunehmender Spieldauer ungeduldig. Anders jedenfalls ist das nicht zu erklären.

Werter Eventfan, es ist ja in Ordnung, wenn Du in ein Fußballstadion gehst. Das gehört heutzutage dazu, los werden wir Dich eh nicht. Dass Du glaubst, Dir sei irgendwas versprochen worden, kann ich sogar noch verstehen, schließlich hast Du viele, viele Euro hinlegen müssen. Dass Du übersiehst, dass der Spieler Womé übermäßig oft an den Ball kommt, weil seine Mitspieler offenbar der Meinung sind, es wäre keine gute Idee, den Ball nach vorne über Miso Brecko, Womés Pendant auf der rechten Seite, laufen zu lassen, da der das Spielgerät hopplahopp wieder los wird, siehst Du nicht. Auch nicht schlimm, Du verstehst halt nur sehr wenig vom Fußball. Dass es Dich verärgert, dass Womé das Spiel scheinbar langsam macht, auch okay. Dass es keineswegs an ihm allein liegt, dass das Offensivspiel nicht läuft – geschenkt. Um das zu erkennen, brauchst Du noch ein paar Jahre.
Aber, niemals, hörst Du, Du Flachpfeife, niemals wirst Du einen Spieler der eigenen Mannschaft dermaßen vom Feld mobben. Niemals wirst Du in einem Derby den gegnerischen Fans die Gelegenheit geben, sich verwundert zu fragen, warum Du ihren Job übernimmst. Wenn Deine Farben Rot-Weiß sind, dann ist es Deine Aufgabe, die Rot-Weißen unten auf dem Feld zu schützen und zu unterstützen, ganz besonders in einem Derby, und zwar völlig unabhängig davon, ob sie schlecht spielen oder nicht. Vermutlich warst Du noch stolz, als er dann ausgewechselt wurde (Trainer Soldo: „Ich mußte ihn schützen“), hast Dich am scheinbaren Gefühl Deiner Macht besoffen, anstatt zu begreifen, was für eine Peinlichkeit Du soeben vollbracht hast.

Dass Du keine Ahnung von Fußball hast, ist nicht schlimm. Dass Du trotzdem nicht bereit bist, die Fresse zu halten, hingegen schon.

Derby. Vorzeichen.

Die Spannung steigt. Das Derby steht an. Ach, was sag ich: DAS Derby steht an. Das muss betont werden, weil ja in letzter Zeit gerne von dem rheinischen Derby gesprochen wird, wenn der FC gegen die Werbemaßnahme aus Vizekusen spielt, aber wie ich schon einmal ausreichend begründete, gibt es da nur ein Spiel, auf das diese Bezeichnung paßt, und das ist eben das Spiel des glorreichen 1. FC Köln gegen die Borussia aus Mönchengladbach.

Das Derby ist immer heiß und das nicht erst seit dem Blogfahnenvorfall vor zwei Jahren. Doch dieses Derby steht aus verschiedenen Gründen unter besonders explosiven Vorzeichen:

Da wäre zum einen die miserable sportliche Figur, die beide Vereine jüngst abgaben. Beide Vereine haben mit 9 errungenen Punkten dieselbe Rückrundenbilanz vorzuweisen: 2 Siege, 3 Unentschieden, 4 Niederlagen – wobei sich Gladbachs bisheriges Programm deutlich einfacher liest: Freiburg, Nürnberg, Hertha, Bochum – alles potentielle Absteiger, der FC spielte zeitgleich mit Ausnahme von Werder Bremen gegen alle Mannschaften, die derzeit unter den ersten zehn der Tabelle platziert sind. Zuletzt wurden Gladbachs Gegner hochkarätiger, und in Folge dessen setzte es kräftige Niederlagen: Einer 3:0 Auswärtsniederlage bei Dortmund folgte ein 0:4 Heimdebakel gegen den amtierenden Meister aus Wolfsburg.

Aus Kölner Sicht ließ sich die Rückrunde bei dem schweren Auftaktprogramm gar nicht so schlecht an, doch es gibt etwas gutzumachen nach dem lust- und planlosen Auftritt bei Mainz, auch wenn die 05er am vergangenen Samstag ein Spiel machten, bei dem sie über sich hinauswuchsen. Dumm nur, dass es sich um ein Heimspiel handelt, gerade mal zwei Heimsiege in dieser Saison sind verdammt wenig, um daraus Hoffnung zu schöpfen.

