[Neuer Header] Auch ein leeres Stadion ist einen Besuch wert

Langsam wurde es ja Zeit und endlich komme ich dazu: Wie dem regelmäßigen Leser meines Blogs bekannt, wechsel ich alle Naselang mal den Header meines kleinen beschaulichen Blogheims.

Nach dem Florian-Krygier-Stadion in Szscecin, welches zuletzt meinen Header zierte, bleiben wir in Osteuropa, wenn auch viel weiter südlich. Das aktuelle Bild stammt natürlich aus Serbien, genauer gesagt Belgrad. Um ganz genau zu sein, ist es das Omladinski Stadion, in welchem der OFK Beograd seine Heimspiele austrägt.
Wieso ich da war, wieso so wenig Zuschauer außer mir und meiner Reisegruppe anwesend sind bei dem Spiel zwischen den Gastgebern und FK Borac Čačak, das läßt sich alles hier nachlesen.

Steffen Simon, Randaleur

Wer sich hin und wieder die ARD Sportschau ansieht, weiß, dass es immer wieder eine besondere Härteprüfung der eigenen Guckbereitschaft ist, wenn Steffen Simon, seines Zeichens Chef des Janzen, das Mikrophon ergreift und die Zusammenschnitte selbst kommentiert.

Deswegen lohnt es sich eigentlich nicht auf verbale Fehltritte Simons besonders einzugehen, in diesem Fall will ich aber eine Ausnahme machen, da mir scheint, dass der gute Herr Simon hier nicht einfach nur seinen üblich Unsinn redete, sondern einer Agenda propagandistisch den Boden bereitete.

Konkret geht es um das Ruhrgebietsderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. In der zweiten Halbzeit war es, da zeigte das Bild einige vermummte Schalke 04 Fans, ganz vorne am Zaun stehend, die Arme durch das Gitter gesteckt und in den Händen weiße Bengalos haltend. Also: Zwar im Block stehend, die Bengalos aber außerhalb abbrennend. Nun mag man ja auf die Gesetzeslage hinweisen und überhaupt jegliche Form von Pyrotechnik in Fußballstadien ablehnen, eine Position, für die ich durchaus Verständnis habe, auch wenn ich sie nicht zur Gänze teile. Das soll hier aber gar nicht das Thema sein.

Genauso wenig wie Simons erster Kommentar zu den gezeigten Bildern, der da lautete, dass zu diesem Zeitpunkt „einige Schalke 04 begannen zu randalieren“. Ich kann das nicht beurteilen, denn ich würde es Steffen Simon durchaus zutrauen, dass er Bilder kommentierte, die ich – als Zuschauer der von ihm verantworteten Sendung – gar nicht zu sehen bekam. „Randale“ jedenfalls wurde nicht gezeigt, aber wer weiß, vielleicht fand sie ja zu diesem Zeitpunkt irgendwo anders statt.

Was mich wirklich ärgerte, war der zweite Kommentar. Da kündigte Simon den „Randalierern“ böse Konsequenzen an: Wer sich so verhalte, müsse sich nicht wundern, wenn es dann in Zukunft, als Folge dieses Handelns, nur noch Sitzplätze gebe.

Und das ist dann der Punkt, an dem ein Aufschrei, auch wenn er nur in einem kleinem Popelblog erfolgt, notwendig wird: Nein, Herr Simon, die Versitzplatzisierung ist keine Konsequenz aus angezündeten Bengalos. Sie findet statt, weil die von Verbands- und Vereinsfunktionären und Fernsehonkeln, wie Sie es sind, gewünschte Umwandlung eines Stadionbesuchs in unbezahlbare Eventerlebnisse in Multifunktionsarenen mehr Geld in die Kasse spült. Weil ein pluralistisches und mündiges Publikum schlechter kontrollierbar ist. Weil nur eine tote Kurve eine gute Kurve ist, ein Eigenleben von Fußballanhängern nicht erwünscht ist.

