Ich bin (k)ein Groundhopper

Nein, da hilft nichts: Misst man meine kümmerlichen Ground- und Länderpunkte mit dem, was ein amtlicher Groundhopper so auf seinem Kerbholz hat, wird auf den ersten Blick klar, dass es höchst vermessen wäre, würde ich mich zu dieser Gruppe zugehörig fühlen. Was in erster Linie daran liegt, dass ich keinerlei Anstrengungen unternehme, um am kommenden, dem darauf folgenden oder dem in drei Wochen möglichst viele Grounds abzuklappern – Verzeihung – zu „machen“. Aber schön wäre es schon.

Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Das Bereisen unbekannter Städte und Länder und das schöne Spiel, das Flair fremder Stadien und fremder Fußballkulturen, an denen sich im Idealfall und wenn man das 1 x 1 der eigenen Fußballkultur einigermaßen beherrscht, vieles ablesen, übersetzen läßt. Dabei ist relativ egal, ob es sich um ein Spitzenspiel um die Meisterschaft handelt oder um ein unterklassiges Kampfspiel gegen den Abstieg in die sagenwirmal vierte Liga. Wobei mir der Verdacht kommt, dass ich das so nur sage, da ich noch nie in meinem Leben ein Champions League Spiel live im Stadion gesehen habe – ich fürchte, dass die Unterschiede zwischen einem solchen Spiel in Manchester und Rom gering sind, zu sehr dürften die medial betriebene Kommerzmaschine einerseits und die Eventfreudigen Ultras die kulturellen Verschiedenheiten plattgebügelt haben.

Natürlich, wäre ich ein Groundhopper, so hätte ich jedes Wochenende das Rechtfertigungsproblem, warum ich mir gerade z.B. FC Oţelul Galaţi gegen CS Pandurii Târgu-Jiu (Rumänische 1. Liga) angucke, statt zu Hause dem FC die Daumen zu drücken. Zu mehr als einem Teilzeitgroundhopper würde es also vermutlich eh nicht reichen – und selbst dann hätte ich Probleme mit dem Beigeschmack von Vereinsmeierei (Es reicht, 45 Minuten gesehen zu haben? Hallo? Nur Herthaner gehen früher nach Haus!) der jenen, die sich zu Recht Groundhopper nennen, zu eigen sein scheint. Vermutlich bin ich einfach nur Fußballromantiker mit Fernweh. Klingt auch irgendwie besser als Grundhopper.

Besitzverhältnisse geklärt

“Die meisten Fussballvereine haben Fans, aber beim 1. FC Union Berlin haben die Fans einen Verein.” – Wenn das mal nicht ein Satz ist, der Fußballfans insgesamt und diesem Fall natürlich den Unionern insbesondere runter geht wie Öl. Gefallen ist er in den Tagesthemen am 23.12. in der Anmoderation zu einem Bericht über Union. Anlass des Berichts war das alljährliche Weihnachtssingen, dass dieses Jahr leider nicht im Stadion, sondern in der Altstadt Köpenicks stattfinden musste.
Wer nicht weiß warum die sangesfreudigen Fans ausweichen mussten, wird aufgrund des schönen Berichts schlauer – wir sehen mal großzügig über die paar Klischeeklamotten à la “Fans die eigentlich dafür bekannt sind, dass sie auch schon mal die Fäuste fliegen lassen” hinweg.

Hier gibt es den ganzen Bericht. Geborgt hab ich ihn mir beim Hönower, der ihn gefunden hat und der auch noch einen ähnlichen Bericht vom RBB vorzuweisen weiß.

Oh, wo bleibt das Fünf zu Null?

