[Infografikmassaker] Alle afrikanischen Rekordmeister

Frühere (damals, als Jugend noch kein Fremdwort war) Blogbeiträge der Kategorie Infografikmassaker begannen gerne mit der Beschreibung eines Gesprächs am Tresen, während des dritten oder sechsten Biers, welches sich um irgendwelche abgründigen Fußballfragen drehte. Aus diesem dann erwuchs die Lust an der Recherche, daraus dann die der Darbietung interessanter Fakten und am Ende die möglichst übersichtliche Gestaltung derer. Dieses Mal ist fast alles anders.

Der Tresen war ein virtueller, Twitter war’s. Es wurde über Afrika gesprochen, darüber, dass Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou die Hauptstadt mit den meisten Vokalen im Namen ist, und schließlich, dass darob Trainer Marco Pezzaiuoli den führenden Verein der Stadt trainieren sollte.
Und der führende Verein der Hauptstadt Burkina Fasos, das wissen wir Fußballexperten, unter denen das Gespräch stattfand, doch alle ist, nun, tja. Also.

Étoile Filante de Ouagadougou. 12 Meistertitel, 20 Pokalsiege. Ich fühlte mich gemüssigt, das zu recherchieren und überhaupt, wie ist es denn mit dem afrikanischen Vereinsfußball? Wer sich ein bisschen auskennt, kennt vielleicht Al Ahly und Zamalek, die beiden großen ägyptischen Konkurrenten, hat vielleicht schon mal von dem einen oder anderen maghrebinischen Verein gehört, aber dann dürfte es wohl schnell versiegen, das Wissen. Was doch recht ignorant ist und natürlich ein Zeichen von Eurozentrismus ist. Der Autor ist hierbei ausdrücklich eingeschlossen.

Also machte er sich auf die Suche. Rekordmeister eines jeden afrikanischen Landes, die Anzahl der Titel, dazu das Wappen, das Ganze hübsch drapiert um ein Bild des Kontinents, et voilà.

In diesem Satz vesteckt sich eine Reihe von Irrtümern. Es sind mehr Länder als der gemeingewöhnliche Spielbeobachter, dumm wie er ist, so denkt. Was nicht nur sehr viel mehr Arbeit bedeutet, als er dachte, sondern im nächsten Schritt das drumherum drapieren auch deutlich komplizierter machte als gedacht. Drum herum drapieren kann man übrigens auch nur, was man hat. Und ist es dank Wikipedia inzwischen recht einfach, den jeweiligen Rekordmeister herauszufinden, stellt sich heraus, dass nicht jeder dieser ein Wappen hat, das im Internet einfach so verfügbar wäre. Möglicherweise findet man eins auf irgendeiner Seite, das ganze wirkt aber nicht wirklich seriös, so dass man dann auf die Suche geht, in der Hoffnung irgendwo ein Foto zu finden, auf dem vielleicht das Wappen auf einem Trikot zu sehen ist?

Und zack, schon guckt man ein zweiminütiges Video vom Spiel von Sony de Ela Nguema gegen Real Rebola, welches zwar oben einblendet, dass Ela Nguema 3:0 gewonnen hat, aber keine Tore zeigt und nun ja, auch kein Wappen der Mannschaft aus Malabo (Sie wissen schon, die Hauptstadt von, na gut, wir wollen nicht alles verraten), auf dessen Suche man gerade war.

Mit anderen Worten, das war ein bisschen kompliziert. Es ist nun ein Wappen zu sehen, das ich von einem Foto einer Wandmalerei freigestellt hab, eines von einem “Wir helfen in der Covid-19-Krise”-Plakat auf Facebook, eines hab ich von einem sehr verpixelten, winzigen Bildchen nachgemalt (Hallo an dieser Stelle an den FC 105 aus Libreville, ich finde ein bisschen lustig, dass das C nicht für Club, sondern für Cannon, ja, Football Cannon steht, aber da Ihr schon mal hier seid: 105 hat doch bestimmt auch irgendeine Bedeutung?) und bei einem guten Viertel bin ich mir trotz aller Versuche, zweite Quellen zu finden, nicht sicher, ob es wirklich das richtige, offizielle Wappen ist.

Der größte Irrtum aber mag die Nützlichkeit dieser Grafik sein. Das Ding ist ca. 239983 Meter groß, muss es sein, weil sonst nichts zu erkennen wäre. Wer das hier auf dem Telefon liest, kann an dieser Stelle eigentlich aufhören. Vielen Dank für den Besuch, schau mal wieder rein und komm gut nach Hause!

