Als ich einmal Gott traf…

.. fasste ich ihm zärtlich an die Rippen und streckte ihm die Zunge raus, wie dieses Fotodokument beweist. Herzlichen Glückwunsch, D10S. Wenn’s irgendwie geht, häng noch ein paar Jahre dran.


V.l.n.r.: Der Spielbeobachter, Gott, Sasha, La Bombonera (im Hintergrund)

[Infografikmassaker] Europäische Pokalsieger nach Ländern.

Wie so oft, entstand auch diese Idee in der Kneipe, beim drölften Bier. Plötzlich stand da die Frage im Raum, wie sich das denn verhält, das Verhältnis der europäischen Wettbewerbssieger aus den großen vier Ligen zu den „kleinen“, im Pokal der Landesmeister gabs ja so ein paar Ausreisser, früher, als alles noch besser war und der Fußball noch nicht so verkommen, und der Pokal der Pokalsieger erst, da hatten doch auch Vereine aus Ländern eine Chance zu europäischem Ruhm und Ehre zu kommen, die heute nicht mehr auf der Lanfkarte der Sieger auftauchen…

Et voilà: Der Spielbeobachter hört und handelt. In Bunt. Und rund. Kritik und Anregung, Lob und Tadel sind natürlich willkommen.

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Eine kleine Geschichte der Misswirtschaft

Die jahrzehnte lange Spitzenstellung, die der 1. FC Köln im deutschen Fußball innehatte, verdankte er Franz Kremer. Der erste Präsident des Vereins baute in den frühen Jahren des Clubs eine von allen Seiten beneidete Infrastruktur auf, die seinerzeit Ihresgleichen suchte und führte den FC binnen kürzester Zeit an die nationale Spitze. Sein Mittel: Planvolles, langfristiges Vorgehen.

Sowas hat man lange nicht geseh’n. So unschön. So unschöhön.

Die jüngere Geschichte des 1. FC Köln ist eine Geschichte voller Planlosigkeit, Kurzfristigkeit, Populismus und Stümperei.

Beginnen wir die Geschichte bei den sagenumwobenen Häßler-Millionen. Jenen 14 Millionen D-Mark (möglicherweise waren es auch 15), die 1990 für Icke von Juventus Turin bezahlt wurden und unter dem damaligen Präsidenten Artzinger-Bolten angeblich irgendwo versickerten. Das liegt lange zurück und hat mit Sicherheit nichts mit der heutigen Misere zu tun, aber sie bilden den Startschuß für eine bislang 20 Jahre dauernde Geschichte der Misswirtschaft. Dem Nachfolger im Präsidentenamt, Claus Hartmann, darf man zwar anrechnen, das große Loch im Kölner Finanzsäckel öffentlich gemacht zu haben, aber weder gelang es ihm, es zu schließen, noch war er in der Lage, einen Manager oder Sportdirektor einzustellen, der in der Lage gewesen wäre, kreativ und zuverlässig mit dem Problem umzugehen. Bernd Cullmann? Großer Spieler, miserabler Manager. Hannes Linßen? Lustige Frisur, miserabler Manager.
Über die von Hartmann und diesen Managern verpflichteten Trainer decken wir den Mantel des Schweigens. Oder möchte wirklich jemand über die Nachhaltigkeit von z.B. Peter Neururer oder Lorenz-Günther Köstner reden?

Eine hoffnungsvolle Phase der Konsoldierung dann, erzwungen durch den ersten Abstieg 1998. Präsident ist Albert Caspers. Caspers gibt offen zu, wenig von Fußball zu verstehen, aber es gelingt ihm im Verlauf seiner Amtzeit den Verein in mühevoller Kleinarbeit auf finanziell gesunde Füße zu stellen. Erst wird Ewald Lienen Trainer, der nicht immer glücklich, aber durchdacht handelt, den erfolgreichsten und attraktivsten Fußball der letzten fünfzehn Jahre spielen läßt, nach verlorenem Machtkampf mit dem zur Zeit hochgejubelten „Kölschen Jung“ Dirk Lottner aber seine Koffer packen muss. Mit Lienen geht Manager Linßen, es kommt der sparsame und kleine Schritte bevorzugene Andreas Rettig. Unter ihm wird der dröge Friedhelm Funkel Trainer.

Caspers – Rettig – Funkel. Nie zuvor und nie danach war so wenig Klüngel, so wenig Inkompetenz in Form von Vetternwirtschaft am Werk. Das Problem: Die kleinen Schritte sind zu klein für des Volkes Geschmack und auch kleine Schritte müssen gelingen, das tun sie nicht immer. Erst Funkel weg. Nach Abstieg dann Putsch durch Overath und Caspers weg. Zum Amtsantritt verspricht Overath vollmundig „Kracher“ und feuert erst mal auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung zu seiner Wahl den schuldlosen Marcel Koller, um mit Huub Stevens einen großen Namen zu verpflichten. Der läßt zwar den grausamsten Fußball seit Erfindung des Müngersdorfer Stadions spielen, hat aber in Form eines Aufstiegs Erfolg. Dann demissioniert Stevens freiwillig, um heute aus dem österreichischen Exil schlaue Ratschläge zu geben. Eine Charaktereigenschaft, die ehemaligen FC-Trainern wie Spielern gemein zu sein scheint.