Die Fans werfen begeistert ihre Sitzkissen aufs Spielfeld. In der Partie Jens Weinreich gegen den DFB hat ersterer mittlerweile ein formschönes 4:0 erzielt. Und während sich auf dem Platz ein absolutes Debakel für den DFB entwickelt, wird der Trainerstuhl des Cheftrainers Zwanziger immer wackliger. Man kennt ja die Gesetze des Fussballs und der Trainer ist immer der erste, der gehen muss…

Stell Dir vor, Du wirst Weltmeister – und keiner merkts.

Während sich die Bundesliga in den Winterschlaf begibt und deutsche Fußballfans beginnen, sich zu langweilen, brennt anderen Ortes noch Licht. Über die spannende Entscheidung im argentinischen Meisterschaftskampf schrieb ich ja bereits, die zweite Runde im Miniturnier der besten Drei konnten am Samstag die Boca Juniors für sich entscheiden. Am Dienstag kommt es jetzt zu der Entscheidung zwischen Boca und Tigre. Dreiundzwanzigster Titel für die Mannschaft aus dem Hafenviertel Buenos Aires oder erste Meisterschaft für den Verein aus dem Norden des Gran Buenos Aires, dem Großbezirk – spannend.

Spannend war wohl auch das Spiel um die Weltmeisterschaft. Manchester United gewann das Finale gegen den Südamerikanischen Vertreter LDU Quito mit 1:0 – den Spielberichten nach hochverdient, aber eben auch knapp.
Ich muss “war wohl” schreiben, weil das Spiel natürlich wieder mal nicht gezeigt wurde im deutschen Fernsehen. Falls in Deutschland überhaupt über den Wettbewerb berichtet wird, so nur unter ferner liefen. Welch ein Unterschied zu Südamerika, wo der Weltpokal tatsächlich als die Krönung, eben als die Weltmeisterschaft der Klubs angesehen wird.

Das hat natürlich viel damit zu tun, dass das Epizentrum des globalen Fußballs in Europa liegt und südamerikanische Spieler zwar gewichtiger Teil dieses Epizentrums sind, der südamerikanische Vereinsfußball aber aus europäischer Sicht als Peripherie wahrgenommen wird. Das Wissen um den europäischen Fußball – Vereine, Mannschaften, Spieler – ist in Südamerika ein weit größeres als umgekehrt. Das wäre mal eine spannende Umfrage: Wieviele südamerikanische Vereine dem deutschen Durchschnittsfan ad hoc einfallen – ob es mehr als drei oder vier wären?

Dass bei dem geringen Interesse (und natürlich den Anstoßzeiten) nicht erwartet werden kann, daß in Europa versucht wird mit z.b. Übertragungen des Copa Libertadores Geld zu verdienen, liegt demnach leider auf der Hand. Aber wenigstens der Weltpokal müßte doch drin sein. Und vielleicht wüchse damit auch das Interesse am Fußball vom anderen Ende der Welt.

Und weil es gerade so schön passt. Auf der schon mehrfach erwähnten Reise 2003 / 2004 durch Argentinien stiegen wir seinerzeit, soeben in Buenos Aires angekommen, nichtsahnend aus der Ubahn und gerieten in ein Meer aufgeregt wartender Boca Juniors Fans. Boca hatte zwei Tage zuvor den Weltpokal gewonnen und machte sich auf zur Triumphfahrt durch die Hauptstadt. Wenige Minuten später bahnte sich der Bus mit den Spielern und dem Pokal den Weg durch die jubelnde Menge. (Im Fenster oben sehen wir von links nach rechts: Carlos Tevez, den Pokal, Trainer Carlos Bianchi und Torwart Roberto Abbondanzieri – allesamt nicht mehr bei Boca)

Trainerkarussell, Kontinuität und ein Hoffenheimer Mysterium

Neulich behauptete ich in einem launigen Kommentar beim Trainer Baade, daß Huub Stevens aufgrund seiner kurzweiligen Verweildauer als Trainer bei deutschen Bundesligisten ganz gut zu Schalke 04 passen würde. Der Kicker hatte die Rückkehr des Knurrers aus Kerkrade (das ist nun wirklich mal ein mediales Wortspiel, das Spaß macht) in den Bereich des Möglichen gebracht. Immerhin, Schalke ist der einzige Bundesligist überhaupt und der einzige Verein seit 1997, bei dem Stevens länger als ein Jahr blieb.