Auch auf anderen Geräten ist es vermutlich nicht wirklich brauchbar, aber nun ist es nun mal da. Und auch wenn es vielleicht nicht so richtig tut, was es als Infografik tun sollte, nämlich die Betrachterin und den Betrachter lehren und informieren, so tat es das doch zu mindestens beim Autor, also hier, icke. Ich weiß nun deutlich mehr über afrikanischen Fußball und afrikanische Geografie als zuvor und hoffe, die fußballfreie Zeit dank der Pandemie möge bald ein (medizinisch gerechtfertiges) Ende haben. Der guineische Rekordmeister (Gucken Sie doch nach!) steht im Halbfinale des Confederation Cup (was das Äquivalent zur Europa League ist). Es wäre der zweite internationale Titel nach dem Sieg des Pokals der Pokalsieger 1978. Yay!

[P.S.: Aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, vergass ich Dschibuti. Und auch die Inseln, abgesehen von Madagaskar fanden keinen Platz. Sie sind alle unten links aufgeführt]

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[Infografikmassaker] Es gibt keine Kleinen mehr

Seit geraumer Zeit hat die Großmannssucht der Rummenigges dieses Kontinents einen neuen Namen: Superliga. Je nach Modell möchten Europas erfolgreichste Vereine für immer unter sich bleiben (ECA-Modell) oder als Elitenwettbewerb der Eliten (UEFA-Modell) über der Champions League angesiedelt werden.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Angst vor sportlichem Misserfolg und vor allem vor dessen wirtschaftlichen Folgen. Ein Verein, der aufgrund falscher Planung oder in anderen Gründen liegendem Misserfolg ein paar Jahre das El Dorado der Champions League verpasst hat, hat nur wenige Chancen den Weg an die Fleischtröge wieder zu finden.

Dieser potentielle sportliche Misserfolg soll zukünftig keine Folgen mehr haben, ein längerfristiges Scheitern ausgeschlossen werden. Was anderswo der Sinn und Zweck des Sports ist, soll nicht länger existieren: der Wettbewerb.
Dabei sind diese Pläne schon längst in die Tat umgesetzt worden, wenn auch nicht mit der gleichen tollkühnen Unverfrorenheit, wie sie nun offenbar geplant ist. Und nicht nur einmal, sondern gleich zweimal.

1992/93 führte die UEFA die Champions League ein, sie ersetze den alten Europapokal der Landesmeister. Die erste wichtige Änderung zum vorherigen Wettbewerb war dabei die Einführung einer Gruppenphase. Diese sollte garantieren, dass die “großen Vereine” nicht durch das sportliche Scheitern in Hin- und Rückspiel weitere Einnahmen verlören. Über die Dauer einer Gruppenphase, so war die Hoffnung, würden sich die großen Vereine berappeln können und am Ende durchsetzen. Als zweite wichtigere Neuerung wurden die Geldhähne aufgedreht, auf dass sich das durch die Einführung der Gruppenphase ermöglichte Weiterkommen auch richtig lohnen möge.

Das alles jedoch reichte den G14, der Vorgängerorganisation der European Club Association (ECA), nicht und so wurde in einem zweiten Schritt 1997 die Grundregel des Wettbewerbs – jeder und nur der Meister eines Landesverbandes ist qualifiziert – abgeschafft. Fortan waren bei einigen Landesverbänden auch die Zweitplazierten (Zwei Jahre später dann auch die Dritt- und Viertplatzierten) automatisch qualifiziert, während die Meister anderer Landesverbände sich erst qualifizieren mussten. Der Wettbewerb aller Meister wurde abgeschafft, die Tür geschlossen.

Während nun die nächste Eskalationsstufe gezündet wird, die endgültig verhindern soll, dass das sportliche Messen auf einer gleichen Grundlage stattfindet, frage ich mich, welche Auswirkungen denn die “Reformation” des höchstklassigen europäischen Wettbewerb hatte und hat. Und hab da mal was vorbereitet.

