[Infografikmassaker] Fußballvereine im Ruhrgebiet

Was ist der größte Fehler, den ein Grafiker machen kann?

Die Kunden fragen, was sie sich wünschen. Das tun wirklich nur sehr dumme Grafiker.

So geschehen letzte Woche, als sich bezüglich dieses Infografikmassakers ein kleines Dilemma auftat. Wie üblich sammelte ich die Vereine der Stadt der Region, dieses mal des Ruhrgebiets, wie üblich ging ich dabei die Ligen von oben durch. Und wenig überraschend angesichts der Einwohnerzahl von 5,1 Millionen Menschen fand sich auch in jeder Liga ein oder mehrere Vereine. So weit, so gut, das Münchner Rätsel würde sich also nicht wiederholen. Bei der etwas unklaren Frage, was zum Ruhrgebiet gehört und was nicht, habe ich mich auf die im Internet auf die Schnelle auffindbaren Karten, die auch alle weitgehend deckungsgleich sind, berufen. Das mag manche:r anders sehen, aber diese Diskussion übersteigt meine ortsfremden Kräfte.

Nach fünf Ligen hatte ich so 23 Vereine zusammen. ‘N büschen wenig für ein so großes Gebiet, die Kölner Version mit nur 24 Vereinen sieht sehr leer aus. Also eine Ligaebene tiefer hinab, in die Landesliga, die…

[EXKURS: Vereine aus dem Ruhrgebiet finden sich in der 5. Liga, der Oberliga, in 2 Oberligen: 7 Vereine kommen aus der Oberliga Niederrhein, 9 Vereine aus der Oberliga Westfalen. So weit, so klar. Darunter kommt die Landesliga. Unterhalb der Oberliga Niederrhein kommt in dieser Saison eine dreistafflige Landesliga, drei Gruppen, wie sie genannt werden. Unterhalb der Oberliga Westfalen heißt die Landesliga nicht Landesliga, sondern Westfalenliga und kommt in 2 Staffeln, nicht Gruppen, KÖNNEN SIE NOCH FOLGEN? daher. Unter der Westfalenliga, die auf der anderenorts Landesliga genannten Ebene ist, kommt in Westfalen die vierstafflige Landesliga Westfalen. Ja. Bitte sagen Sie mir, dass Sie das auch verwirrend finden. Möglicherweise eventuell vielleicht hat der Autor dieser Zeilen einen Tag damit verbracht, die 71 Vereine dieser untersten Ebene durchzusieben und auf Ruhrgebietstauglichkeit zu überprüfen und ihre Wappen zu recherchieren, bevor er feststellte, dass die Landesliga Westfalen etwas anderes ist als die Westfalenliga auf Landesligaebene.]

…mit jede Menge weiterer Vereine daherkommt: 33 Vereine aus insgesamt vier Gruppen und Staffeln. Das ergibt dann 56 Vereine und das erschien mir sehr viel für so eine begrenzte Grafik. Was also tun, nur 23 Vereine um das Ruhrgebiet gruppieren oder 56 Klubs da irgendwie hin quetschen? Mitten in der Liga die Trennlinie zu ziehen erscheint mir, wie schon das eine oder andere Mal ausgeführt, unpassend. Tja, dachte sich der Autor dieser Zeilen, fragen wir doch mal das Publikum.

Und darum ist es angebracht, den Autor dieser Zeilen einen Trottel zu nennen.

Denn das Publikum entschied sich für 56-Vereine-Variante und der Grafiker hörte auf seine Kunden und ging hin und legte los und merkte bald, haha, nein, das ist eine Scheißidee. Aber jetzt hängen wir fest im Wunsch der Kundschaft.

Als erstes vergrößertes ich die Grafik als solche, damit wenigstens genug Platz für die Wappen ist. Das ist auch nicht das große Problem. Das große Problem ist die Zuordnung, die Linien, die auf den Heimatort weisen. Die sollen sich, wann immer es geht, nicht kreuzen. Das geht oft nicht, auch bei anderen Grafiken, aber so selten wie nötig ist die Vorgabe. Ganz wichtig aber: Eine Linie soll nicht durch den Punkt gehen, der den Heimatort eines anderen Vereins markiert. Das verwirrt sonst völlig. Und das ist, bei aller Hin- und Herschieberei, die ich unternommen habe, bei 56 Vereinen einfach nicht möglich. Und spätestens da war mir klar: Nee, das ist alles so unübersichtlich, dass es dem eigentlich Sinn und Zweck widerspricht.