An Ihre Inkompetenz in Sachen sportliche Berichterstattung haben wir uns gewöhnt, Herr Simon. Wenn Sie nun auch noch anfangen, in propagandistischer Absicht den Sportzerstörern das Wasser zu reden und in bundesdeutscher Fußballkultur herum randalieren, sind Sie nicht länger tragbar.

[Update: Grad gesehen: Auch die 5 Freunde im Abseits haben sich des Themas angenommen.]

Beenden wir die Angst.

Wir sind gerne der Mob. Da oben auf unserer Tribüne, solange die langsam altersschwach werdenden Beine uns noch tragen, stehend, verwandeln wir uns regelmäßig in das Tier namens „Zwölfter Mann“. Ein Tier, das sich von unserer Leidenschaft nährt, von unserer Begeisterung und der Bereitschaft für 90 Minuten Grenzen zu überschreiten, die wir normalerweise nicht überschreiten. Ich jedenfalls schreie im Alltag höchst selten erbost auf, wie ich und die anderen Teile des Tiers es tun, wenn der Schiedsrichter falsch pfeift oder Spieler XY den Passweg nicht sieht oder, schlimmer noch, Spieler YX – von denen – einen der unseren foult. Und, ja, einer der Gründe ins Stadion zu gehen, ist auch dieser. Teil des Tiers zu sein.

Aber das geht nur, weil wir wissen, dass wir gar kein Tier sind, sondern Mensch. Weil wir wissen, dass auch die 22 Spieler und die vier Schiedsrichter da unten auf dem Feld Menschen sind. Dass wir uns nach den 90 Minuten den Mund abputzen und in unser normales Leben, in dem ein freundliches Miteinander eine Zier ist, zurückkehren können. Weil auch „das blöde Arsch da mit der Vier“ am Ende des Spieles sein Trikot auszieht und wieder Mensch wird und nicht bloß Spieler und heimkehren kann zu seiner Frau oder seinem Mann.

Kann er nicht, letzteres, jedenfalls nicht ohne Angst haben zu müssen und ohne sich verstecken zu müssen. Und das ist unerträglich. Es ist ein immer dräuendes Zeichen des Schande, eine ewig hallende – auch jetzt, in genau diesem Moment – Ohrfeige für uns und unsere Liebe zum Fußball, dass es Menschen gibt, die wichtige Teile ihres Lebens verstecken müssen. Angst haben müssen. Um ihre wirtschaftliche Existenz, um ihre Leidenschaft zum Sport. Angst vor den Konsequenzen haben müssen, Angst haben müssen vor uns. Uns, dem Mob.

Das muss ein Ende haben. Aktion Libero.


Aktion Libero - Sportblogs gegen Homophobie im Fußball

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.


Aktion Libero - Sportblogs gegen Homophobie im Fußball

Wundertüte vs. Weiner Bremen und das Verbrechen, ein Fußballfan zu sein.