Anschließend der Versuch mit der Verpflichtung Uwe Rapolders den letzten Schrei in Sachen Konzeptfußball und damit tatsächlich so etwas wie Fußball mit Sinn und Verstand ins Haus zu holen. Dumm nur, daß dieser als erstes Lukas Podolski rasiert und auf den zweiten Blick, so heißt es, mehr Zeit mit dem dunklen Roten verbringt als mit den Rot-Weißen auf dem Trainingsplatz. Sein frühzeitiges Scheitern jedenfalls ist auch das Ende Rettigs als Manager. Nun ist freie Bahn für Overathsches Großmannsdenken. Erst wird Michael Meier als Manager installiert, der das genaue Gegenteil des Rettig’schen Schritt-für-Schritt-Denkens ist, und nach der Episode mit dem „Schweizer Bergdoktor“ Hanspeter Latour (hier muss man immerhin, wie auch später bei Zvonimir Soldo, den Versuch, ausgetretene Pfade zu verlassen anerkennen) auf dem Trainerposten wird zurückmessioniert – Christoph Daum wird Trainer.

Overath – Meier – Daum. Mehr Egomanie, mehr Immer-drölfmal-mehr-als-du war nie in Köln. Daum, zur Winterpause 07/08 installiert, darf erstmal fünf neue Spieler kaufen – nur vier davon erleben das Ende der Rückrunde, keiner von ihnen die nächste Saison. Seither herrscht heilloses Durcheinander. Zwar schafft Daum Aufstieg und Klassenerhalt dank einiger wirklich geglückter Transfers – Mohamad, Mondragon, Geromel, Özat, Novakovic – aber Hand und Fuß hat das alles nicht. Seit vielen Jahren und bis heute fehlen fähige Außenverteidiger und kreative, offensive Mittelfeldspieler, dafür treten sich die defensiven Mittelfeldspieler mittlerweile gegenseitig die Füße platt. Vor fünf, sechs Jahren fehlte dem FC ein solcher Spieler, seitdem werden offenbar nur noch Spieler dieser Position gekauft.

Lukas Podolski wird für Geld, das der Verein nicht hat, zurückgeholt, ein Gesicht soll er dem Verein geben und das Offensivpotential darstellen. Die kölsche Identifikationsfigur ist er, ohne Frage, ein Offensivspiel alleine ankurbeln und abschließen kann er nicht. Muss er auch nicht, so wurde ihm und der Öffentlichkeit seinerzeit versprochen, Podolski ist erst der Anfang. Und tatsächlich, es folgt: Maniche. Ablösefrei aber dafür mit astronomischem Gehalt und der gepflegten Lustlosigkeit eines eher defensiven Mittelfeldspielers in fußballdeutscher Ligaprovinz, umgeben von einem dutzend weiteren defensiven Mittelfeldspielern. Das wars, mehr gibts nicht.

Anfang dieser Saison dann der transfertechnische Offenbarungseid. Abgesehen vom frühzeitig verpflichteten Alexandru Ionita, einer gepokerten Investition in die Zukunft – bezahlt vom bevorstehenden Einzug in das DFB Halbfinale, der dann gegen Augsburg vergeigt wird – muss der FC, und mit ihm Trainer Soldo, auf die Jugend setzen. Und Jugend meint: Jugend. Junge Spieler hat der FC schon eine ganze Reihe in der ersten Mannschaft, jetzt kommen noch jüngere dazu. Und immer noch kein verläßlicher Außenverteidiger und immer noch kein offensiver Mittelfeldspieler von Format. Die gibt es zwar als Versprechen in die Zukunft in Form von Salger und Jajalo, aber als Stützen können sie natürlich nicht dienen.

Dazu mixe man noch ein tägliches boulevardeskes Störfeuer, das in langfristiger Entwicklung keine Quotenmöglichkeit sieht und et voilà, fertig ist die nächste Trainerentlassung.

Getreu der Overatschen Maxime gibt es nun zweierlei Möglichkeiten: Entweder die kölsche Karte oder der große Name. Beides ist der Beruhigung des Volkes dienlich. Und da der Mann nicht ungeschickt ist, macht er einfach: Beides. Zunächst wird das kölsche Tandem Schaefer/Lottner (ja, genau, jener Dirk Lottner, der einst als Kapitän das erfolgreiche Team unter Ewald Lienen auseinanderbrechen ließ, weil er als frischgebackener Star der Mannschaft keine Lust mehr auf gesunde Ernährung und Alkohol- und Nikotinverzicht hatte) eingesetzt, sollte es kurzfristigen Erfolg haben, erübrigt sich der große Name, unabhängig davon, ob der Erfolg am Ende der Rückrunde oder gar am Ende der Saison immer noch da ist. Wenn nicht, kann immer noch irgendwo her ein großer Name gezaubert werden, die ersten Testballons werden schon gesendet.

Der Präsident sitzt völlig oppositionslos fest im Sattel, der Manager hat erst Anfang des Jahres seinen Vertrag um vier Jahre verlängert, für Abfindungssummen und Transfers gibt es kein Geld.

Es gibt Tage wie diesen, an denen wünschte man sich, der Verein, der sich einen einst aussuchte, hieße Preussen Münster oder KSV Baunatal.

