Zwischen Augsburg und Augsburg

Es sind Augsburg-Festspiele für den bescheidenen Betreiber dieses Blogs. Am Samstag noch live vor Ort der bayrischen Mannschaft der Stunde beim Gastspiel im Stadion an der Alten Försterei gegen den 1. FC Union Berlin zugesehen – am morgigen Mittwoch schon die gleiche Mannschaft gegen den glorreichen 1. FC Köln im Viertelfinale des DFB-Pokals im Fernsehen betrachten.

Der eigentliche Plan war, nach Samstag zu wissen, wenigstens aber erahnen zu können, was da am Mittwoch auf den FC zu kommt. Nach leichten Schwierigkeiten zu Beginn der Saison waren die Augsburger immer besser in Fahrt gekommen, mit einer respektablen Bilanz von acht Siegen aus den letzten elf Spielen nach Berlin gereist. Dabei haben sie einige Torfestivals veranstaltet, was Journalisten aller Couleur dazu veranlasste, von der “Augsburger Torfabrik” zu sprechen. Ein Gegner im vollen Lauf also – wie wir alle wissen, sind es diese, die den Spruch vom Pokal und seinen eigenen Gesetzen gerne mit Leben füllen und Klassenunterschiede vergessen machen.

Das Problem war nun nur: Von einer Mannschaft, die gerade einen Lauf hat und als momentanes Maß aller Dinge in der zweiten Liga gelten kann, war am Samstag nichts zu sehen, jedenfalls nicht auf Augsburger Seite. Allenfalls die ersten zehn / fünfzehn Minuten zeigten auf, daß Augsburg tatsächlich ziemlich guten Fußball spielen kann, schnell, zweikampf- und spielstark überbrückten sie das Mittelfeld und kreierten zwar wenig direkte Torchancen, aber doch so manche gefährliche Situation. Nach spätestens zwanzig Minuten aber übernahm Union vollends das Kommando und von Augsburger Herrlichkeit war weit und breit nichts zu sehen. Selten einmal kamen sie über die Mittellinie – dazu allerdings muß gesagt sein, daß Union, trotz der Unfähigkeit den Ball dann auch mal im Netz unterzubringen, eines der stärksten Spiele der Saison zeigte.

So muß der Beobachter also schlußfolgern, daß sich aus dem Spiel am Samstag vermutlich nichts schlußfolgern läßt. Nicht nur weil der Pokal eben ein anderer Wettbewerb ist, sondern auch weil es sich für die Augsburger um ein Heimspiel handelt, insbesondere aber, weil Trainer Jos Luhukay (einer von acht Ex-Kölnern in Mannschaft und Management der Augsburger) sicher seine Konsequenzen ziehen wird aus dem Spiel am Samstag. Der FC wird am Mittwoch sicher auf einen anderen FC aus Augsburg treffen, auch personell möglicherweise – daß der spielstarke Flügelspieler Traore, von dem immer wieder berichtet wird, er stünde auf dem Kölner Einkaufszettel, 56 Minuten auf der Bank schmoren muß, ist zum Beispiel nicht zu erwarten.

Der FC wäre also gut beraten, dem schwachen Auftreten der Augsburger am Samstag nicht allzuviel Beachtung zu schenken und stattdessen mit höchster Konzentration und dem Wissen, daß Augsburg ganz sicher kein beliebiger Zweitligist ist, den man mal eben im Vorbeigehen vernaschen kann, um den Einzug in das Halbfinale kämpft.

Und dann, wenn das geglückt ist, darf man ganz langsam von Reisen in ferne Fußballländer in der nächsten Saison träumen. Klammheimlich, versteht sich.

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