Anschließend macht ich mir so meine Gedanken. Über Trainer, deren Verweildauer, deren Zusammenhang mit sportlichem Erfolg und überhaupt: über die Bedeutung von Kontinuität.
Ich mußte feststellen: Verdammich, ich weiß zu wenig. Bei den Kölnern krieg ich das noch so ungefähr hin, wer da in den, sagen wir mal, letzten zwanzig Jahren alles so auf dem Trainerstuhl, dem wackligen, saß. Aber sonst? Im Schlachtenlärm des allgemeinen Hire & Fire ist mir zuviel Information verlustig gegangen.

Also dann, dachte ich, schauen wir doch mal. Wieviele Trainer haben denn die aktuellen Bundesligisten in den letzten zwanzig Jahren beschäftigt, also ab Beginn der Saison 1988/89 bis zum heutigen Tag. Eine Schwierigkeit sind dabei die Interimstrainer, die die Lücken zwischen den hauptamtlichen Trainern füllten. Ich einigte mich auf die Regel, daß ein Übergangstrainingsleiter einen Monat lang die sportlichen Geschicke leiten dürfen mußte, um gezählt zu werden. Lang genug, um Einfluß auf die Mannschaft zu nehmen und sich möglicherweise durch erfolgreiche Trainingsarbeit den Platz des Cheffes zu sichern.

Hier nun das Ergebnis der letzten 20 Jahre – in Tabellenform, mit den Vereinen, die am wenigsten Trainer beschäftigten an der Spitze der Tabelle – schließlich lautet meine heimliche These “Mehr Kontinuität ist gut für den sportlichen Erfolg”:

Was sagt uns das? Genau: Die erfolgreichen Vereine sind eher in der oberen Hälfte der Tabelle zu finden. Energie Cottbus überrascht natürlich, allerdings ist Erfolg ja relativ – wer weiß, ob sich die Lausitzer mit handelsüblichem Kommen und Gehen solange in der Bundesliga hätten halten können. Und: Die Chaoten und Klassenclowns sitzen in den letzten Reihen, wie üblich.

Dem aufmerksamen Leser wird eins nicht entgangen sein: Das sind nur siebzehn Mannschaften. Da fehlt eine. Exakt: Hoffenheim. Das liegt nicht daran, daß ich das Kunstprodukt und Milliardärsspielzeug nicht mögen würde (wobei ich mich auch gegen den Eindruck verwehren möchte, ich würde es tun), sondern an folgendem kleinen Mysterium:

Weder fussballdaten.de, noch transfermarkt.de, noch wikipedia, noch die Hoffenheimer Website, noch irgendeine andere Seite kann Auskunft darüber geben, wer z.b. 1993 Trainer in Hoffenheim war. Oder 1989. Oder 1996. Oder, um mal ganz verwegen zu sein, 1971. Von 1899 schweigen wir sowieso. Die letzte Information stammt aus dem Jahr 1998, damals trainierte ein gewisser Raimund Lietzau den damaligen Verbandsligisten.

Ich sags ja nur.

Dümpeln im Gebiet der Ödnis

Es ist ein paar Jahre her, der 1. FC Köln zitterte gerade mal wieder um den Aufstieg oder dem Abstieg entgegen, da sagte F., seines Zeichens HSV Fan: Ach, ihr habt es gut.

Ich zeigte ihm natürlich umgehend einen Vogel und hob an vom einzig übrig gebliebenen “Dino der Liga” zu reden, vom Luxus der Abstinenz der Sorgen und Nöte zu schwadronieren, die ein Abstieg oder ein verpasster Aufstieg so mit sich bringen, was wenn dem Abstieg ein weiterer folgt, was wenn man für alle Zeiten Fortuna Kölns Erbe antritt als Ewiger Zweitligist, fuhr fort von der beneidenswerten Sicherheit für ihn als HSV Freund zu schwärmen.