Vorläufiges Fußballtraineranforderungsprofil des 1. FC Köln

– Er muss attraktiven Fußball spielen lassen (vergleiche nicht: Friedhelm Funkel, Huub Stevens, Christoph Daum)

– Er darf die Mannschaft nicht überfordern (vergleiche nicht: Morten Olsen, Zvonimir Soldo)

– Er darf nicht von Konzeptfußball reden (vergleiche nicht: Uwe Rapolder)

– Er muss sich mit dem Express und anderen Boulevardmedien gut stellen. (vergleiche nicht: Zvonimir Soldo, Ewald Lienen, Friedhelm Funkel)

– Er darf nicht zu sehr vom Express und anderen Boulevardmedien vor den Karren spannen lassen (vergleiche nicht: Christoph Daum)

– Er darf nicht nur auf alte Spieler setzen (vergleiche nicht: Friedhelm Funkel, Christoph Daum)

– Er darf nicht zu sehr auf junge Spieler setzen (vergleiche nicht: Marcel Koller, Zvonimir Soldo)

– Er darf charakterlich nicht zu introvertiert sein (vergleiche nicht: Bernd Schuster, Friedhelm Funkel, Huub Stevens, Zvonimir Soldo)

– Er darf charakterlich nicht zu extrovertiert sein ( vergleiche nicht: Uwe Rapolder, Christoph Daum)

– Er muss als Trainer Erfahrungen mit deutschem Erstligafußball mitbringen (vergleiche nicht: Marcel Koller, Hanspeter Latour, Zvonimir Soldo)

– Er muss jung und unverbraucht sein (vergleiche nicht: Friedhelm Funkel, Huub Stevens, Hanspeter Latour)

– Er muss erfolgreich in der 1. Bundesliga sein, und dies länger als eine Saison (vergleiche nicht: Alle)

– Er möge bald geboren werden.

Vom Rollen der Köpfe und dem Wüten des Pavianfelsens

Kennt Ihr das? Ein Thema brennt auf den Nägeln, ob das nun daran liegt, dass es Euch selbst so antreibt oder das ebenfalls am Thema interessierte Umfeld in Aufregung versetzt oder beides, und der innere Ruf, dazu einen Blogbeitrag zu machen ist von gellender Lautstärke – nur: Wie anpacken? Welche Perspektive wählen, welchen Teil der Geschichte erzählen? Es gibt Themen, die sind so groß, so mannigfaltig, so ineinander verwoben, dass es eigentlich unmöglich ist, ihnen eine kommentierbare oder wenigstens erzählbare Richtung zu geben.

Vielleicht fangen wir mal hinten an. Gestern hat der 1. FC Köln eine Erklärung abgegeben, genauer gesagt der Vorstand. Notwendig wurde dies nach eher schlechten Ergebnissen, viel Pressetamtam um die Spieler Podolski und Mondragon und einer großen Unzufriedenheit im Umfeld. Woraus sich diese speist ist ein Thema für sich, dazu später mehr.

Und der Vorstand des 1. FC Köln verhielt sich ganz und gar atypisch. Als gäbe es keine lange Geschichte populistischer Entscheidungen, als wüßte nicht jeder in der Fußballrepublik, dass das K in „1. FC Köln“ für Kurzschlußhandlung steht, als wäre nicht bislang jeder Vorstand – so auch dieser bereits mehrere Male – vor dem heftigen Bombardement aus Boulevard und Pavianfelsen (so wird in Kölner Fankreisen jener Teil der Fanschaft genannt, der sagenwirsmalfreundlich eher kurzfristig denkt) eingeknickt – die Botschaft war zur großen Enttäuschung der beiden letztgenannten weder die Entlassung Soldos noch die Demission Manager Meiers. Stattdessen: (Achtung, werte Freunde des gepflegten Vorurteils über Kölner Vereinsverhaltensweisen, jetzt wird es unglaubwürdig): Vernunft. Zusammenhalt. Interne Aufarbeitung.

Und der Pavianfelsen wütet und schreit, kein Kopf rollt.

Drei Tage zurück: Im Kölner Stadtanzeiger erscheint ein Artikel über den Neuzugang Martin Lanig. Lanig kommt so langsam in Tritt, der 26jährige wird gewiß nie ein Mittelfeldspieler internationalen Formats werden, aber einem gefühlten Mittelfeldverein mit Hang zum Abstiegskampf kann er, wenn er nach der fast einjährigen Verletzungspause wieder in Form ist, weiter helfen. Martin Lanig, der beim VfB Stuttgart durch allerlei Täler wandern musste, sagt: „So etwas wie in Köln habe ich noch nie erlebt. Es ist schwierig, der Erwartungshaltung hier gerecht zu werden“ – und mit „schwierig“ meint er wahrscheinlich „unmöglich“.

Die Vorwürfe gegen Trainer Zvonimir Soldo sind manngifaltig und mindestens ebenso undurchsichtig. Ein schönes Exempel ist ein Blogbeitrag Quarkbällchens: Warum der Trainer denn nicht endlich mal, wie versprochen, auf die Jugend setze? Tatsächlich standen gegen Dortmund fünf Spieler auf dem Platz zwischen 19 und 22, auf der Bank saßen drei weitere Spieler dieser Altersgruppe. Die jugendlichen Spieler Matuschyk, Clemens, Yalcin, Salger und Jajalo verdanken ihre Einsatzzeiten dem Händchen des Kroaten für junge Spieler und die letztjährige Renaissance Adil Chihis – von Vortrainer Christoph Daum zu einem spielerischen Häufchen Elend gemacht – geht ebenfalls auf Soldos Konto.
Aber, aber: Zudem habe der Trainer mit der Nichtberücksichtigung Novakovics und Mondragons zwei „Probleme reingebracht“. Ein Jahr zurück: Trainer Soldo steht am Pranger, weil er sich von der Diva Novakovic auf der Nase rumtanzen läßt.

