Wenn et Geromelche jeht…

Das tolle am Köln-Fan-Dasein ist ja, das jeden Tag etwas los ist. War es vorgestern noch die Pfeiferei gegen Pierre Womé, und gestern die Urteilsverkündigung des DFB in Sachen brennende Fackeln im Sturm der Gästekurven, so wird heute schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Wobei Sau hier wirklich der falsche Ausdruck ist. Und überhaupt: Das ist gar nicht toll, das war unhaltbare Behaupterei meinerseits.

Pedro Geromel verlässt den 1. FC Köln im Sommer. „Beschlossene Sache“ sei es. „Juventus Turin, Lazio und AS Rom und Sporting Lissabon“ wollten den Innenverteidiger haben. Der FC verkauft Geromel, auch aus Gründen der finanziellen Sanierung.

Ein Blick auf die Quelle läßt aufatmen: Puh. Der Express. Wer der Boulevardzeitung aus dem Hause Neven DuMont in Sachen Kölner Transfers glaubt, wird sich wundern, warum so wenige Spieler im Kader des FC stehen, schließlich werden in jeder Transferperiode wöchentlich ca. 234897 Spieler als geheime Transfersache enttarnt. Glaubwürdige, seriöse Quelle und Express sind bekanntermaßen zwei Begriffe, die in keinerlei Zusammenhang stehen.

Aber.

Leider ist das ganze keineswegs undenkbar.
Natürlich, aus rein sportlicher Sicht wäre der Transfer Geromels ein herber Verlust. Und sollte irgendein sportlicher Verantwortlicher beim FC da anderer Meinung sein, so möge er bitte zum Curling wechseln.
Fakt ist allerdings wohl, das kein anderer Spieler aus dem Kader des FC einen vergleichbaren Marktwert hat. Auf acht Millionen Euro beziffert Transfermarkt.de die Ablöse für den Brasilianer, ich halte dies für einen Wechsel innerhalb der Bundesliga für realistisch, handelt es sich beim kaufenden Klub um eines dieser finanziell überhitzten Gebilde aus England, Spanien oder Italien, wäre wohlmöglich noch mehr drin. Der FC hat in den vergangenen Wochen keine Möglichkeit ausgelassen, zu betonen, dass das Ende der finanziellen Fahnenstange erreicht sei und zur nächsten Saison gewiss kein weiterer finanzintensiver „Kracher“ auf der Türschwelle stehe.

Das Geld käme also recht, vielleicht wird es sogar benötigt. Allerdings läuft Geromels Vertrag noch bis 2014, ihn für ein gutes Geld zu verkaufen wäre also auch noch ein oder gar zwei Jahre später möglich. Letzten Endes hängt es also wohl an der Größe des Lochs in den Kölner Finanzen, sowie, natürlich, am Spieler. Nun ist Geromels Bescheidenheit in Sachen Karriere ja bekannt, der Mann hat ja einst zu Protokoll gegeben, dass ihn die brasilianische Nationalmannschaft gar nicht sonderlich reizen würde. Ob das allerdings ausreicht, um auf weitere zwei, drei Jahre im Mittelmaß der Bundesliga herumzuvegetieren, ist eine andere Frage.

Und niemand kann behaupten, es käme überraschend, ich kenne keinen FC-Fan, der davon ausgeht, dass uns die Lebensversicherung aus Sao Paulo ewig erhalten bleibt. Zu gut ist Geromel, auch wenn er in dieser Saison das eine oder andere Mal ungewohnte Schwächen zeigte.

So bleibt also alles wie es ist: Eine nicht allzukleine Wahrscheinlichkeit, dass es früher oder später so kommen wird, und ein Express Artikel, der, wie üblich, nicht ernstgenommen werden kann, weil er eben ein Express Artikel ist.

Was allerdings befremdlich stimmt, ist der Satz „Im Kollegenkreis hat Geromel seinen Abschied angedeutet“. The mannschaftsinterner Maulwurf strikes back. Im Verdacht stehen zwei slowenische Nationalspieler, von denen behauptet wird, sie seien für den hohen Fluß an internen Informationen zum mühsam als Presse getarnten Fantasieblättchen zuständig. Ob dem so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber, wer auch immer da plaudert, möge doch bitte tatsächlich auf die Transferliste gesetzt werden.

Sofern dieser konspirative Kontakt nicht auch bloße Behaupterei seitens des Express ist.

2 Antworten auf „Wenn et Geromelche jeht…“

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