Trainerkarussell, Kontinuität und ein Hoffenheimer Mysterium

Neulich behauptete ich in einem launigen Kommentar beim Trainer Baade, daß Huub Stevens aufgrund seiner kurzweiligen Verweildauer als Trainer bei deutschen Bundesligisten ganz gut zu Schalke 04 passen würde. Der Kicker hatte die Rückkehr des Knurrers aus Kerkrade (das ist nun wirklich mal ein mediales Wortspiel, das Spaß macht) in den Bereich des Möglichen gebracht. Immerhin, Schalke ist der einzige Bundesligist überhaupt und der einzige Verein seit 1997, bei dem Stevens länger als ein Jahr blieb.

Anschließend macht ich mir so meine Gedanken. Über Trainer, deren Verweildauer, deren Zusammenhang mit sportlichem Erfolg und überhaupt: über die Bedeutung von Kontinuität.
Ich mußte feststellen: Verdammich, ich weiß zu wenig. Bei den Kölnern krieg ich das noch so ungefähr hin, wer da in den, sagen wir mal, letzten zwanzig Jahren alles so auf dem Trainerstuhl, dem wackligen, saß. Aber sonst? Im Schlachtenlärm des allgemeinen Hire & Fire ist mir zuviel Information verlustig gegangen.

Also dann, dachte ich, schauen wir doch mal. Wieviele Trainer haben denn die aktuellen Bundesligisten in den letzten zwanzig Jahren beschäftigt, also ab Beginn der Saison 1988/89 bis zum heutigen Tag. Eine Schwierigkeit sind dabei die Interimstrainer, die die Lücken zwischen den hauptamtlichen Trainern füllten. Ich einigte mich auf die Regel, daß ein Übergangstrainingsleiter einen Monat lang die sportlichen Geschicke leiten dürfen mußte, um gezählt zu werden. Lang genug, um Einfluß auf die Mannschaft zu nehmen und sich möglicherweise durch erfolgreiche Trainingsarbeit den Platz des Cheffes zu sichern.

Hier nun das Ergebnis der letzten 20 Jahre – in Tabellenform, mit den Vereinen, die am wenigsten Trainer beschäftigten an der Spitze der Tabelle – schließlich lautet meine heimliche These “Mehr Kontinuität ist gut für den sportlichen Erfolg”:

Was sagt uns das? Genau: Die erfolgreichen Vereine sind eher in der oberen Hälfte der Tabelle zu finden. Energie Cottbus überrascht natürlich, allerdings ist Erfolg ja relativ – wer weiß, ob sich die Lausitzer mit handelsüblichem Kommen und Gehen solange in der Bundesliga hätten halten können. Und: Die Chaoten und Klassenclowns sitzen in den letzten Reihen, wie üblich.

Dem aufmerksamen Leser wird eins nicht entgangen sein: Das sind nur siebzehn Mannschaften. Da fehlt eine. Exakt: Hoffenheim. Das liegt nicht daran, daß ich das Kunstprodukt und Milliardärsspielzeug nicht mögen würde (wobei ich mich auch gegen den Eindruck verwehren möchte, ich würde es tun), sondern an folgendem kleinen Mysterium:

Weder fussballdaten.de, noch transfermarkt.de, noch wikipedia, noch die Hoffenheimer Website, noch irgendeine andere Seite kann Auskunft darüber geben, wer z.b. 1993 Trainer in Hoffenheim war. Oder 1989. Oder 1996. Oder, um mal ganz verwegen zu sein, 1971. Von 1899 schweigen wir sowieso. Die letzte Information stammt aus dem Jahr 1998, damals trainierte ein gewisser Raimund Lietzau den damaligen Verbandsligisten.

Ich sags ja nur.

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