Die Argumente der Soldo-Kritiker sind so viele wie sie austauschbar sind wie sie keinen Sinn ergeben. Übrig bleibt am Ende dann immer der Hinweis auf die zu ruhige Ader des Kroaten, der in Interviews und an der Seitenlinie zu ruhig sei und deswegen unmöglich in der Lage sei, die Mannschaft zu motivieren. Die Mannschaft übrigens sagt das Gegenteil.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass der Express zügig nach der Anstellung Soldos beschloß, diesen so schnell wie möglich wieder wegzuschreiben, da er sich aufgrund seiner Introvertiertheit nicht zum Auflagenrenner wie sein Vorgänger – der im übrigen stets gemeine Sache machte mit der Zeitung – eignet. Quelle surprise – die Argumente des Pavianfelsens sind die gleichen wie die des Boulevard. Nachtigall, ick hör dir stampfen.

Das Gegenbild zeichnet der Kicker in seiner gestrigen Ausgabe: „„Ich möchte solche Dinge intern lösen. So bin ich, so werde ich bleiben“, betont er und blickt nur auf den Erfolg der Mannschaft: „Sie wird unten rauskommen. Aber dafür braucht sie Ruhe. Deswegen habe ich auch kein Theater gemacht, sonst würde es hier noch schlimmer.“ Er fordert: „Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren!“ Soldo stellt Egoismen hinten an – ein im Klub seltenes Bild.“ Abgesehen davon, dass es so scheint, als wäre der Wunsch die Nerven nicht zu verlieren für das Umfeld längst nicht mehr realisierbar, ist es vor allem der letzte Satz, der hängenbleibt. Und der damit einhergehende Schluß, was für ein Glück es eigentlich ist, dass dieser Verein, dieses liebenswerte Konglomerat aus Chaos und Egomanie, einen solchen Trainer hat.

Noch jedenfalls. Zeter und Mordio werden wohl auch die letzten Spuren von Vernunft dahinraffen, wenn am Samstag keine gute Leistung und / oder eine Niederlage gegen Hannover folgt. Dann wird vermutlich egal sein, dass der letzte Trainer, unter dem der Effzeh attraktiveren Fußball spielte, Ewald Lienen hieß (und dies auch nur eine Saison – 2000/01 – in der darauffolgenden Saison wurde Lienen zum Rückrundenstart entlassen) und dies weder Christoph John, noch Friedhelm Funkel, noch Marcel Koller, noch Huub Stevens, noch Uwe Rapolder, noch Hanspeter Latour und schon gar nicht Christoph Daum gelang. Es wird ebenso egal sein, dass in der Geschichte des 1. FC Köln nur ein Paniktrainerwechsel Erfolg brachte und das war, man mag es gar nicht schreiben, der hin zu Peter Neururer in der Saison 1995/96. In der darauffolgenden Saison allerdings wurde Neururer schon Ende September entlassen und der Verein stieg erstmalig ab. Alle anderen Trainerentlassungen haben genau das gebracht: Nichts.

Aber egal. Die Hauptsache ist, dass ein Kopf rollt. Dem Volk gelüstet es nach Blut.

War es ein Elfmeter?

Paulo Roberto Falcao
(Kommentator von TV Manchete, Brasilien)
Es ist sehr schwer zu sagen; ich bin nicht sicher, obwohl ich es mehrere Male im Fernsehen gesehen habe. So oder so, ich glaube der Sieg Deutschlands geht in Ordnung.

Victor Hugo Morales
(Reporter von Radio Continental)
Nein, war es nicht. Jenseits dieser Anekdote denke ich, dass der Schiedsrichter maßgeblichen Einfluss daran hatte, dass die Nacht deutsch gefärbt wurde. Ich zweifle zusätzlich an Monzóns Platzverweis, der viel entscheidender war, da er den Fortgang des Spiels weit mehr beinflusste als der Elfmeter.

Alfredo di Stefano
(Kommentator des spanischen Fernsehens)
Es war kein Elfmeter, daran habe ich keinen Zweifel.

Hugo Sanchez
(Spieler für Real Madrid und Kommentator für Televisa, Mexiko)
Für mich gab es einen Kontakt, darüber hinaus muss man zwei weitere Dinge erwähnen: Völlers Fähigkeit zu fallen und die Unreife Sensinis mit der Situation umzugehen. Ich glaube, dass der Schiedsrichter sehr mutig war, so kurz vor Schluß einen Elfmeter zu geben, andere hätten das Spiel in die Verlängerung gehen lassen.

Jose Altafini
(Ehemaliger brasilianischer und italienischer Auswahlspieler und aktueller Kommentator für Telemontecarlo)
Für mich war der Elfmeter durch Völler keiner, aber der davor beim Foul Goycocheas an Augenthaler. Der Schiedsrichter gab den zweiten um zu kompensieren, dass er den ersten nicht gegeben hatte.

Karl-Heinz Heimann
(Chefredakteur der Zeitschrift Kicker, Deutschland)
Ich habe viele Zweifel, insofern war es zumindest kein klarer Elfmeter. Aber mich hat Argentiniens Handeln erstaunt: Die haben gar nicht gespielt. Es stand nur eine Mannschaft auf dem Platz.