Zahlenspielereien, vielleicht. Faktisch jedoch bedeutet das Ergebnis der bisherigen Rückrunde für beide Vereine, das plötzlich die Abstiegsränge wieder ganz nah gerückt sind. Vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind es nur noch für den FC, zwar noch komfortable Sieben für Gladbach, doch bei einer Niederlage am Freitag und gleichzeitigen Siegen der Kellerkinder Nürnberg und Hannover, die beide im Aufwind sind, steht auch die Borussia plötzlich wieder ganz nah am modrigen Geruch der 2. Liga. Es geht also um mehr als um die bloße Macht am Rhein beim Derby.

Doch auch Abseits des Spielfeldes gibt es allerlei Anlaß zu Diskussionen. Die seit dem Auftritt der Herthafans am vergangenen Wochenende neu aufgeflammten Debatten sind Zündstoff in der Sorge um ein ruhiges Derby. Beide Vereine haben dazu aufgerufen, sich bei aller Rivalität friedlich zu begegnen. Es möge doch bitte, anders als in den „letzten Jahren bei der besonders zur Schau getragenen Rivalität der Ultragruppierungen“ auch für diese der Fußball wieder im Mittelpunkt stehen. Mir als nicht gerade großer Ultra-Fan stellt sich dabei natürlich die Frage, wann denn überhaupt für irgendeine Ultragruppierung schon mal der Fußball im Mittelpunkt gestanden hat, ich dachte immer, Hauptziel sei der neunzigminütige Dauersupport. Abseits dessen frage ich mich allerdings auch, was die Polizei, mit deren Zusammenarbeit der Aufruf entstand, unter „konspirativen Anreisen“ versteht, welche tunlichst unterlassen werden soll.

Und die zunehmend giftigere Atmosphäre trägt erste, unschöne Folgen: Fans, die eigentlich nichts lieber tun wollen als am Freitag ihren Verein zu unterstützen, bleiben lieber zu Hause. Spätestens da sollte sich der eine oder andere Protagonist, egal welcher Seite, ein paar Minuten Zeit nehmen, um darüber nach zu denken, über das Gelbe und das Ei und was das wohl sei.

Und auch der FC tut das seinige, um unliebsame Fans fernzuhalten – allerdings auf Wegen, die ganz gewiß nicht die richtigen sind: Wer noch eine der Restkarten ergattern will (Warum es bei diesem Spiel, bei dem es seit Jahren schon lange im Vorfeld völlig undenkbar ist, an Karten zu kommen, überhaupt noch Restkarten gibt, ist eine Frage, die ich gerne mal vom FC beantwortet hätte), dem wird ganz besonderes Glück zuteil: Für nur 40 Euro darf er zusätzlich eines der aktuellen Trikots erstehen. Das ist doch mal ein Service. Nun gut – dass man ein Trikot erwerben muss, wenn man noch eines der Tickets ergattern will, ist vielleicht ein bißchen übertrieben. Oder, um es deutlicher zu sagen: Sag mal, liebster FC, hast Du noch alle Latten an der Murmel?

Aber trotz all dieser unguten Vorzeichen bleibt das Spiel was es ist: Ein Derby. Mit allem, was emotional dazu gehört: Die möglicherweise völlig unberechtigte Hoffnung auf ein großes Spiel und die Euphorie, wenn es zwar kein großes Spiel aber ein erfolgreiches wird. Und natürlich die katharsische Niedergeschlagenheit, sollte das misslingen. Was es aber natürlich unter keinen Umständen wird. Habt ihr gehört, ihr Rot-Weißen?

„Diese sogenannten Fans“

Nach dem gestrigen Platzsturm des Berliner Publikums bei der möglicherweise alles entscheidenden Niederlage gegen den Club aus Nürnberg lesen sie sich mal wieder überall: Die Worte von den „sogenannten Fans“. Jene sind gemeint, die sich in blinder Wut und fehlgleiteten Enttäuschung mit Plastikfahnenstöcken bewaffneten, den Sicherheitsgraben überwunden und den Innenraum stürmten.

Dieses „sogenannt“ soll, das brauche ich niemandem, der einigermaßen lesen kann, sagen, vor allem eines implizieren: Richtige Fans sind das nicht. Richtige Fans feuern ihre Mannschaft an, sind leidenschaftlich, pfeifen vielleicht auch mal, wenns nicht läuft und das zur (Un)Kultur des Vereines dazugehört, aber gewaltsam sind sie nicht. Das hier aber sind nur verkleidete Gewaltbereite, die nur so tun, als wären sie Fans.

Das ist Unsinn. Leider.