Was die folgende Grafik zeigt: Ich habe mir die vier besten Mannschaften einer jeden der 23 Champions League-Saisons angesehen und habe Punkte verteilt. 3 Punkte für den Sieger, 2 für den Finalisten, 1 Punkt für die Halbfinalisten. (Anmerkung: Ursprünglich hatte ich geplant, die Viertelfinalisten miteinzubeziehen, aber das Ergebnis war nicht viel anders, aber die Grafik wäre ungleich größer geworden). Das Ganze addiert und summiert und anschließend mit den Pokal der Landesmeister-Saisons von 1969/70 bis 1991/92 verglichen, also mit den letzten 23 Jahren dieses Wettbewerbs. So erhoffte ich am ehesten Vergleichswerte zu erlangen.

Und siehe da: Der Plan der großen Vereine ging auf. Die Welt ist kleiner geworden, oder um es mit Berti Vogts zu sagen: Es gibt keine kleinen mehr.
45 Clubs, denen es im Landesmeisterpokal im fraglichen Zeitraum gelang, das Halbfinale zu erreichen, stehen 30 Vereine gegenüber, die selbes in der Champions League vollbrachten. Das ist ein Drittel weniger. Und nicht nur am Ende dünnt das Teilnehmerfeld deutlich aus, auch sind die Häufungen an der Spitze klar größer geworden. Gewiß, auf den ersten Blick scheint es vorne gar nicht so unterschiedlich zu sein, dies hat jedoch andere Gründe. Sowohl dem FC Bayern (74 – 76), als auch Ajax (71 – 73) gelang es offenbar in einem bestimmten Zeitraum eine so gute Mannschaft zusammen zu stellen, dass der Pokal dreimal hintereinander gewonnen werden konnte. Das Gleiche gilt für Liverpool, die zwar nicht dreimal hintereinander, aber 77, 78 und 81 die Krone erlangen konnten. Anders der Fall in der Champions League, deren Titel ja bis heute nicht ein einziges Mal verteidigt werden konnte. Und trotzdem sind die Punktehäufungen (und analog dazu die Geldhäufungen bei den entsprechenden Vereinen) an der Spitze deutlich größer als in den 23 Jahren zuvor.

Noch deutlicher wird das ganze übrigens, wenn man sich den Spaß macht und mal die sagenwirmal ersten 13 Jahre der Champions League wegläßt, weil Folgen der Transition der beiden Wettbewerbe sich natürlich nicht sofort zeigen und, wie oben beschrieben, die Champions League auch nicht sofort die heutige Form hatte. Dann ist der Shift hin zu den groß0en vier, fünf Ligen, der schon so auf der Europakarte deutlich wird noch deutlicher. Die Ausreisser der frühen Jahre fallen weg.

Und als kleines Bonmot noch nebenbei: Auch auf nationaler Ebene hat die Einschränkung der sportlichen Wettbewerbskonkurrenz Folgen. Willkürlich habe ich die Anzahl der Meisterschaften der besten zehn Mannschaften beider Zeiträume gezählt. Das Ergebnis ist unten eingeklinkt.

Genug geredet. Grafiken sind ja dazu da, dass man sich das reden sparen kann. There you go [Disclaimer: Wie auf der Grafik angemerkt, habe ich mich für beide Zeiträume für eine aktuelle Europakarte entschieden um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Das ist natürlich historisch Superquatsch. Die UdSSR (bzw. Russland und die Ukraine), die CSSR (Tschechien), Jugoslawien (Serbien) sowie die BRD mögen mir verzeihen). So, nun aber:

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[Neuer Header] Auch ein leeres Stadion ist einen Besuch wert

Langsam wurde es ja Zeit und endlich komme ich dazu: Wie dem regelmäßigen Leser meines Blogs bekannt, wechsel ich alle Naselang mal den Header meines kleinen beschaulichen Blogheims.

Nach dem Florian-Krygier-Stadion in Szscecin, welches zuletzt meinen Header zierte, bleiben wir in Osteuropa, wenn auch viel weiter südlich. Das aktuelle Bild stammt natürlich aus Serbien, genauer gesagt Belgrad. Um ganz genau zu sein, ist es das Omladinski Stadion, in welchem der OFK Beograd seine Heimspiele austrägt.
Wieso ich da war, wieso so wenig Zuschauer außer mir und meiner Reisegruppe anwesend sind bei dem Spiel zwischen den Gastgebern und FK Borac Čačak, das läßt sich alles hier nachlesen.