Luis Arnaiz
(Chefredakteur der „As“, Spanien)
Ich weiß es nicht. Ich habe zwei Einstellungen im Fernsehen gesehen und zweifle. Das Foul an Augenthaler hingegen schien mir sehr klar zu sein. Die Schiedsrichterleistung war sehr schlecht.

Victor Brizuela
(Kommentator von LV2 Radio General Paz aus Córdoba)
Deutschland waren die besseren und brauchten die Hilfe des Schiedsrichters nicht. Es war kein Elfmeter. Welch ein Pech.. Ich dachte, dass der 8. Juli defintiv der Tag des Torwarts sein würde und wir haben alle auf Goycochea gesetzt als das chaotische und unakzeptable Ende geschah.

Roberto Rivelino
(Ehemaliger Spieler Brasiliens und Kommentator für TV Bandeirantes)
Nein. Aber es schien mir ein Elfmeter für Augenthaler zu sein. Vermutlich hat der Schiedsrichter das kompensiert.

Zbgniew Boniek
(Ehemaliger Spieler Polens und derzeitiger Trainer in Lecce)
Der für Augenthaler, ja – der Andere, nein. Ich war für Argentinien, aber es sollte nicht sein. Man muss bedenken, dass Argentinien vier Jahre verdient Weltmeister war, so wie es Deutschland heute ist.

Enrique Wolff
(Reporter für Radio América und Cablevision)
Mit kommen da viele Zweifel. Sensini kreuzt das Bein und Völler läßt sich fallen… Mein Eindruck war, dass es keiner war, aber das ändert nichts. Der Schiedsrichter waer sehr schlecht, weil er sehr weit weg stand und wenig Autorität hatte. In jedem Fall haben die Besseren gewonnen.

Lodovico Maradei
(Chef der Fußballzeitschrift „La Gazzetta dello Sport“, Italien)
Viel diskutiert, aber ich habe den Eindruck, dass es kein Elfmeter war.

Fabio Poveda Marquez
(Reporter des „El Heraldo“, Kolumbien)
Nein. Wir hatten das Glück es im Fernsehen zu gehen und können verifizieren, dass Sensini direkt zum Ball ging.

Paulo Stein
(Berichterstatter von TV Manchete, Brasilien)
Absolut nicht. Der Verteidiger ging zum Ball. Zusätzlich fand ich die Hinausstellungen gedankenlos.

Jochen Huette
(Kommentator für Deutschlandradio, Bundesrepublik Deutschland)
Ja, für mich war es ein klarer Elfmeter. Das Spiel selbst mochte ich nicht: Argentinien hat nicht gespielt und Deutschland gewann richtigerweise.

Francis Huertas
(Redakteur der Zeitschrift „France Football“, Frankreich)
Ich glaube nicht und wahrscheinlich wurde Calderón beim Spielzug zuvor schon elfmeterreif berührt. Wie auch immer, Deutschland verdiente den Sieg, weil sie immer danach suchten, im Gegensatz zu Argentinien, die nur auf Defensive setzten. Argentinien hat einmal auf das Tor geschossen. Es ist unmöglich auf diese Weise zu gewinnen.

Rinus Michels
(Ehemaliger holländischer Nationaltrainer)
Ich möchte nicht über den Elfmeter nachdenken. Ich sage nur, dass es ein desaströses Finale war.

Juan de Biase
(Chef des Ressort „Sport“ der Tageszeitung „Clarín“)
Der, der geben wurde, nein. Wenn es andere gab, dann weiß ich das nicht. Beide Spieler gingen zum Ball. Ich denke der Schiedsrichter sah eine Gelegenheit, das 0:0 und die Verlängerung zu verhindern.

Yoshiyuki Osumi
(Reporter der Tageszeitung „Fuji Evening News“, Japan)
Nein, Völler läßt sich fallen. Argentinien spielte gut, in intelligenter Formation, aber Monzóns Platzverweis diktierte die Niederlage.

Atilio Garrido
(Sportchef der Tageszeitung „Ultimas Noticias“, Uruguay)
Nein, und als Uruguayo bin ich beschämt über die Leistung eines Schiedsrichters mit uruguayischen Wurzeln. Dies allerdings beiseite gelassen, hatte Argentinien es nicht verdient zu gewinnen, für mich wollten sie nur ins Elfmeterschießen kommen.

Quelle: „El Gráfico„, Edición N° 3692, 10.07.1990
Übersetzt von mir mit kleiner Hilfe von @CDTenerife