Das war ein schmerzlicher Samstagnachmittag. Erwartet war ein klassischer Wundertütenauftritt der negativen Art, nach zuletzt anderthalb guten Auftritten war ein Ausreisser nach unten an der Reihe, um dem Gesetz der Nichtserie Folge zu leisten. Es kam nicht so und wurde trotzdem doof.
Stattdessen nämlich spielte der 1. FC Köln gut. Nicht grandios, keinesfalls, schließlich lag die 2:0 Führung zum Halbzeitpfiff auch daran, dass Bremens Stürmer nicht treffen wollten. Den Chancen nach hätte es also zur Halbzeit auch 3:3 stehen können, aber selbst das wäre, gemessen an meinen Erwartungen, noch völlig in Ordnung gewesen. Gehen wir allerdings nach „könnte, hätte, müsste“, so hätte Bremen diese erste Halbzeit mit zehn Mann beenden müssen, Sokratis ahndungswerter Bodycheck gegen Peszko – ohne Chance an den Ball zu kommen, im Strafraum, eingesetzt zur Vereitelung einer klaren Torchance – hätte nicht nur Elfmeter nach sich ziehen müssen, sondern auch mindestens die zweite gelbe Karte, und somit gelbrot, für den Griechen bedeuten müssen.
Wie auch immer, Schiedsrichter Weiner entschied anders, wie er in der zweiten Halbzeit so manches anders entschied, als es die Bilder hergaben – Naldos Volleyballbewegungen im Strafraum, die Weiner anschließend zur Schutzhand erklärte, Serenos Trikotzupfer, der in Weiners einsamen Kosmos Elfmeter und glatt Rot bedeutete. Die Behauptung des Express, Werders Manager Allofs hätte Herrn Weiner in der Halbzeit in dessen Kabine besucht, lassen wir an dieser Stelle unbeachtet, solange es dafür keine seriösen Quellen gibt.
Seriöse Quellen gibt es allerdings zuhauf für anderes, welches sich in Bremen ereignete: Demnach mussten sich die Gästefans vor Eintritt in das Weserstadion zu viert oder fünft auf eine Bierbank setzen und sich dann ausgiebig von Sprengstoffspürhunden beschnüffeln lassen, welche auf der Suche nach pyrotechnischen Materialien waren. Ein weiterer niederschmetternder Beweis dafür, dass der gesellschaftliche Paradigmenwechseln von der zu beweisenden Schuld des bis dahin Unschuldigen hin zur Vorverurteilung und deren Umsetzung durch sogenannte Präventivmaßnahmen bereits in erschreckender Weise vollzogen ist. „Fußballfans sind keine Verbrecher“ mag, obgleich natürlich richtig, für manchen bislang nach hohler Phrase seitens der für solche mitunter bekannten Ultràs geklungen haben, spätestens durch diese erniedrigende und empörende Behandlung aber wird diese Formel zu einer notwendigen Forderung an die DFB- und DFL-Oberen. Allein: Es fehlt der Glaube, dass deren Realitätsferne überwindbar ist. Man wünscht sich direkt die Herren Rauball, Zwanziger und Konsorten oder wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet, mögen fortan, jedesmal wenn sie ein Kaufhaus verlassen, in dem schon mal ein Ladendiebstahl stattgefunden hat, gründlichsten Leibesvisitationen unterzogen werden. Schließlich gehören sie ja ihrer eigenen Logik nach ebenfalls zu potentiellen Ladendieben und müssen fortan immerfort auch als solche behandelt werden.

Vom erbärmlichen Zustand des serbischen Fußballs.

Fußball in Serbien. Leidenschaftlicher Fußball meets noch leidenschaftlichere Fans, Bengalos, Hooligans, Roter Stern und Partizan, trickreicher südeuropäischer Fußball statt nordeuropäischem Gebolze, Schlitzohrigkeit und Härte. So spricht das Klischee. Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht:

Eine Woche Belgrad steht auf dem Programm, Fußballspielbesuch ist Pflicht – so denn möglich. Die erste Schwierigkeit mit dem serbischen Fußball ist nämlich dessen Unplanbarkeit. Sofern wir nicht in langen Recherchestunden völlig daneben lagen, scheint es in dem ehemals jugoslawischen Land üblich zu sein, Spieltage erst zwei Tage vor dem tatsächlichen Wochenende zu terminieren. So erfahren wir erst sehr kurz vor Abreise, dass es an unserem Ankunftswochenende kein Sonntagsspiel geben wird in Liga 1 und in Liga 2 kein Belgrader Verein sein Fußwerk an jenem Sonntag verrichtet. Aus Angst am Ende mit völlig leeren Händen dazustehen beschließen wir nach 24 Stunden Zugfahrt kurzer Hand gleich wieder in den Zug zu steigen und in die zweitgrößte Stadt Serbiens, nach Novi Sad, zu reisen. Dort trifft an diesem Sonntag in der zweiten Liga der FK Proleter Novi Sad auf den Lokalrivalen FK Novi Sad. Unsere Reise führt uns in einen Vorort, fast schon ländlich anmutende Dörflichkeit erwartet uns rund um den Sportplatz von FK Proleter. Den Ort des Geschehens Stadion zu nennen würde die Sache wirklich überhöhen. Immerhin behaupten serbische Zeitungen am nächsten Tag, es seien tausend Zuschauer anwesend gewesen, was uns ein arg optimistisch erscheint. Vielleicht aber waren es die ca. 80 Gästefans, die diese Zahl erklären – denn wie wir im weiteren Verlauf erfahren müssen, scheinen Gästefans in Serbien ein seltenes Phänomen zu sein.