Ja, sagte er, eben. Kein Abstieg, nicht mal ernsthafte Gefahr. Kein Meisterschaftsrennen. Keine nennenswerten europäischen Auftritte. Kein Titel seit ewigen Zeiten. Wie gesagt – das Gespräch ist ein paar Jahre her, vor dem letzten Aufschwung der Hamburger. Gewiss, sagte er dann noch, keine Angst, aber die andere Seite der Medaille heißt Hoffnung und auch die gibt es nicht. Du hast ja keine Ahnung, wie öde das sein kann, wie emotionslos man mit der Zeit wird.

Ich verstand. Und zeigte ihm natürlich weiterhin einen Vogel.

Wenn ich die abgelaufene Hinrunde des FC betrachte, und mir die Überwinterungstabelle ansehe, dann ist das wohl das großartigste, was diese positive Halbserie mit sich bringt: Die Freude über den Eintritt in Gebiete der Ödnis. Mal vier Spiele in Folge verlieren und trotzdem beim Anblick der Tabelle keinen Herzkasper kriegen. Nach Siegen über Spitzenteams nicht darüber nachdenken müssen, dass das nächste Spiel auch gewonnen werden muß, da sonst der heutige Sieg nichts wert sei. Keine hektischen Trainerentlassungen, keine halbherzige Neuformation der Mannschaft im Halbjahresrhythmus. Einfach mal dümpeln und die Beine baumeln lassen. Großartig.

Gut, zugegeben: Wenn das gut geht und sich dann so fortführt, seh ich das in fünf Jahren vermutlich auch anders. Aber bis dahin: Bitte weiter Graumäusig werden.

GanzWeitAuswärts

Wer mal einen Blick ins Impressum geworfen hat, hat vielleicht gelesen, woher das Foto, das meinen Header ziert, stammt: Buenos Aires heißt die Stadt, wir sehen die oberen Ränge der Heimkurve des Estadio Pedro Bidegain, Heimat des Club Atletico San Lorenzo de Almagro. Vor fünf Jahren weilten Freund Sasha und ich für drei Monate im Süden Südamerikas und ließen uns natürlich nicht entgehen, soviele Fußballspiele mit zu nehmen wie möglich, was aufgrund der Sommerpause über Weihnachten und Neujahr weniger war als erhofft.

Neben aktiven Stadienbesuchen verbrachten wir viel Zeit mit anderen schönen Dingen. Zum Beispiel damit, uns mit Freude unser Gehirn waschen zu lassen: Ja, ohne Frage, Diego Armando Maradona ist Gott und bester Fußballspieler aller Zeiten in Personalunion – und das hat nichts damit zu tun, daß unserem Gefühl nach immer auf irgendeinem Fernsehsender eine Zusammenfassung mit den schönsten Maradona-Toren lief.

Eine unserer liebsten Beschäftigungen war die argentinische Regelkunde. Obwohl leider nur mit mittelmäßigen Spanisch ausgestattet, hatten wir die Grundzüge schnell raus, mit den Sonderfällen will ich hier niemanden langweilen: Es gibt zwei Saisons pro Jahr. Die Absteiger werden mit komplizierten Koeffizienten ermittelt, die sich ergeben indem die gesammelten Punkte aus den letzten sechs Saisons (also drei Jahren) durch die gemachten Spiele geteilt werden. Copa Libertadores Teilnehmer werden ähnlich ermittelt, nur noch komplizierter.

Und: Wer am Ende einer Saison ganz oben steht, ist nicht unbedingt Meister.