Kein Grund für Empörung

Bei einem meiner beiden Versuche im regulären Vereinsfußball Fuß zu fassen, ich war gerade alt genug, nicht mehr für die A-Jugend zu spielen, also jung, agil und schnell, spielten wir, irgendwo in den Niederungen der ländlichen Ligen, gegen eine Altherren-Mannschaft. Mein Gegenspieler, ich war Stürmer, er Manndecker, ja, so alt bin ich, obwohl, naja, in den Niederungen wird vermutlich noch heute mit Manndeckung gespielt, mein Gegenspieler jedenfalls, war ein alter, dicker, man verzeihe mir, Sack. Zwar hatte ich bei meinem ersten Versuch mit dem regulären Vereinsfußball recht hochklassig gespielt, dies aber eher zufällig, um es offen zu sagen: Der Verdacht, dass aus mir ein zweiter Icke Häßler werden könnte, stand nie im Raum. Zwar hatte ich einen ganz guten Blick für das Spiel, aber die Technik war nie meine Stärke – damals lebte ich vor allem von der Schnelligkeit. Mein Gegenspieler, der alte, dicke Sack, hatte, sobald sich die Zuordnung auf dem Feld ergab, erkannt, dass es für ihn schwierig werden würde an diesem Tage. Und so tat er, was er tun musste: Kaum, dass wir einmal auf dem Feld beieinander standen, sagte er mir mit gehobenem Zeigefinger und wirklich furchteinflößendem Gesichtsausdruck: „Pass mal auf, Junge, damit eins klar ist: Gerannt wird hier nicht“. Ich war nun so frei, nicht freiwillig auf meine beste Stärke zu verzichten, also packte er sein Arsenal an Gegenmaßnahmen aus, und so entstand ein für mich bis heute denkwürdiges Spielchen: Ich versuchte zu rennen, er versuchte dies zu verhindern mit allen Tricks und Tücken, die ich bis dahin nur vom Hörensagen kannte, wenn überhaupt. Nie wirklich brutal, nie verletzungsgefährend, aber leider, ich muss es zugeben, erfolgreich: Ich bekam, im wahrsten Sinne des Wortes, kein Bein auf den Boden. Irgendwann fing ich mir eine gelbe Karte, weil der Schiedsrichter meinte, es sei nun genug mit den Schwalben, die in Wahrheit keine waren, gab das Rennen mehr oder minder auf und wurde ausgewechselt. Er hatte gewonnen.

Wie vermutlich fast alle Fußballfans mag auch ich die große Kunst, die magischen Momente, schnelle Ballstafetten, Wunder der Athletik, an die unsereins als Nichtleistungssportler niemals herankommen wird und all diese „Woah!“-Momente. Aber Fußball ist nicht nur das, er ist auch Dreck und wohldosierte Boshaftigkeit, Provokation und Gegenreaktion. Das Problem dabei ist, zugegebenermaßen, die Grenze, das Maß. Die Verletzung eines Gegenspielers zu beabsichtigen oder leichtfertig in Kauf zu nehmen ist eine Überschreitung der Grenze, die Balance zwischen Theater und Sport muß stimmen. Wenn letzteres nicht stimmt, verdienen sich Spieler Beinamen wie „Heulsuse“ oder „Schwalbenfrettchen“ und das völlig zu Recht. Wenn sich allerdings zwei Spieler, die in einem Spiel zu den besten Akteuren auf dem Platz gehören, ein kleines Scharmützel liefern, wie es Lukas Podolski und Nuri Şahin am Freitag taten (und im Fall des Letzteren ist damit nicht sein Zufallstreffer in der 91. Minute gemeint, sondern seine Reaktion darauf), so gibt es da aus meiner Sicht keinerlei Platz für Empörung. Wir erwarten von den Spielern, dass sie neunzig Minuten mit ganzer Leidenschaft und vollem Einsatz spielen, und so lange sie oben genannte Grenzen einhalten, die Regeln nicht verletzen und die Balance wahren, ist jedes Mittel erlaubt. Alles andere ist Kokolores.

Lieber Daniel Theweleit,

ich freu mich ja immer, wenn ich in meiner morgendlichen Berliner Zeitung einen Artikel über den 1. FC Köln lesen darf, kommt ja, aufgrund der geografischen Entfernung nicht soo oft vor. Und klar, Podolskis Interview mit der Sport-Bild hat jede Menge Zündstoff geliefert, wie Ihr Qualitätsjournalisten so schön sagt, da kann man schon mal einen schönen Artikel schreiben.

Und klar, als Qualitätsjournalist hat man auch nicht so viel Zeit, und Recherche kostet viel der nicht vorhandenen Zeit. Versteh ich, versteh ich. Es ist mir, als kleiner, unwichtiger Schlurch- und Popelblogger, darum eine große Ehre, Dir helfen zu dürfen.

Da schreibst Du zum Beispiel folgendes:
Die Mannschaft entwickelt sich nicht weiter, obwohl in den vergangenen Jahren viel Geld investiert worden ist. Und mit Pedro Geromel ist nur ein einziger Spieler seit dem Aufstieg vor gut zwei Jahren signifikant wertvoller geworden. Demgegenüber stehen viele teure Spieler (Özat, Maniche, Womé, Schorch, Ishiaku, Ionita, Sanou), die der Mannschaft kaum oder gar nicht weiter geholfen haben.