[Infografikmassaker] Home is where your Verein is

Viele denken ja, der Lukas Podolski wäre ein echter Kölner. ‘Ne eschte kölsche Panz. Und schon immer beim 1. FC Köln, mal abgesehen von den Jahren bei Bayern. Ist er aber gar nicht. Geboren im polnischen Gliwice, aufgewachsen in Bergheim. Und, bevor er dann tatsächlich elf Jahre für den 1. FC Köln spielte, Jahre, die ihn zweifelsohne zu einem Effzehler durch und durch machten, schnürte er zunächst seine Fußballschuhe für den FC Jugend 07 Bergheim. Das waren nur vier Jahre im Alter von sechs bis zehn, aber wer sein Engagement für den kleinen Verein kennt, ahnt, dass ihn diese Jahre geprägt haben, wenn er auch das meiste seines beachtlichen HandFusswerkzeugs beim FC gelernt haben dürfte. Aber da gibt es ja noch andere Spieler, Manuel Neuer zum Beispiel, der ja schon immer.. Ach, nein, der küsst jetzt ja ein anderes Wappen. Würde küssen. Wenn er dürfte.
Und wer, wie ich, schon lange Zeit das Kicker Sonderheft studiert, erinnert sich, dass ja immer die Vereinsbiografie eines jeden Spielers aufgelistet ist, und dass da so mancher wunderbarer Dorfverein aufgeführt wird. Da wird es doch sicher so manche interessante Häufung geben…

Manchmal ist das ja auch so, dass man mit der Recherchearbeit anfängt für so eine Infografik, ohne wirklich zu wissen, was am Ende rauskommt. Und während man dann so vor sich hinzählt, Striche macht oder, wie in diesem Fall, Vereinsnamen abtippt, stellt man irgendwann fest: Ähm. Nee. Das Ergebnis wird dann grafisch doch eher nicht so aufregend sein.

Es stellt sich nämlich heraus: Pustekuchen.
Interessante Häufungen gibt es nicht. 509 Spieler führt der Kicker für die 18 Bundesligisten auf und 487 Erst- und Heimatvereine. Das macht ganze 21 Vereine, deutschland- und weltweit, die mehr als einen aktuellen Bundesligaspieler geboren haben und – abgesehen von Hajduk Split, quasi König und Sieger dieser Auswertung mit ganzen 3 Spielern – kein Verein, der auf mehr als zwei Spieler kommt, die einstmals das erste Mal ihre Fußballschuhe für sie schnürten.
Und so mancher dieser Vereine hat nur deshalb die Ehre, hier aufgeführt zu werden, weil er das Glück hatte, dass ihn ein talentiertes Brüderpaar erwählte. Die Benders in Brannenburg (Der TSV hat übrigens extra ein Seite auf seiner Homepage für die berühmtesten Söhne des Vereins eingerichtet), die Caliguris in Schwenningen, die Gebrüder Kroos in Greifswald und die Stevanovics, die einst für den TuS Essen-West 81 aufliefen.

Fast man mal die Frage der Herkunft ein wenig weiter, nämlich weg vom Verein und hin zur Geburtsstadt, so wird die maue Statistik nicht viel besser. In der Hälfte der Vereine steht kein einziger Spieler im Kader (Quelle hier war transfermarkt.de), der das Licht der Welt in der Stadt, in der er heute spielt, erblickte. Dass dann Berlin mit immerhin fünf Spielern ganz oben steht, ist angesichts der Größe der Stadt nicht verwunderlich. Und gäbe es nicht die Regel des “Local Players” – so sähe diese Zahl, die Fans aller Vereine oftmals nicht unwichtig ist – Ein echter XY, einer von uns – noch deutlich schlechter aus.

Aber nun gut, wenn man dann halt schon mittendrin ist und man merkt, so doll ist das Zahlenmaterial nicht, aber die Arbeit schon halb getan ist, macht man halt weiter. Das Ergebnis des ganzen seht Ihr hier:

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[Infografikmassaker] Finaaale Ohoh – Wo?