Die hundert Jungs (ich vermute mal, daß es sich in erster Linie um männliche Anhänger Herthas handelte), die da gestern in zweifelsfrei vollkommen dämlicher Art und Weise auf sich aufmerksam machten, sind genau die, die sonst ihren Verein anfeuern, leidenschaftlich unterstützen oder eben auspfeifen (was natürlich das genaue Gegenteil von Unterstützung ist). Sie sind Fans. Keineswegs handelt es sich um untergeschmuggelte, als Fußballfans verkleidete Kuckuckseier.

Natürlich ist der Umkehrschluß nicht zulässig: Nicht jeder fanatische Unterstützer eines Vereines findet kein anderes Mittel, auf das Gefühl der ohnmächtigen Enttäuschung mit Gewalt zu reagieren. Insofern ist es durchaus legitim, darauf hinzuweisen, daß nicht alle Menschen, die regelmäßig ein Fußballstadion ihrer Wahl aufsuchen, zu blindwütiger Gewalt neigen. Das aber macht aus jenen, die es tun, noch lange keine Nicht-Fans.

Auch wenn das, was da gestern im Olympiastadion geschah, in dieser Form bislang einmalig ist, so ist es doch nur eine Zuspitzung von Alltäglichem: Jedes Wochenende reklamieren Fußballfans lautstark das Recht auf Erfolg ihrer Mannschaft, fordern die Befriedigung des eigenen Egos durch erfolgreichen Fußball ihrer Mannschaft. Ob das eher harmloses Auspfeifen der eigenen Mannschaft ist, oder das Fordern von rollenden Köpfen hinterher, ob es der inzwischen leider recht weit verbreitete Slogan „Wenn ihr absteigt, schlagen wir Euch tot“ ist – Daß die Massen auf den Rängen ohne zu zögern ihrer eigenen Mannschaft die Unterstützung entziehen und mit Gewalt – egal ob verbaler oder physischer Natur – drohen, so ihr Ansinnen nicht erfolgreich in die Tat umgesetzt wird, ist keineswegs unüblich und ganz gewiß nicht die Folge untergeschmuggelten Kuckuckseier, wie es die Formulierung von den „sogenannten“ suggerieren will.

Ein paar Klarstellungen: Keineswegs möchte ich gutheißen, was da gestern geschah. Ich kenne tiefste Enttäuschung durch meinen Verein – ich bin effzeh Fan, natürlich kenne ich die – aber all das, sei es das Auspfeifen, sei es der oben genannte Slogan oder gar solche Aktionen wie die gestern, war mir schon immer und wird mir immer völlig unverständlich bleiben. Denn mit Unterstützung des eigenen Vereins hat es nie zu tun.
Und: Es geht mir mitnichten darum, zu kriminalisieren. Wenn ich sage: Auch jene die da gestern den Platz stürmten, sind Fußballfans, ganz ohne das „sogenannte“, will ich damit nicht zu stärkeren Sanktionen allen Fußballfans gegenüber aufrufen.

Die Befriedigung des eigenen Egos, nannte ich es weiter oben, und ich denke, da ist der Hase im Pfeffer begraben. Wer das Gefühl hat, sich tagein, tagaus für seinen Verein aufzuopfern und nicht in der Lage ist, zu abstrahieren, weil er es nicht gelernt hat, muß den Misserfolg, insbesondere wenn er so massiv daherkommt wie in Herthas Fall, als persönlichen Affront begreifen. Kommt dann noch zu der Abstraktionsunfähigkeit das Unvermögen, die Enttäuschung durch den als persönlichen Angriff verstandenen sportlichen Misserfolg in Bahnen zu kanalisieren, die nicht in Gewalt münden, kommt das heraus, was wir da gestern sehen konnten.

Fußballfans sind sie trotzdem. Ob einem das gefällt oder nicht.

Fast nur Bestnoten für den 1. FC Köln am 26. Spieltag

1. FSV Mainz 05 : 1. FC Köln 1:0

Neben dem Gegner hertraben: 2+
Herumstehen: 1+
Hinter dem Gegner verstecken, wenn ein Mitspieler den Ball hat: 2-
Generelle Unbeweglichkeit: 1
Langsamkeit: 2-
Präzise Pässe in des Gegners Beine: 1-
Ideenlosigkeit: 1+
Verweigerung eines Offensivspiels: 2
Lange, hohe Bälle ins Nichts: 1+

Dank der engagierten Leistung in den Prüfungsfächern scheint eine Versetzung in die 2. Bundesliga wieder möglich.