Nun ja, lieber Daniel – ich darf Dich doch Daniel nennen? – das mit dem vielen Geld, das investiert worden ist – ich weiß nicht, ob man das so schreiben kann. Natürlich: Zehn Millionen Euro hat Lukas Podolski gekostet, das ist für eine Fahrstuhlmannschaft mit Mittelfeldambitionen ein Haufen Holz, aber so wie Du das schreibst, klingt es fast, als wären jede Menge teurer Stars eingekauft worden. Und das wäre ja ziemlicher Unsinn. Hast Du bestimmt anders gemeint, bloß wie?
Aber eigentlich wollte ich Dich bloß darauf hinweisen, dass die Liste der teuren Fehleinkäufe ein bisschen problematisch ist. Okay: Ishiaku und Sanou – gebongt. Vor allem ersterer, 2 Millionen Euro teuer und dauerverletzt, darf und muss in einer Liste der teuren Fehleinkäufe auftauchen. Willfried Sanou hat ebenfalls nicht das gebracht, was man sich von ihm erhoffte, aber nun ja, „Ablösefrei“ ist jetzt nicht soo teuer, finde ich. Aber okay.
Bei Maniche und Womé wirst Du sicherlich Unterstützer finden. Ich finde ja, das beide auf ihre Weise durchaus zum Gelingen Klassenerhalt beigetragen haben und da beide ebenfalls ablösefrei waren, kann man trotz sicherlich fürstlicher Gehälter nicht so salopp von „teuren Fehleinkäufen“ reden. Aber ich sehe ein: Da kann man diskutieren.
Schorch, Ionita und Özat allerdings in dieser Liste aufzuführen ist wirklich.. ähm.. nun ja, wie soll ich es sagen, Unsinn. Schorch und Ionita sind blutjunge Perspektivspieler. Der rumänische Stürmer ist erst seit Anfang der Saison dabei, zur Zeit wird mit nur einer Spitze gespielt und er kommt trotzdem zu mehr Einsätzen als Novakovic: Eine Nennung als Fehleinkauf find ich da sagenwirmal problematisch. Und Schorch hat vor seiner Verletzung vor einem halben Jahr 18 Spiele gemacht, nicht so schlecht als damals Zwanzigjähriger.
Ümit Özat: 32 Spiele in der 2. Liga mit 10 Torvorlagen und bis zu seinem Zusammenbruch wegen einer Herzmuskelentzündung – Du erinnerst Dich, Daniel? – 3 Erstligaspiele mit einer Torvorlage, sowie bester Kölner Außenverteidiger der letzten fünfzehn Jahre und zum Zeitpunkt seines Ausscheidens unumstrittener Kapitän – ich bitte Dich, Daniel, Özat in dieser Liste auftauchen zu lassen, ist gelinde gesagt, hanebüchener Kokolores.

Aber gut, weiter im Text, ich weiß ja, Du hast nicht viel Zeit:

Außerdem hat [Manager Michael] Meier Torhüter Thomas Kessler zum FC St. Pauli transferiert, das könnte sich jetzt rächen.

Ausgeliehen, Daniel, ausgeliehen.

[…] Faryd Mondragon hat nämlich am Wochenende gegen den Willen des Vereins ein Freundschaftsspiel für Kolumbien absolviert, wahrscheinlich wird er zur Strafe seinen Stammplatz verlieren. Ersatzmann Miro Varvodic ist noch ohne Pflichtspieleinsatz für Köln.

Äh – Das „Wochenendspiel“ war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, was ja auch das Problem ist, in Anbetracht der Tatsache, das zwischen jenem Spiel und dem heutigen Bundesligaspiel noch ein anstrengender Flug lag. Deswegen wird Mondragon nicht spielen (was ja nicht bedeutet, dass er seinen Stammplatz verliert) sondern stattdessen der 21jährige Vorvodic, der in der Tat noch ohne Einsatz ist. Ob nun der 24jährige Kessler mit seinen 11 Einsätzen für den Effzeh der viel bessere Ersatz wäre, wie Du es andeutest, muss sich wohl erst noch zeigen, meinst Du nicht auch?

Es gab Zeiten, da wurden Manager [..] und Trainer […] öffentlich so lange demontiert, bis ihre Rauswürfe zu kleinen Heldentaten wurden. Nun trainiert Zvonimir Soldo die Mannschaft [und es stand nie] die Frage nach seiner Zukunft […] im Mittelpunkt der Debatten.

Haha, Thewe, altes Haus, das ist.. hihi… also, das war wirklich gut.. was ist los? Keine Kölner Zeitschrift im letzten Jahr in der Hand gehabt? Internet kaputt? Der Express sägt doch seit Beginn der Soldo-Zeit, weil ihm der Mann zu dröge ist und zu wenig Entertainment liefert, und gerade in den letzten Wochen mit aller Gewalt an des Trainers Stuhl… Oh, Halt – mein Fehler, das Zitat war ja nicht komplett:

Nun trainiert Zvonimir Soldo die Mannschaft, und obwohl der Stoiker mit durchschnittlich 1,05 Punkten der erfolgloseste Trainer der Kölner Bundesligageschichte ist, stand die Frage nach seiner Zukunft nie im Mittelpunkt der Debatten.

Okay, ich nehme es zurück: Offenbar funktioniert Dein Internet noch, diese Zahl stand nämlich neulich im Express, mit eben genau dieser Formulierung des „erfolglosesten Trainer“ des Effzeh aller Zeiten. Aber hej, Daniel, gerade Du als Qualitätsjournalist musst doch wissen: Was im Express steht, ist noch lange nicht wahr. Schon mal den Namen Marcel Koller gehört? Uwe Rapolder? Hanspeter Latour? Na? Ja, lieber Daniel, die waren alle schlechter. Doch, doch. Der Express hat seine Statistik so lange gedreht und gewendet, bis das Ergebnis passte, was ja nicht schlimm ist, das machen die halt so, wenn sie jemanden demontieren möchten. Aber Du doch nicht, Daniel.