Genau das trifft gerade zu: Am vergangenen Wochenende endete die Apertura, also die “Hinserien-Meisterschaft”, wenn man so will. Das Eingangs erwähnte San Lorenzo hat die Meisterschaft auf Platz 1 abgeschlossen. Das nützt aber (noch) nichts, denn punktgleich auf Platz 2 und 3 liegen Boca Juniors und No-Name und Außenseiter CA Tigre. Und bei Punktgleichheit wird der Meister durch ein Entscheidungsspiel ermittelt, bei mehreren Mannschaften, wie in diesem Fall, kommt es zu einem Miniturnier. Jede Mannschaft spielt einmal gegen jede auf neutralen Plätzen. Sollte dann immer noch Punktgleichheit vorherrschen, entscheidet der direkte Vergleich aus der abgelaufenen Saison. Dann wäre Tigre Meister, das beide Spiele gegen die Konkurrenten gewinnen konnte.

Eigentlich aber auch egal, da das von mir favorisierte Independiente einen schmachvollen 18. Platz belegte. Maradonaseidank gibt es die oben erwähnten Abstiegsregeln, die eine Zweitklassigkeit verhindern.

Um dem eigentlich-schon-irgendwie-aber-auch-nicht Meister San Lorenzo zu huldigen, hier noch mal das Foto von oben in Gänze und unbearbeitet:
san lorenzo

Und vielen Dank an Fußball auf Argentinisch, dessen detaillierten Beiträge halfen meine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern und das sowieso ein Lesebefehl für alle Argentinien-Interessierten ist.

Doppelbuchung

Am letzten Spieltag der Vorrunde passiert nun, wovor ich mich schon die ganze Saison über fürchte: Sowohl der FC als auch Union spielen am Samstag, letztere mit Heimspiel und ich bin in Berlin. Da gibts dann also zwei Pflichttermine und beide haben es auf ihre Weise in sich.

Union spielt gegen Emden. Zweiter gegen Dritter, ein am Ende möglicherweise vorentscheidenes Spiel um wichtige Punkte in Sachen Aufstieg. Ausgang völlig offen, würde ich sagen, aber die Ostfriesen haben noch ein Nachholspiel, deswegen wären drei Punkte für Union sehr wichtig.
Der FC spielt gegen den VfL Bochum. Da geht es vor allem darum, die Negativserie von vier Spielen in Folge zu stoppen und einen versöhnlichen Abschluß einer insgesamt zufriedenstellenden Hinserie zu finden.

Und für mich geht es um gutes Zeitmanagement. Normalerweise wär das Ganze ein Ding der Unmöglichkeit, aber, und jetzt kommt die Crux an diesen Gedankengängen, dank unschöner Dinge wird es gehen:

Union spielt ja zur Zeit nicht zu Hause im Stadion An der Alten Försterei – das ist unschön. Das Schöne im Unschönen ist, dass sie stattdessen im Jahnsportpark spielen, der in unmittelbarer Nähe zur Schwalbe liegt, die Sportkneipe Berlins für FC Fans.
Und: Die 3. Liga ist von der DFL genötigt worden, schon um 14.00 Uhr ihre Spiele zu beginnen. Darüber muss man ja schon froh sein, bald beginnen sie sicherlich um 8:30 Uhr morgens. Trotzdem: Unschön. Das Schöne im Unschönen ist für mich in diesem Fall, daß das eine Spiel beginnt, wenn das andere aufhört. Und ich also nur den kurzen Weg vom JSP zur Schwalbe überbrücken muss.

Und hoffentlich zwei Siege sehe.

Auf zum letzten Tanz

Man kann und darf von den Grünen halten was man will. Daß die nordrhein-westfälische Landtagsfraktion der Partei gestern Manni Breuckmann aufforderten, weiter am Mikrofon zu bleiben, ist definitiv eine ehrenwerte Sache.

