GanzWeitAuswärts

Wer mal einen Blick ins Impressum geworfen hat, hat vielleicht gelesen, woher das Foto, das meinen Header ziert, stammt: Buenos Aires heißt die Stadt, wir sehen die oberen Ränge der Heimkurve des Estadio Pedro Bidegain, Heimat des Club Atletico San Lorenzo de Almagro. Vor fünf Jahren weilten Freund Sasha und ich für drei Monate im Süden Südamerikas und ließen uns natürlich nicht entgehen, soviele Fußballspiele mit zu nehmen wie möglich, was aufgrund der Sommerpause über Weihnachten und Neujahr weniger war als erhofft.

Neben aktiven Stadienbesuchen verbrachten wir viel Zeit mit anderen schönen Dingen. Zum Beispiel damit, uns mit Freude unser Gehirn waschen zu lassen: Ja, ohne Frage, Diego Armando Maradona ist Gott und bester Fußballspieler aller Zeiten in Personalunion – und das hat nichts damit zu tun, daß unserem Gefühl nach immer auf irgendeinem Fernsehsender eine Zusammenfassung mit den schönsten Maradona-Toren lief.

Eine unserer liebsten Beschäftigungen war die argentinische Regelkunde. Obwohl leider nur mit mittelmäßigen Spanisch ausgestattet, hatten wir die Grundzüge schnell raus, mit den Sonderfällen will ich hier niemanden langweilen: Es gibt zwei Saisons pro Jahr. Die Absteiger werden mit komplizierten Koeffizienten ermittelt, die sich ergeben indem die gesammelten Punkte aus den letzten sechs Saisons (also drei Jahren) durch die gemachten Spiele geteilt werden. Copa Libertadores Teilnehmer werden ähnlich ermittelt, nur noch komplizierter.

Und: Wer am Ende einer Saison ganz oben steht, ist nicht unbedingt Meister.

Genau das trifft gerade zu: Am vergangenen Wochenende endete die Apertura, also die „Hinserien-Meisterschaft“, wenn man so will. Das Eingangs erwähnte San Lorenzo hat die Meisterschaft auf Platz 1 abgeschlossen. Das nützt aber (noch) nichts, denn punktgleich auf Platz 2 und 3 liegen Boca Juniors und No-Name und Außenseiter CA Tigre. Und bei Punktgleichheit wird der Meister durch ein Entscheidungsspiel ermittelt, bei mehreren Mannschaften, wie in diesem Fall, kommt es zu einem Miniturnier. Jede Mannschaft spielt einmal gegen jede auf neutralen Plätzen. Sollte dann immer noch Punktgleichheit vorherrschen, entscheidet der direkte Vergleich aus der abgelaufenen Saison. Dann wäre Tigre Meister, das beide Spiele gegen die Konkurrenten gewinnen konnte.

Eigentlich aber auch egal, da das von mir favorisierte Independiente einen schmachvollen 18. Platz belegte. Maradonaseidank gibt es die oben erwähnten Abstiegsregeln, die eine Zweitklassigkeit verhindern.

Um dem eigentlich-schon-irgendwie-aber-auch-nicht Meister San Lorenzo zu huldigen, hier noch mal das Foto von oben in Gänze und unbearbeitet:
san lorenzo

Und vielen Dank an Fußball auf Argentinisch, dessen detaillierten Beiträge halfen meine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern und das sowieso ein Lesebefehl für alle Argentinien-Interessierten ist.

2 Antworten auf „GanzWeitAuswärts“

  1. Ganzweitauswärts Maestro,

    Dieser Text ist zwar mittlerweile fast ein Jahr alt… (oder noch älter?) und frag mich am besten auch nicht, wie und warum ich jetzt plötzlich hier gelandet bin. Aber das Foto von deinem Header ist nicht das Stadion von San Lorenzo, sondern das alte Stadion von Independiente. Dies war Ewigkeiten namenslos und wurde einfach Estadio de Independiente genannt, inoffiziell auch Doble Visera. Danach hieß es für kurze Zeit Estadio Libertadores de America, wurde jetzt fast drei Jahre abgerissen, restauriert und wieder aufgebaut und vorgestern endlich wieder eröffnet. Hoch emotional das ganze Spektakel… Warum sind eigentlich fast alle Deutschen, die sich einigermaßen intensiv mit argentinischem Fußball beschäftigen Sympathisanten von Independiente?

    1. Da hast Du natürlich völlig recht – ich wechsel die Headerbilder ab und an. Den Artikel zum zur Zeit aktuellen findest Du hier: http://spielbeobachter.twoday.net/stories/neue-saison-neuer-header/

      Ich freu mich ja nur, dass es geklappt hat mit dem Neubau, zwischendurch hatte man hierzulande ja das Gefühl, es würde gar nicht vorwärts gehen.

      Ob Independiente bei Deutschen eine besondere Beliebtheit hat, kann ich nicht sagen. Bei mir hatte der Verein schon lange einen besonderen Klang, der durch den Besuch vor Ort noch bestätigt und unterstützt wurde.

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