[Update 29.5.11: Die dankenswerterweise in den Kommentaren aufgezeigten kleinen Fehler sind verbessert, sowie der FC Barcelona als diesjähriger Sieger nachgetragen]

Wie ich ja anläßlich des einen oder anderen Infografikmassakers schon erwähnte, haben die meisten Infografikmasskerideen ihren Ursprung in wilden Kneipendiskussionen zu fortgeschrittener Stunde. Diesmal ist alles anders, die Idee für diese kleine Grafik nämlich ereilte mich per Email. Gestern Vergangene Woche Vor fast einem halben Jahr war es, dass mir unser aller Trainer die Idee unterbreitete, doch mal was zu den Austragungsorten der Europacupfinals zu machen. Ein hübscher Gedanke, wie ich fand, auch wenn er zu jenem Zeitpunkt aufgrund vielschichtiger andersweitiger Verpflichtungen nicht durchführbar war. Vor meinem inneren Auge erstanden Wahrzeichen, das Kolosseum in Rom, die Marienkirche in München, das Belgrader.. ähm.. die Gelsenkirchener.. na… öhm. Nicht immer ist der erste Gedanke ein guter Gedanke.

Dann war da der landesweit bekannte Choleriker aus München, der immer wieder mal von seiner Fußballmannschaft forderte, sich unbedingt für die kommende Champions League-Saison qualifizieren zu müssen. Aus verschiedenen verständlichen Gründen. Und eben auch, da der Austragungsort des Champions League-Finales der kommenden Saison eben München heißt. Und was gebe es schöneres, als die begehrteste europäische Trophäe auf Vereinsniveau im eigenen Stadion zu gewinnen? So wie einst… ähm.. ja?

Dank dieser kleinen Infografikmassakergrafik ist es dem geneigten Leser nun möglich, die Antwort auf diese Frage hopplahopp aus dem Ärmel zu schütteln: 1956/57 gelang dies Real Madrid und 1963/64 Inter Mailand. Nicht allzu oft also, möglicherweise hat Herr Hoeneß die Notwendigkeit dieses Unterfangens ein klein wenig übertrieben, was ja sonst gar nicht seine Art ist.
Das Kunststück, den Pokal der Landesmeister / die Champions League im eigenen Land zu gewinnen, gelang hingegen mehreren Mannschaften: Manchester United und der Liverpool FC gewannen im Londoner Wembley-Stadion (den Engländern ist es natürlich unmöglich im eigenen Stadion zu gewinnen, da, wie auch in Frankreich, alle Endspiele im Nationalstadion stattfinden – 02/03 war eine Ausnahme, die dadurch zustande kam, dass das Wembley-Stadion zu jener Zeit in Schutt und Asche lag, um dem Neubau zu weichen), Ajax Amsterdam gewann 71/72 im Rotterdamer De Kuip, der BVB aus Dortmund 96/97 in München und Juventus Turin 95/96 in Rom.

Und noch etwas tritt durch diese Grafik zu Tage: Drei Vier Mannschaften glückte das Kunststück, den Titel zu verteidigen, wenn er das nächste Mal in der Stadt vergeben wurde, in der sie ihn zuvor gewann: Real Madrid in Brüssel, dem AC Milan in Athen, Liverpool in Rom und der FC Barcelona in London. Barcelona hat die Chance, sich am morgigen Samstag in diese illustre Gruppe einzureihen. Und Dortmund hat sich zumindestens die Chance gesichert, das gleiche zu tun, nächstes Jahr im Mai.

Ein paar Worte zur Legende: Die Größe des Stadtwappens – sowie des Kreises auf der Karte – zeigt an, wie oft die jeweilige Stadt Final-Gastgeberin war.
Die Städtenamen sind auf Deutsch, bei den Stadion- und Vereinsnamen habe ich mir Mühe gegeben, sie in der jeweiligen Landessprache aufzuschreiben. Stadien, die umgebaut und/oder umbenannt wurden, sind dementsprechend gekennzeichnet, Stadienneubauten neu aufgeführt.

Eine Frage hätt ich noch: Warum war Wien zwischen 87 und 95 dreimal Gastgeber? Gibt es für dafür eine nachvollziehbare Erklärung?

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Trikot des 1. FC Köln 2011/2012

[Update]: Offenbar bestätigen sich die Gerüchte, dass dieses Trikot NICHT das neue Trikot sein wird, die roten Applikationen an Kragen und Ärmel sollen angeblich fehlen. Der Express hat mittlerweile einen Rückzieher gemacht und nennt das “offizielle Trikot” nur noch einen Fanentwurf.
Entschuldigt bitte die Fehlinformation, mein Fehler.


[Update II]
: Hier ist dann der Link zum tatsächlichen neuen Trikot. Komplett (bis auf Rewe Schriftzug und Reebok Zeichen in Weiß. Hm, ich muss gestehen, dass mir der rote Kragen gestern besser gefiel, aber so ist auch sehr schick.