fk proleter novi sad
Hurra, das ganze Dorf ist da! (Das Plakat verkündet dazu: Proleter schreibt man mit dem Herzen)

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Der Fußball der beiden Lokalrivalen ist leidenschaftlich, aber schlecht. Weder die einen noch die anderen hätten auch nur den Hauch einer Chance in der zweiten Bundesliga, aber Einsatz und Wille stimmen. In der zweiten Halbzeit verplätschert das Spiel vollends, bis plötzlich in der 87. Minute ein, sagen wir mal, äußerst schmeichelhafter Elfmeter den rot-weiß gewandten Gastgebern das 1:0 beschert – ein Umstand, der nicht mehr zu erwarten war. Schnell noch ein Bier im Vereinslokal, das allerdings mehr Wettbüro als Vereinslokal ist und ab nach Hause.

fk proleter novi sad
Eine seltene Gattung im serbischen Fußball: Gästefans. Mit Bengalos. Und acht Polizisten.

Unsere Sorge, in Belgrad selbst möglicherweise kein Spiel zu sehen zu können, erweist sich als völlig unbegründet: Mitte der Woche erwartet uns der serbische Pokal. Und der Fußballgott meint es gut mit uns: Sowohl der FK Crvena Zvezda (Roter Stern), als auch Partizan Beograd haben ein Heimspiel, die einen am Dienstag, die anderen am Mittwoch – da beide Stadien dieser ewigen Konkurrenten kaum mehr als einen Steinwurf voneinander entfernt liegen, spielen sie nie am gleichen Tag zu Hause.

Zunächst geht es also ins „Marakana“ genannte Stadion des einzigen osteuropäischen Vereins neben Steaua Bukarest, dem es jemals gelang, den Landesmeisterpokal zu gewinnen: FK Crvena Zvezda, Roter Stern. Der Umstand, dass der Gegner ein Zweitligist ist, macht uns zwar geringe Hoffnungen auf ein gutes Spiel vor vollem Haus, doch was wir sehen, ist noch weniger als erwartet: 6242 Zuschauer verlieren sich im weiten Rund (das Stadion soll 2012 umgebaut und vergrößert werden, es stellt sich die Frage wofür), keinerlei Gästefans, immerhin, es gibt Ultras, die auch 90 Minuten durch singen und ab und an mit Bengalos wedeln, doch auch das reicht nicht, um wirklich Fußballatmosphäre aufkommen zu lassen.
Der Gegner, FK Banat Zrenjanin – immerhin Dritter der 2. Liga – mauert sich ein und bringt es auf insgesamt vier Konter. Dem ruhmreichen Roter Stern fällt dazu überhaupt nichts ein, es fehlt an Ideen, Laufbereitschaft und überhaupt allem, was erfolgreichen Fußball ausmacht. Bewegung kommt in die Sache, als Gastgeber-Torwart Vesic in der 70. Minute einen der seltenen Konter Banats außerhalb des Strafraums mit der Hand abwehrt, was eine rote Karte und den Einsatz des ghanaischen Abwehrspielers Lee Addy als Torwart zur Folge hat, da Roter Stern schon dreimal wechselte.
20 Minuten also Zeit für Banat diesen Umstand auszunutzen, doch – nicht ein Schuss auf das Tor Roter Sterns. Hilflos, chancenlos, erbärmlich. Und so richtet sich alles auf die Verlängerung ein, als in der 96. Minute ein vermeintliches Handspiel zu einem Elfmeter für den Favoriten führt. Wut und Entsetzen, Rudelbildung, eine rote und zwei gelbe Karte für die Gäste – nichts hilft, Roter Stern gewinnt das Spiel mit 1:0, erzielt in der regulären Spielzeit, also der 98. Spielminute. Der Schiedsrichter bleibt sicherheitshalber noch zehn Minuten auf dem Feld, bevor er sich in Richtung Kabine wagt.