Die Lösung lag auf der Hand: Es müssen zwei Grafiken herbei. Eine sinnvolle, und eine die das Versprochene liefert.

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Kommen wir endlich zum wichtigsten: Die Wappen. Beschränken wir uns zunächst auf die 23er Variante. Da gibt es einiges wirkliches Hübsches zu sehen, Was anderswo die Fahne oder der Zusatz „von“ ist, ist hier die typografische Schönheit. Das Gelsenkirchen-G im Schalker Wappen, die verschlungenen aber trotzdem völlig klaren Buchstabenkombinationen Rot-Weiss Essens, des MSV Duisburg oder der SG aus Wattenscheid, das ist schon alles sehr gefällig.

Natürlich gibt es auch gegenteiliges, es kann ja nicht alles gelungen sein. Das unklare Wappen der schwarz-weißen Variante Essens. Holzwickede, das auf die übliche Fusionsfalle (von allem ein bisschen) reinfällt. Die Hammer SpVg, die auf ihrem das Kürzel HSV benutzt, das sonst nirgendwo rund um den Verein auftaucht (das mag aber aus der Entfernung täuschen) und ein Wappen im Entwurfsstadium hat. Das kann man gut finden, ich finde es so lala. Die sehr eigentümliche Rotfarbe gefällt mir. Beides vermutlich eher in jüngerer Zeit entstanden.

Schnell sticht ein Wappen heraus, und damit ist ja schon mal viel gewonnen, das Wappen des FC Kray. Nun finde ich ja, bei allem mir innewohnenden Traditionalismus, den Versuch mal aus der Box zu denken oder etwas Modernes zu gestalten, zunächst mal spannend. Aber wenn dann das Ergebnis dergestalt ist, dann, nun, also, wie soll ich sagen, vielleicht lieber nicht? Also, wirklich nicht? Gar nicht?

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In der 56er-Variante gibt es noch ein paar Auffälligkeiten. Ich vermute das Wappen von Arminia Klosterhardt ist eine erneuerte Variante und ich finde sie ganz gelungen. Das völlig ohne Schrift auskommende Wappen des SV Sonsbeck lässt mich erst vor Freude aufjuchzen, den Mut, nichts ins Wappen zu kritzeln und dann noch mit Gold zu hantieren – aber ach, das ist einfach nur das Stadtwappen. Das nimmt nichts vom Mut, aber naja, schmälert das alles dann doch etwas. Das 70er-Jahre-Design des Blau-Gelb Überuhr ist hässlich, aber einzigartig und bitte, kann jemand aus dem Ruhrgebiet dem SV Scherpenberg für diese unfassbare Frechheit bitte den Arsch versohlen? Danke schön.

Zuletzt noch ein Blick auf die Geografie und die Häufungen. Ich habe mal wieder viel gelernt. Hagen gehört zum Ruhrgebiet, bislang wusste ich nur, dass man Popstar wird, wenn man dahin kommt. Da ist also Wesel (Sie wissen schon, die mit dem tierischen Bürgermeister). Dortmund ist größer als Essen, da hätte ich geschworen, das dem nicht so ist. Hamm kannte ich bislang nur als Ort magischer Zugteilungen.

Die Nummer eins im Ruhrgebiet, quantitativ gesprochen, ist Essen. 9 Vereine in den obersten sechs Ligen. Das mag daran liegen, dass RWE schon lange nicht mehr ganz oben mitmischt und darum anders als andere Vereine in anderen Städten nicht alles aufsaugt. Danach folgt Duisburg mit 6 Vereinen. Bottrop als einzige der kreisfreien Städte des Ruhrgebiets ohne Vereine in den ersten sechs Ligen. Ist auch die kleinste Stadt, aber 117000 Einwohner dürften dafür eigentlich reichen.

Genug des Textes. Diese kleine Infografikmassaker-Reihe kommt langsam zum Ende. Vielleicht gibt es noch eine oder zwei Ausgaben, mal schauen.

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