Schon seit Tagen kündigt der 1. FC Köln häppchenweise das neue Trikot an, in immer neuen Videos wird dem geneigten Fan näher gebracht, dass es in der kommenden Spielzeit endlich mal wieder ein weißes Heimtrikot geben wird. Als wäre das etwas besonderes. Gut, in Anbetracht manch visueller Katastrophe der letzten Jahre wird auch die Selbstverständlichkeit zur Ausnahme. Man stelle sich nur mal vor, der VfB Stuttgart würde wochenlang über alle Social-Media-Kanäle verkünden, dass es nächste Saison endlich! hurra! jippie! ein weißes Trikot mit rotem Brustring gäbe. Albern? Genau.

Wie auch immer, der Wunsch nach der traditionellen Heimfarbe Weiß – die natürlich weit weniger traditionell ist, als der ewige rote Brustring der Stuttgarter, aber doch traditionell genug, um mit Verwunderung die dauernde Abkehr der letzten Jahre zur Kentnis zu nehmen – der spätestens in der vergangenen Saison unüberhörbar durch die Fanmassen rumorte, hat Anklang gefunden. So möchte man meinen, in Wahrheit stand das kommende Trikot wohl schon fest, lange bevor die Zusage an den Mob erfolgte.

Der Express hat nun heute ein Foto veröffentlicht, dass ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte, so dass sie darauf verzichten können dort zu klicken:

Und ich für meinen Teil bin zufrieden. Ich mag das Weiß, ich bin ja auch eine alter Sack, der Kragen gefällt mir und überhaupt. Einverstanden, wertes Reebok-Volk.

Allerdings hoffe ich, dass jetzt auch die alberne Comic-Sans-ähnliche Beflockung verschwunden ist.

That’s The Way, Aha, Aha, We Like It

Die erste gute Nachricht des Tages in diesen, wieder einmal völlig unnötigerweise unruhigen Zeiten kommt mit dem Geißbockecho ins Haus, bzw. Stadion geflattert. Nach der Aufregung um das diesjährige Auswärtstrikot versprachen der Verein und Ausrüster Reebok Besserung für die kommende Saison – und es sieht aus, als würden sie Wort halten. Auf einer zweiseitigen Anzeige in der aktuellen Ausgabe des Stadionheftes zum heutigen Spiel gegen den Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V. offenbart die Adidas-Tochterfirma, dass der FC in der kommenden Saison so auflaufen wird, wie es sich die meisten FC Fans wünschen: Zuhause weiß, auswärts rot. So und nicht anders. Bitte, danke.


foto: @larswittenberg

Dann müßte jetzt bitte nur noch die zweite gute Nachricht des Tages eintreffen. So gegen 17:15 Uhr.

[Selbstreferentielles Intermezzo] Neuer Header. Mit vielen cz & sz.

Wie der geneigte Leser weiß, ändert der Spielbeobachter (also icke jetzt) so ungefähr einmal im halben Jahr den Header dieses Blogs. So auch gestern. Quasi als visuelle Pausenfüllung, da ich derzeit zu so wenig Bloggerei komme.

Und normalerweise gebe ich dann gerne noch mehr oder minder langwierige Erklärungen ab, wiesoweshalbwarum. Und vor allem wo. Das hab ich in diesem Fall bislang unterlassen, wie der aufmerksame Leser Heinz K. aus S. bereits bemerkte.

Die Wahrheit ist allerdings, dass ich die Erklärung eigentlich schon abgab, als ich nämlich das Foto das erste Mal zeigte, hier in diesem Blog vor etwas mehr als einem Vierteljahr. Damals berichtete ich von einer kleinen Fußballreise ins benachbarte Ausland, genauer gesagt ins benachbarteste Ausland aus Berliner Sicht, nach Polen also. Gleich hinter der Grenze wollten wir Pogoń Szczecin beobachten. Daraus wurde nichts, stattdessen fanden wir ein leeres, noch fußballschlachtatmendes Stadion vor. Die ganze Geschichte erzählte ich hier.

[Infografikmassaker] Ausländische Spieler beim 1. FC Union Berlin

Wie ich schon einmal erwähnte, entstehen die meisten Infografikmassaker-Ideen beim Bier und dazugehörigen Fussballdiskussionen. Denn, das weiß ein jedes Kind, zu einem Bier, oder auch drei, in einer Kneipe unter Freunden gehört eine zünftige Fussballdiskussion, oder auch drei.