Weißt Du was, Daniel? Wir machen das einfach so – Wenn Du das nächste Mal einen Artikel über den 1. FC Köln schreiben willst, schreibst Du mir einfach mal eine Mail vorher, dann hast Du auch ein paar saubere Rechercheergebnisse. Oder Du fragst einfach irgendeinen anderen x-beliebigen Menschen, der sich ein bisschen auskennt.

Beste Grüße von der Schlurch- und Popelfront,
icke.

Pogoń Szczecin – GKP Gorzów Wielkopolski 0:0. Kein Spielbericht.

Der Plan war gut, sehr gut. So gut, dass wir ihn flugs in die Tat umsetzten: Samstag nachmittag in den Regionalexpress und mit dem Brandenburgticket nach Stettin. Oder Szczecin, also Schchechin, was einfacher aussieht als es gesprochen wird. Den Samstagabend mit einer kleinen Stadterkundung verbringen und diese in einer kaschemmigen Studentenkneipe mit allerlei polnischen Bierprodukten enden lassen. Nachts im Hotel noch schnell das Tor von Adam Matuszczyk im Spiel der polnischen Nationalmannschaft in den USA live im Fernsehen sehen.

Sonntag dann einen großen und äußerst pelzigen Kater sein eigen nennen und mit diesem langsam durch die Stadt stolpern, ein paar leider geschmackslose Piroggi essen und dann hin zum Florian-Krygier-Stadion. Hier findet um 17.00 Uhr die Partie Pogoń Szczecin gegen GKP Gorzów Wielkopolski statt, zweite polnische Liga.

Und Pogoń ist ein durchaus interessanter Verein: 1948 von den hierher umgesiedelten Ostpolen als Ersatz ihres Heimatvereins Pogoń Lwów gegründet. Bis 1999 fristet der Verein ein Dasein als Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter Liga, dann beginnt die Zeit der Investoren: Ein türkischer und ein schwedischer Investor versuchen nacheinander aus Pogoń eine große Nummer zu machen. Das Ende beider Investoreneinsätze ist gleich: Investor weg, Schulden da. Schließlich Auflösung des Vereins und Fusion mit dem Zweitligisten Piotrkovia Szczecin. Dessen Besitzer hat einen tollkühnen Plan: Eine Mannschaft, die nur aus Brasilianern besteht. Gleichzeitig gründen Fans den Verein Pogoń Szczecin Nowa. Es kommt, wie es kommen muss: Das brasilianische Experiment fährt gegen die Wand, erneute Auflösung und Fusion von Pogoń Szczecin und Pogoń Szczecin Nowa und Neuanmeldung in der vierten Liga. Es folgt der langsame Weg nach oben inklusive des Höhepunktes der Pokal-Finalteilnahme 2010.

Soweit die muntere Geschichte des Vereins, die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Es fand bereits am Samstag statt. Als wir zum Stadion kommen, liegt dieses still und noch mit den Spuren der vortäglichen Benutzung versehen in der güldenen Spätsommersonne. Kein Fußballer weit und breit, kein Fan nirgends, niemand der eine Karte verkaufen oder abreissen will. Stille. Und offene Tore allenthalben. Und so verflucht ärgerlich die Fehlinformation, der wir offenbar aufsaßen, auch ist, so hübsch ist auch der Aufenthalt in diesem recht eigenen Stadion am Tag nach der Schlacht. Das hufeisenförmige Stadion, dem eine Hintertortribüne fehlt, atmet noch das gestrige Spiel, die Ränge noch übersät mit Sonnenblumenkernschalen, am Zaun vor der Gegentribüne, dort wo die monumental wirkende Dachkonstruktion in Wirklichkeit nur wenige Reihe vor potentiellem Regen schützt, flattert noch ein einsames Transparent. Nur über die Frage, ob es der Geruch des Sieges oder der Niederlage ist, der da noch in der Luft liegt, können wir uns nicht einig werden – kein Wunder, ging das Spiel doch 0:0 aus. Und so bleibt uns nichts anderes als ein paar Fotos zu machen, noch einmal auf einer der 18.000 Sitzschalen Platz zu nehmen und im Kopfe die recht ordentlich gelungene Hymne Pogońs zu summen. Wir kommen wieder, nächstes Mal dann bitte mit Spiel.

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

Florian-Krygier-Stadion, Szczecin

[Update: Hymnenlink repariert]

Die Liste des Grauens

Wer A sagt, muss auch B sagen, wer am Trainerstuhl sägt, muss auch Alternativen nennen können. Welches Grauen darfs denn sein?

Arbeitslose Trainer im Oktober 2010:

Andersen, Jörn
Bommer, Rudi
Bongartz, Hans „Hannes“
Briegel, Hans-Peter
Buchwald, Guido
Daum, Christoph
Dörner, Hans-Jürgen „Dixi“
Eilts, Dieter
Favre, Lucien
Frank, Wolfgang
Götz, Falko
Herrlich, Heiko
Hock, Christian
Jerat, Wolfgang
Klinsmann, Jürgen
Koch, Roland
Koller, Marcel
Köppel, Horst
Labbadia, Bruno
Lieberam, Frank
Lienen, Ewald
Linz, Paul
Loose, Ralf
Menze, Steffen
Möhlmann, Benno
Neururer, Peter
Pagelsdorf, Frank
Rapolder, Uwe
Röber, Jürgen
Schmitt, Edgar
Stielike, Uli
Toppmöller, Klaus
von Heesen, Thomas
Weidemann, Uwe
Zachhuber, Andreas