Derby. Vorzeichen.

Die Spannung steigt. Das Derby steht an. Ach, was sag ich: DAS Derby steht an. Das muss betont werden, weil ja in letzter Zeit gerne von dem rheinischen Derby gesprochen wird, wenn der FC gegen die Werbemaßnahme aus Vizekusen spielt, aber wie ich schon einmal ausreichend begründete, gibt es da nur ein Spiel, auf das diese Bezeichnung paßt, und das ist eben das Spiel des glorreichen 1. FC Köln gegen die Borussia aus Mönchengladbach.

Das Derby ist immer heiß und das nicht erst seit dem Blogfahnenvorfall vor zwei Jahren. Doch dieses Derby steht aus verschiedenen Gründen unter besonders explosiven Vorzeichen:

Da wäre zum einen die miserable sportliche Figur, die beide Vereine jüngst abgaben. Beide Vereine haben mit 9 errungenen Punkten dieselbe Rückrundenbilanz vorzuweisen: 2 Siege, 3 Unentschieden, 4 Niederlagen – wobei sich Gladbachs bisheriges Programm deutlich einfacher liest: Freiburg, Nürnberg, Hertha, Bochum – alles potentielle Absteiger, der FC spielte zeitgleich mit Ausnahme von Werder Bremen gegen alle Mannschaften, die derzeit unter den ersten zehn der Tabelle platziert sind. Zuletzt wurden Gladbachs Gegner hochkarätiger, und in Folge dessen setzte es kräftige Niederlagen: Einer 3:0 Auswärtsniederlage bei Dortmund folgte ein 0:4 Heimdebakel gegen den amtierenden Meister aus Wolfsburg.

Aus Kölner Sicht ließ sich die Rückrunde bei dem schweren Auftaktprogramm gar nicht so schlecht an, doch es gibt etwas gutzumachen nach dem lust- und planlosen Auftritt bei Mainz, auch wenn die 05er am vergangenen Samstag ein Spiel machten, bei dem sie über sich hinauswuchsen. Dumm nur, dass es sich um ein Heimspiel handelt, gerade mal zwei Heimsiege in dieser Saison sind verdammt wenig, um daraus Hoffnung zu schöpfen.

Zahlenspielereien, vielleicht. Faktisch jedoch bedeutet das Ergebnis der bisherigen Rückrunde für beide Vereine, das plötzlich die Abstiegsränge wieder ganz nah gerückt sind. Vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind es nur noch für den FC, zwar noch komfortable Sieben für Gladbach, doch bei einer Niederlage am Freitag und gleichzeitigen Siegen der Kellerkinder Nürnberg und Hannover, die beide im Aufwind sind, steht auch die Borussia plötzlich wieder ganz nah am modrigen Geruch der 2. Liga. Es geht also um mehr als um die bloße Macht am Rhein beim Derby.

Doch auch Abseits des Spielfeldes gibt es allerlei Anlaß zu Diskussionen. Die seit dem Auftritt der Herthafans am vergangenen Wochenende neu aufgeflammten Debatten sind Zündstoff in der Sorge um ein ruhiges Derby. Beide Vereine haben dazu aufgerufen, sich bei aller Rivalität friedlich zu begegnen. Es möge doch bitte, anders als in den “letzten Jahren bei der besonders zur Schau getragenen Rivalität der Ultragruppierungen” auch für diese der Fußball wieder im Mittelpunkt stehen. Mir als nicht gerade großer Ultra-Fan stellt sich dabei natürlich die Frage, wann denn überhaupt für irgendeine Ultragruppierung schon mal der Fußball im Mittelpunkt gestanden hat, ich dachte immer, Hauptziel sei der neunzigminütige Dauersupport. Abseits dessen frage ich mich allerdings auch, was die Polizei, mit deren Zusammenarbeit der Aufruf entstand, unter “konspirativen Anreisen” versteht, welche tunlichst unterlassen werden soll.

Und die zunehmend giftigere Atmosphäre trägt erste, unschöne Folgen: Fans, die eigentlich nichts lieber tun wollen als am Freitag ihren Verein zu unterstützen, bleiben lieber zu Hause. Spätestens da sollte sich der eine oder andere Protagonist, egal welcher Seite, ein paar Minuten Zeit nehmen, um darüber nach zu denken, über das Gelbe und das Ei und was das wohl sei.

Und auch der FC tut das seinige, um unliebsame Fans fernzuhalten – allerdings auf Wegen, die ganz gewiß nicht die richtigen sind: Wer noch eine der Restkarten ergattern will (Warum es bei diesem Spiel, bei dem es seit Jahren schon lange im Vorfeld völlig undenkbar ist, an Karten zu kommen, überhaupt noch Restkarten gibt, ist eine Frage, die ich gerne mal vom FC beantwortet hätte), dem wird ganz besonderes Glück zuteil: Für nur 40 Euro darf er zusätzlich eines der aktuellen Trikots erstehen. Das ist doch mal ein Service. Nun gut – dass man ein Trikot erwerben muss, wenn man noch eines der Tickets ergattern will, ist vielleicht ein bißchen übertrieben. Oder, um es deutlicher zu sagen: Sag mal, liebster FC, hast Du noch alle Latten an der Murmel?

Aber trotz all dieser unguten Vorzeichen bleibt das Spiel was es ist: Ein Derby. Mit allem, was emotional dazu gehört: Die möglicherweise völlig unberechtigte Hoffnung auf ein großes Spiel und die Euphorie, wenn es zwar kein großes Spiel aber ein erfolgreiches wird. Und natürlich die katharsische Niedergeschlagenheit, sollte das misslingen. Was es aber natürlich unter keinen Umständen wird. Habt ihr gehört, ihr Rot-Weißen?

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