Und weil besagte Freunde ja nun wissen, dass theoretisch die Möglichkeit besteht, dass aus solchen Diskussionen Infografikmassakerversuche gerinnen, ist es mittlerweile so weit, dass besagte Freunde quasi ein Infografikmassaker in Auftrag geben, bevor die Diskussion überhaupt beginnen kann.

So war es jedenfalls in diesem Fall, als S. “Apropos Infografik, was ich ja mal gerne sehen würde..” sagte und anhub von ausländischen Spielern beim 1. FC Union Berlin zu sprechen. Der Rest von uns hub natürlich sofort eifrig mit und voilà, schon war sie da, die Diskussion. Die Bulgarenschwemme unter General Wassiliev. Waren das wirklich soviele? Natürlich Teixera und wieviel Brasilianer noch? Da gabs doch noch den Tschechen, den Schweizer, die Algerier nicht zu vergessen und natürlich den Österreicher. Oder waren es zwei Österreicher? Und Benedetto Muzzicato, ah, alleine dieser Name schon (Ist übrigens vor vier Tagen vom VfB Oldenburg verpflichtet worden).

Da war sie also schon, die Infografik, musste nur noch jemand ein Massaker draus machen. Also, flugs ran an www.immerunioner.de (Vielen Dank an Sebastian von textilvergehen für den Tipp, mir war die Seite bis dato peinlicherweise unbekannt) und gezählt. 149 Spieler mit ausländischem Pass waren es übrigens insgesamt in den vergangenen zwanzig Jahren. Denn das ist ja bekanntermaßen eine Besonderheit von Vereinen aus der DDR, der gemeine Feld-, Wald- und Wiesentransfer von ausländischen Spielern, wie ihn der Wessi von seinem Lieblingsverein schon seit fast immer kennt, war im Sozialismus nicht üblich. Also transferiert wurde hin und wieder schon, dann aber gleich der ganze Verein oder zumindestens die komplette Mannschaft. Spieler wurden hingegen delegiert, das ist aber eine andere Geschichte.

So beginnt die Transfergeschichte ausländischer Spieler beim 1. FC Union also erst im Jahr 1990, im März genau genommen mit dem Polen Jacek Mencel, laut immerunioner.de nicht nur der erste Ausländer bei Union, sondern der erste im höherklassigen Fussball der DDR überhaupt. 78 Tore in 132 Spielen – kein schlechter Beginn. Weil aber die eigentliche Transfergeschichte erst mit der Saison 1990/91 beginnt, hab ich meine kleine Grafik auch erst da beginnen lassen.

Manch einer der Spieler macht es dem Infografikmassakerlehrling auch ein wenig schwer: Karim Benyamina zum Beispiel – ein in Dresden geborener Spieler mit “algerischen Wurzeln”, noch dazu mit bis dato einem Länderspiel für Algerien: Die eindeutige Zuordnung wird da schwierig, was ja eigentlich recht angenehm ist, in diesem Fall aber ein wenig unpraktisch. Also habe ich, so weit mein Wissen und die Recherchierfähigkeiten es zuliessen, Spielern mit doppelter Staatsbürgerschaft oder zweiter Fussballnationalität eher der ausländischen zugeordnet. Benyamina gilt also als Algerier. Younga-Mouhani als Kongolese.

Genug der Vorworte. Guckt selbst.

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[Infografikmassaker] Europäische Pokalsieger nach Ländern.

Wie so oft, entstand auch diese Idee in der Kneipe, beim drölften Bier. Plötzlich stand da die Frage im Raum, wie sich das denn verhält, das Verhältnis der europäischen Wettbewerbssieger aus den großen vier Ligen zu den “kleinen”, im Pokal der Landesmeister gabs ja so ein paar Ausreisser, früher, als alles noch besser war und der Fußball noch nicht so verkommen, und der Pokal der Pokalsieger erst, da hatten doch auch Vereine aus Ländern eine Chance zu europäischem Ruhm und Ehre zu kommen, die heute nicht mehr auf der Lanfkarte der Sieger auftauchen…

Et voilà: Der Spielbeobachter hört und handelt. In Bunt. Und rund. Kritik und Anregung, Lob und Tadel sind natürlich willkommen.

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