War, besser gesagt, denn der kurze Hoffnungsschimmer am Horizont des fußballübertragenden Radios ist schon wieder erloschen. Der Kölner Stadtanzeiger vermeldet Breuckmanns Antwort: “Der Rückzug steht fest, da hilft kein Bitten, Beten oder Betteln, er ist seit fünf Jahren vertraglich festgezurrt”.

Am Samstag kommentiert er sein letztes Spiel: VfL Bochum gegen den 1. FC Köln. Also, bevor die endgültige Töpperwienisierung Einzug hält: Fernseher aus, Radio an.

Altersenilität, Quichoterie oder Dolchstoß?

Schaut man sich um in der fussballerischen Blogosphäre, herrscht dieser Tage ein Thema und zwei Emotionen vor. Der Theo einerseits und Empörung und Verwirrung andererseits.

Über die Empörung brauche ich nicht viel zu schreiben, die erklärt sich von selbst.
Neben dieser ist es aber vor allem das große “WHAT THE FUCK?” das die Schreibenden und Kommentatoren umtreibt: Was zum Teufel denkt sich der Mann dabei, von einem Fettnapf in den nächsten zu springen? Der Drang, als größter Eigentorschütze in die Geschichte einzugehen, wie vom Trainer Baade vermutet, dürfte es kaum sein.

Nach einigem Hin und her einigte ich mich mit mir auf drei mögliche Antworten.

Altersenilität.
Er weiß nicht was er tut. Er kennt zwar das Internet, hat aber von Blogs noch nicht viel gehört. Daß sich durch die technischen Veränderungen auch die Welt der veröffentlichten Kommunikation verändert hat, hat ihm noch keiner gesagt. Anders ist der Ausspruch “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer” im Jahr 2008 eigentlich nicht erklärbar – es sei denn man lebt in Nordkorea oder China. Die Frage dann ist nur, was zum Geier eigentlich der Direktor für Kommunikation des DFB, Harald Stenger, den lieben langen Tag macht. Eine Powerpoint Präsentation Mit Hilfe einer Matrize einen Leitfaden zum Thema “Was sich durch das Internet alles verändert hat” für die Führungsebene vervielfältigen jedenfalls nicht.

Quichoterie.
Die etwas freundlichere, nicht weniger dämliche Variante der Altersenilität. Der Theo und seine Mannen wissen das alles, wollen es aber nicht wahrhaben. Man muss nur lang genug um die Kommunikationsherrschaft kämpfen, dann gibt es sie auch wieder. Ganz bestimmt. Ehrlich. Und dann ist es wieder wie früher, da konnte sich Hans Müller aus sagenwirmal Erftstadt auch wie ein Waldschrat über “Die da oben” aufregen, interessiert hat es doch keinen. Augen zu und feste dran glauben. Wird schon.

Dolchstoß.
Hinter dem Theo sitzt der Wolfgang Niersbach. Der war früher mal Pressechef der Fußball-Europameisterschaft 1988 und dann Pressechef und Mediendirektor des Deutschen Fußballbundes, Stengers Vorgänger also. Nehmen wir also mal an, daß der die medialen Mechanismen des Jahres 2008 kennt. Nur mal so in den Raum gestellt: Sollte der nun Kalif anstelle des Kalifens werden wollen und mit dem Problem konfrontiert sein, daß der bisherige Kalif seine Arbeit ganz gut macht und auch ganz gut ankommt, wäre das eine wunderbare Sache, um den Thron kurzfristig verwaisen zu lassen. Und wenn wir eins wissen, dann das: Fußballfunktionärstümelei ist ein schmutziges Geschäft. Jürgen Kalwa führt diese dritte Möglichkeit drüben bei der american arena in größerer Breite aus. Lesenswert.

Wir bleiben so klug als wie zuvor. Am Ende stellt sich vermutlich heraus, daß den Einen die Senilität ritt, der Zweite den Kampf nicht aufgeben wollte und der Dritte genüsslich den neuen Posten antritt.