fk crvena zvezda
Wer glaubt, dieses Foto sei Stunden vor dem Spiel entstanden, irrt. Fünf Minuten vor Anpfiff. Zugegeben, die andere Kurve ist voller. (Stadion Crvena Zvezda)

Nun gut, grauenhafte Pokalspiele eines großen Favoriten gegen einen unterklassigen Gegner kennen wir auch. Wir haben also Hoffnung, dass es am nächsten Tag besser wird: Partizan Beograd, zuletzt viermal in Folge serbischer Meister geworden, erwartet FK Metalac – immerhin Erstligist, wenn auch letzter der SuperLiga. Und tatsächlich: Es fallen Tore, ganz ohne zweifelhafte Elfmeter in der letzten Minute. Dummerweise steht es schon 2:0 in der zehnten Minute, in der wir aus mangelnder Ortsunkenntnis (die Kassen sind hundert Meter weiter, falls das mal jemand wissen muss) das Stadion betreten. In Folge dessen – Metalac kann nichts, Partizan will nichts mehr – sehen wir belangloses Geplänkel, das uns zwar noch zwei Tore schenkt, je eins pro Mannschaft, das aber so schlecht ist, dass sogar die Heimfans ihren Unmut äußern. Apropos Heimfans: 2968 sollen es gewesen sein, natürlich keine Gästefans. Traurig.

partizan beograd
Das wahrscheinlich modernste Stadion der Stadt mit dem Tempel des Hl. Sava im Hintergrund.

Vielleicht, so überlegen wir, liegt es ja am Wettbewerb und am Wochentag, dass der Fußball so wenig Menschen locken kann. So geht es also am letzten Reisetag schnell noch zum drittgrößten Verein Belgrads, dem OFK Beograd. Gegner ist FK Borac Čačak – Kellerduell in der ersten Liga, 11. gegen den 14.. Eine letzte Chance für den serbischen Fußball, uns Atmosphäre und Fußball von nennenswerter Qualität zu bieten. Wenigstens eines von beidem wäre schön – wie der geneigte Leser schon vermutet: Weder noch ist der Fall.
Im Gegenteil. 234 handgezählte Zuschauer in einem Stadion, dessen äußerst maroder Zustand zwar einigen Charme hat, aber die Leere auch nicht übertünchen kann und ein Fußballspiel, dessen grauenhafte Qualität alles bisher gesehene unterbietet. Je ein Elfmeter, der der Gäste verschossen, und ein eklatanter Torwartfehler bescheren dem Gastgeber einen verdienten 2:0 Sieg.

ofk beograd
Serbischer Fußball ist, wenn nicht mal die Menschen, die fast im Stadion wohnen zum fenster herausschauen. Aber immerhin gibt es Ordner.

Belgrad ist eine schöne, unbedingt sehenswerte Stadt. Der jugoslawische Fußball war einst eine wichtige Größe, und auch heute ist er so schlecht nicht, bedenkt man, dass drei ehemals jugoslawische Mannschaften in den Play-Offs für die EM stehen und Serbien nur knapp scheiterte, selbige zu erreichen. Und natürlich: Wer gut Fußball spielen kann, spielt nicht in Serbien, nur zwei Spieler des aktuellen Nationalmannschaftskader schnüren ihre Fußballschuhe für einen serbischen Verein. Aber nichtsdestotrotz: Die Zukunft des serbischen Fußballs sieht düster aus, wenn sich die Gegenwart so darstellt, wie sie es tut – Tristesse auf dem Rasen, Tristesse auf den Rängen, völliges Desinteresse aller Beteiligter, Besserung nicht in Sicht. Schade.