Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

Einmal Unioner, immer Unioner!
Fans eines jeden Verein haben ihre eigenen (legitimen) Selbstbeweihräucherungsrituale und -sprüche. Und natürlich halten die einer genaueren Betrachtung niemals stand – sie dienen der Konstruktion einer Erhöhung der eigenen Identität, nicht der Abbildung der Realität. Einmal Unioner, immer Unioner ist Ausdruck einer Sehnsucht nach Helden im Rotweißen Trikot, die sich sich genauso mit dem Verein identifizieren mögen wie der Fan. Daß es dabei unzählige Fußballer gibt, die stillschweigend den Verein verliessen, denen niemand auch nur einen Abschiedsgedanken hinterher rief (Was macht eigentlich Petar Divic?), daß es eine ganze Reihe Spieler gibt, bei deren Abgang die Fans erleichtert aufatmeten (Sreto Ristic spielt heutzutage übrigens für den SV Sandhausen) – das wird bei der Konstruktion des immer währenden Unionerseins verständlicherweise unter den Teppich gekehrt.

Entzogen werden kann die quasi automatisch verhängte Veredelung als ewiger Teil des Vereins auch. Nico Patschinski ist seit gestern kein Angestellter des 1. FC Union Berlin mehr. Ein „zerrüttetes Vertrauensverhältnis“ sei der Grund für die fristlose Entlassung. Die genauen Gründe liegen im Dunkel – was durch die Medien geistert, sind Geschichten über Geldstrafen und schon lange schwelenden Kämpfen zwischen dem Spieler und der Vereinsführung. Vor allem aber von Verbrüderungen mit dem Erzfeind aus Hohenschönhausen, gemeinsamen Liedrunden und anderem, eigentlich harmlosen, möglicherweise aber vereinsschädigendem Verhalten. Gerüchte, die Grund genug sind für die Fans, Patschinski, der in seiner Jugend schon für beide Vereine spielte und in seiner zweiten Zeit bei Union bei Teilen der Fans nie so richtig ankam, das Ehrenprädikat des ewigen Unioners abzuerkennen.

Was auch immer an den Gerüchten um die Gründen für die fristlose Entlassung dran sein mag, auffällig ist, daß Union auf dem Weg in die 2. Liga mannschaftsintern den harten Besen schwingt. Guido Spork, Steven Ruprecht, nun Nico Patschinski – wer nicht mitzieht oder stört, wird aussortiert. Gemessen wird sowas letztenendes am Erfolg und der scheint recht zu geben.
Aber bin ich der einzige, dem bei dem inzwischen schon geflügelten Wort in Fankreisen von der „Vereinshygiene“ ein kleiner Schauer über den Rücken läuft?

Tschö Nico. Mach et jut.

2 Antworten auf „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“

  1. Mmmh. Man steckt da nicht so drin und weiß auch gar nicht, was da wirklich vorgefallen ist. Es kam aber schon so rüber, dass Patsche mit den Offiziellen nicht so richtig konnte. Bei uns ist er doch gut angekommen. Da würde ich Dir widersprechen.

    1. Ja, bei mir kam er auch gut an, meistens jedenfalls, manchmal spielte er auch arg lethargisch. Aber den Typen Patschinski hab ich immer gemocht.
      Aber wenn ich mich an so manche Kommentare auf den Rängen erinner, oder im Union Forum lese, so scheint es eine Reihe von Unionern zu geben, die nie so richtig warm wurden mit Patschinski, vielleicht in erster Linie dem eben manchmal auch lethargisch wirkenden Spiel geschuldet – Unioner haben in erster Linie Grasfresser zu sein. Wer das nicht ist, hats schwer.

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